Warnung vor der Zukunft der LINKEN in Würzburg

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Würzburg erleben

19. November 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Vera Lengsfeld – Bürgerrechtlerin, Ex-Stasi-Gefangene, LINKE-Gegnerin

Vera Lengsfeld hatte ein spannendes, ein ereignisreiches, ein tragisches Leben. 1952 in Thüringen geboren, war die Bürgerrechtlerin seit den 1970er-Jahren aktiv in der Opposition gegen das SED-Regime in der DDR tätig. Für ihr „Abweichlertum“ saß sie im Berliner Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen in Haft, bevor sie in den Westen abgeschoben wurde. Am Morgen des 9.Novembers kehrte sie in die DDR zurück – um den Fall der Mauer an der Bornholmer Straße hautnah miterleben zu können. Das Schicksal traf sie noch einmal hart, als sie im Dezember 1991 erfuhr, dass sie vom eigenen Ehemann für die Stasi bespitzelt wurde. Sie ließ sich umgehend scheiden.

Von ihrem bewegten Leben erzählt Vera Lengsfeld am Freitagabend jedoch nichts in Würzburg. Stattdessen tut sie das, was sie am besten kann, was sie ihr ganzes Leben lang getan hat. Sie warnt, sie appelliert, sie setzt sich ein. Dafür, dass die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden. Vor 25 Jahren fiel die Mauer. Doch für sie ist es damit noch nicht getan. Sie warnt immer noch vor der einen Partei, die diesen Unrechtsstaat beherrschte: früher SED, heute Die LINKE.

Im Stasi-Gefängnis getroffen

Dass Vera Lengsfeld am Freitagabend im Würzburger Hofbräukeller auf Einladung des CSU-Kreisverbands Würzburg Stadt spricht ist „ein glücklicher Zufall“, wie MdL Oliver Jörg sagt. Parteimitglieder hatten sie bei einer Führung im ehemaligen Stasigefägnis Hohenschönhausen kennen gelernt und sie nach Würzburg eingeladen. Diesen nicht gerade kurzen Weg hat sie gerne auf sich genommen, um vor rund 80 Menschen über den „bedeutendsten Einschnitt der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts“ zu berichten.

Lengsfeld warnt gleich zu Beginn ihres Vortrags vor einer „Übersättigung“. Es entstehe der Eindruck, dass nach mehreren Wochen der Berichterstattung über den Fall der Mauer die Bürgerrechtler von damals wieder Ruhe geben sollen. Doch davor will Lengsfeld warnen. Ihr Vortrag wird sich nur um ein Thema drehen: „Die SED darf nicht als normale Partei angesehen werden.“

Die SED hat sich nie aufgelöst

Auch wenn viele vieles vergessen hätten, Lengsfeld kämpft weiter für ihre Sache. Im Laufe des Abends erinnert sie mehrfach daran, dass sich die SED nie aufgelöst, sondern nur viermal umbenannt hat. Sie erzählt wie sich Gysi, Bartsch, Brie oder Wagenknecht erfolgreich an der Spitze der Partei halten: „Zu demokratischen Parteien gehört auch ein demokratischer Wechsel in den Strukturen.“ Lengsfeld erinnert auch daran, dass Gysi nie ausgesagt hat, wo das DDR-Vermögen von 24 Milliarden DM verblieb – mit der Begründung, er würde sich selbst belasten. Auch der dafür eingesetzte Untersuchungsausschuss zwischen 1994 und 1998 konnte dies nie vollständig ermitteln.

Warum warnt Lengsfeld vor dieser Partei? „Sie haben die Chance in Thüringen den Ministerpräsidenten zu stellen.“ Für sie ein Albtraum. Habe doch die SED sich nie bei den Opfern des Regimes entschuldigt oder Verantwortung übernommen. Auch jetzt bei den Koalitionsverhandlungen wurde zwar auf Druck von Grünen und SPD in die Präambel des Koalitionsvertrages geschrieben, die DDR sei ein „Unrechtsstaat“ gewesen – doch für Bodo Ramelow war dies nur eine „Protokollnotiz“. „Es kommt keine neue geläuterte Partei in Thüringen an die Macht, sondern der alte Geist. Das hat verheerende Folgen für Thüringen, für ganz Deutschland“, sagt Lengsfeld.

Kinder suchen noch heute ihre Eltern

Um ihre Warnungen zu verdeutlichen geht die ehemalige Bundestagsabgeordnete an diesem Abend auf das Wirken der SED in der DDR ein. Sie erzählt von der klammen Wirtschaft, den menschenverachtenden Zuständen in den „Jugendwerkhöfen“ und den Zwangsadoptionen. „Bis heute gibt es hunderte ungeklärte Fälle, wo sich Eltern und Kinder noch immer suchen. Die Verantwortlichen haben die Akten beiseite geschafft und schweigen bis heute“, sagt Lengsfeld.

Zum Schluss ihres Vortrages liest sie verschiedene Passagen aus ihrem Buch „1989. Tagebuch der friedlichen Revolution“. Sie hatte es geschrieben, nachdem sie gemerkt hat, wie wenig über die Geschehnisse 1989 bekannt war. Die Zuschauer an diesem Abend merken, wie sehr Vera Lengsfeld für die Geschichte brennt – und wie sehr sie dafür kämpft, dass sich diese nicht wiederholen wird.

Drei Fragen von Würzburg erleben an Vera Lengsfeld

Sie waren Bürgerrechtlerin in der DDR, saßen im Gefängnis und haben erst nach dem Fall der Mauer erfahren, dass sogar ihr eigener Mann Sie bespitzelte. Wie konnten Sie immer weitermachen? 

„Wir haben gesiegt und das ist das Allerwichtigste. Es war gar kein Problem weiterzumachen – als wir Anfang der 80er-Jahre mit dieser Arbeit angefangen haben, haben wir geglaubt die Mauer könnte ein bisschen durchlässiger werden und die DDR ein bisschen erträglicher. Aber, dass die DDR und die Mauer verschwinden würden, dass war außerhalb unserer Vorstellungen. Wir haben einen Sieg errungen, von dem wir nicht einmal träumen konnten und das ist überwältigend. Dann war das gar kein Problem weiterzumachen.“

Vor 25 Jahren fiel die Mauer – wie war das für Sie?

„Dieser Tag gehört zu den schönsten Tagen in meinem Leben, vor allem weil ich dabei war. Ich war dabei als die Mauer an der Bornholmer Brücke fiel und ich habe das alles hautnah miterlebt. Ich bin unendlich dankbar, dass ich nicht irgendwo vor dem Fernseher gesessen habe, sondern wirklich dabei war. Es war ja nicht nur der Mauerfall, was so faszinierend war, sondern wie rasch sich hinterher alles geändert hat: das ganze Leben. So einen Prozess gibt es sehr, sehr selten. Kaum einmal in der Lebenszeit eines Menschen.“

Der Jugend von heute wird vorgeworfen sie sei so unpolitisch. Haben Sie einen Ratschlag?

„Ich kann das so nicht bestätigen. In der Art und Weise wie unsereins oder die 68er politisiert war – das war ja ungesund. Das Leben ist sehr viel mehr und hat sehr viel mehr zu bieten als nur Politik. Und ich finde nicht, dass junge Menschen nicht engagiert sind. Jedenfalls die, die ich kenne engagieren sich für das was ihnen wichtig erscheint und kümmern sich vielleicht weniger darum fremdbestimmt durch die Politik zu werden und das finde ich sogar gut. Politik ist, wie gesagt, nur eine Sache. Ich komme aus einer Situation, in der das ganze Leben von vorne bis hinten von der Politik bestimmt wurde und weiß, wie das Menschen verkrüppelt. Deshalb finde ich das eher ein Zeichen von gewonnener Freiheit, dass junge Menschen die Wahl haben sich um Politik zu kümmern oder eben nicht zu kümmern.“

Vera Lengsfeld bekam 1990 den Aachener Friedenspreis und 2008 das Bundesverdienstkreuz. Sie war 1996 Mitbegründerin des Bürgerbüros für die Verfolgten der DDR-Diktatur und sitzt seitdem im Vorstand. Auch den Gedenkstättenverein des Stasigefängnisses Hohenschönhausen hat Lengsfeld 2003 mitinitiiert und sitzt auch dort seitdem mit im Vorstand.

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