Die Facebook-Falle – wenn sie zuschnappt…
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Würzburg erleben
21. November 2014

Symbolbild Würzburg
…bist du dran, dir Gedanken zu machen…
„Eines Tages wachte ich auf und obwohl meine Augen noch schwer waren vom Schlaf, hatte ich mir schon mein Smartphone geschnappt und tippte im grellen Licht des kleinen Bildschirms auf das kleine weiße „f“ mit blauem Hintergrund. Blinzelnd streifte ich mit meinem Zeigefinger über die Oberfläche des kleinen Computers und „scrollte“ durch die digitale Welt. Auf einmal dämmerte mir, dass ich Facebook-abhängig war.“
Ein Freund beschrieb mir so oder so ähnlich seine erschütternde Selbsterkenntnis, und im selben Atemzug meinte er, „und dann habe ich sofort meinen Account abgemeldet, alle Freunde und alle Gefällt-mir-Angaben gelöscht, damit ich ja nicht rückfällig werde – es ging einfach zu weit“. Ich war zunächst schockiert. Nicht, weil ich es so schockierend fand, dass er sich nach dem Aufwachen als allererstes auf Facebook einloggte, sondern weil dies seit Langem meine allmorgendliche Routine war und ich es bis dahin gar nicht schockierend gefunden hatte.
Aufregung um nichts?
Ich hatte noch nie das Gefühl, dass meine Nutzung des sozialen Netzwerks zu weit führen könnte, dass ich über die Maßen davon Gebrauch nahm. Schließlich gibt es ja auch keine offiziellen Richtlinien, die einem Nutzer vorschreiben, wie oft gesund ist und ab wann es gefährliche Konsequenzen haben könnte, Facebook zu nutzen. Und diese „Konsequenzen“ sind sowieso nicht definiert. Ist es etwa gesundheitsschädlich, so wie Rauchen? Oder ist es doch „nur“ eine weitere Marotte des modernen Menschen? Ich verstand die Aufregung nicht.
„Höha, schnella, weita…“ in die Zukunft
Die Welt, in der wir leben, ist nicht mehr eindimensional, wie vor 20 Jahren. Ich wuchs in einer Welt auf, in der das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und das Web 2.0 noch ein Fremdwort war. Damals war an einen solchen „Fortschritt“ noch nicht zu denken – natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, ob er diese Weiterentwicklung als Fortschritt oder als unseren Untergang bezeichnen möchte. Doch ich sehe das so: Computer und Internet sind die Zukunft, ob es den Leuten nun passt oder nicht. Man hat das Gefühl, dass fast sekündlich neue IT-Startups gegründet werden, die sprießen aus der Erde wie Grashalme und überziehen den gesamten Erdball. Höha, schnella, weita… – um es mit den Worten eines 90er-Jahre HipHopers zu sagen. Er ist kaum zu stoppen, dieser Fortschritt, denn die Nachfrage ist schwindelerregend hoch.
Es ist doch so: Seit Anbeginn der Wissenschaft haben sich die Alteingesessenen und die Rückschrittler gegen jeglichen Fortschritt gewehrt – und jedes einzelne Mal wurden sie gnadenlos vom Sturm der Moderne hinweggefegt. Entweder man beugt sich oder man lässt es bleiben. Aufhalten geht nicht, oder nur in den allerseltensten Fällen. Eine Kutsche ohne Pferd, angetrieben von einem lärmenden Ding namens Motor? Ein Teufelswerk! Was der Bauer nicht kennt, kann ihm schon mal sauer aufstoßen, doch sobald er sich dann selbst von den Vorteilen überzeugt hat, ist das neue Ding nicht mehr wegzudenken.
Alles in einem Newsfeed
Nun ja, und so verhält es sich auch mit dem Web 2.0 – Facebook und allen anderen sozialen Netzwerken, wie Twitter, Instagram und Pinterest. Wichtig ist meiner Meinung nach nur, sich bewusst zu machen, was dieses Medium voller Möglichkeiten für einen selbst tut. Ich weiß, dass ich, wenn ich mich morgens nach dem Aufwachen durchklicke, all die Neuigkeiten der Welt gebündelt auf meinem Facebook-Newsfeed angezeigt bekomme. Da brauche ich nicht auf spiegel.de gehen, um mir einen Artikel zu der aktuellen politischen Lage in Syrien durchzulesen, sondern ich habe eine Auswahl an verschiedenen Artikeln zum selben Thema und kann mir eine differenziertere Meinung bilden als jeder FAZ-Abonnent.
Ich kann innerhalb von wenigen Minuten viele Neuigkeiten und Meldungen durchgehen, interessante anklicken und eventuell durchlesen, und wenn ich dann aufstehe, fühle ich mich keineswegs schlecht oder schwach oder abhängig. Solange man differenzieren kann, solange man weiß, was man tut, solange man es bewusst tut und das Getane reflektiert, kann mir niemand erzählen, dass es schlecht sein soll, einen Facebook-Account zu haben. Klar ist es schockierend, dass die Jugend von heute nur noch in ihre Smartphones tippt – aber es war auch mal schockierend zu Rockmusik zu tanzen.
Ein Gastbeitrag von Lisa Hüttinger
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