Finanzspritze für die Kickers spaltet den Stadtrat
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Würzburg erleben
21. November 2014

Symbolbild Würzburg
Vermögens- oder Verwaltungshaushalt
Eigentlich liefen die Haushaltsberatungen zum Verwaltungshaushalt am Donnerstag im Würzburger Stadtrat harmonisch zwischen den einzelnen Fraktionen ab – bis Stadtrat Wolfgang Roth (CSU) mitten hineingrätschte.
In der Mitte der angesetzten Haushaltsanträge, erklärte er plötzlich, dass er nicht nachvollziehen könne, warum der interfraktionelle Antrag für einen Zuschuss für die Würzburger Kickers im Vermögenshaushalt (hieraus werden Investitionen getätigt) angesetzt worden sei – und nicht im gerade diskutierten Verwaltungshaushalt (hier werden die laufenden Einnahmen und Ausgaben veranschlagt).
Warum mittendrin diskutiert?
Nach kurzem Scharmützel und einer unüberschaubaren Abstimmung, erklärte sich Stadtkämmerer Robert Scheller bereit, dann eben den Antrag zu diesem Zeitpunkt mitten in den anderen Beratungen zu diskutieren. Aus den Reihen der anderen Stadträte wurde gemurmelt, dass man es so auch schaffe noch rechtzeitig in die Zeitung zu kommen. Im Laufe der 1,5 Stunden andauernden Diskussion wurde sich der Stadtrat jedoch schnell einig, dass dieser Antrag in den Vermögenshaushalt gehört (und so eigentlich erst am Freitag diskutiert worden wäre). Stadtrat Sebastian Roth (LINKE) sollte am Schluss der Debatte fragen, warum denn der Stadtrat vorher über die Tagesordnung abstimmt, wenn diese dann nicht eingehalten werde.
Insgesamt hatten 20 Stadträte den Antrag eingereicht, dass der F.C. Würzburger Kickers e.V. einen Zuschuss von 300.000 Euro erhält. „Unter der Bedingung, dass nachweislich mindestens 1,2 Millionen Euro aufgrund von behördlichen und von DFB Auflagen verausgabt worden sind bzw. werden müssen.“ Diese Summe soll in drei gleichen Teilen in den Haushaltsjahren 2015, 2016 und 2017 ausgezahlt werden. Dazu forderten sie, dass der Verein ab dem nächsten Jahr einen eigenen Haushaltstitel bekommt, um die Transparenz der Förderung zu erhalten. Die bisherige Sportförderung soll trotzdem nicht verringert und erhalten bleiben.
Stadt soll sich an den DFB-Auflagen beteiligen
Wolfgang Roth (CSU) erklärte, dass die Kickers für die Errichtung von Wellenbrechern sowie Gäste- und Fanblöcken für ihre Spiele im DFB-Pokal gut 1,2 Millionen Euro ausgegeben hätten. Joachim Spatz (FDP) bezifferte die Summe gar auf 1,7 Millionen Euro. „Aus diesem Grund wollen wir einen Teilbetrag von 300.000 Euro Sportförderung gewähren und den Verein damit unterstützen“, sagte Roth. Das wäre dem CSU-Stadtrat zufolge eine adäquate Möglichkeit, wie sich die Stadt an den Auflagen vom DFB beteiligen könne. Spatz sagte, dass man sichergehen wolle, dass kein Euro davon in den laufenden Spielbetrieb fließe.
Die Idee hinter dem Antrag hätte wahrscheinlich noch mehr Sympathisanten unter den Stadträten gefunden – wenn diese sich nicht an der Art und Weise gestört hätten, wie dieser erfolgte. Hans Werner Loew (SPD) erklärte, dass er höherklassigen Fußball unterstütze – jedoch Bedenken habe. So sei die Summe klar im Verwaltungshaushalt falsch aufgehoben. Auch fand er den Antrag in den Haushaltsberatungen, ohne dass dieser vorher im Sportbeirat diskutiert wurde, am falschen Platz. Ihm fehlte vor allem auch die nachprüfbare Investitionsvorlage. So habe der Stadtrat keinerlei Nachweise wie viel Geld der Verein für welche Maßnahmen ausgegeben hat.
Vorher über 1000 Euro diskutiert, nun 300.000 Euro verschenkt?
Andere Stadträte wunderten sich über die Großzügigkeit – hatten sich die Fraktionen in ihren Haushaltsreden zuvor doch noch zum Sparkurs bekannt. Raimund Binder (ÖDP) merkte an, dass dagegen zuvor noch über geringe vierstellige Beträge für soziale Themen, wie beispielsweise die Würzburger Frauenhäuser, diskutiert wurde. Und Matthias Pilz (Grüne) erinnerte daran, dass die Kickers für ihre Teilnahme am DFB-Pokal auch Fernsehgelder bekommen hätten und warnte vor einem „Automatismus“, den man hier in Gang setzen könne.
„Mit 300.000 Euro kommen wir günstiger als wir dies mit einer Sportförderung kämen“, sagte Aron Schuster (CSU). Er betonte, dass es hier um Unterstützung beim Stadion ginge und auch er nicht wolle, dass mit dem Geld das VIP-Zelt finanziert werde. Städte, wie Siegen, Aaalen oder Chemnitz seien mit deutlich höheren Summen bei ihren Fußballmannschaften beteiligt, sagte Schuster. Fraktionsvorsitzende Christine Bötsch (CSU), erinnerte daran, dass die Flyeralarm-Arena immerhin die größte Versammlungsstätte der Stadt wäre und in eigener Regie durch den Verein betrieben wird. Dies komme auch der Stadt zu Gute.
Emotionen kochten hoch
Sportreferent Muchtar Al Ghusain wollte die Emotionen aus der Debatte herausnehmen: „300.000 Euro sind viel Geld, aber man muss jede Sache für sich sehen.“ Er sehe mit großer Sympathie das in dem Verein entstandene Engagement und erklärte, dass eine Sportförderung in der der üblichen Höhe von 30 Prozent der Stadt teurer käme.
Andere Stadträte ärgerten sich über den „überfallartigen Antrag“, wie Loew (SPD) ihn nannte. Schließlich sie dieser nicht vorab im Sportbeirat diskutiert worden. Antonino Pecoraro (Grüne) erklärte den Antragstellern, sie seien „tollpatschig“ vorgegangen. Sie täten sich keinen Gefallen hier mit den „Gefühlen der Sportfans zu spielen“. Er schlug vor den Antrag zurückzuziehen und ihn im Sportbeirat zu beraten.
Andere Investitionen werden womöglich gekippt
Kämmerer Robert Scheller sah den Antrag sehr skeptisch: „Das ist ein großer Betrag, der unsere Planungen für das nächste Jahr in Schwierigkeiten bringt.“ Er klärte den Stadtrat auf, dass, sollte der Antrag durchkommen, dies bei anderen Investitionsschwerpunkten im Vermögenshaushalt berücksichtigt werden müsse. Daneben warnte auch er davor, hier einen Präzedenzfall zu schaffen. Schließlich gäbe es in der Stadt beim Basketball, Frauenfußball und Wasserball schon Teams, die in der zweiten Bundesliga spielen.
Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CSU) sagte, dass es klar sei, dass durch die Eile und den sportlichen Erfolg es nicht möglich war, die notwendigen Unterlagen zur Förderung fristgemäß herzustellen. Andererseits sei es aber durchaus richtig, für die Entscheidung einen anständigen Schriftsatz mit Zahlen verlangen zu können.
Antragsteller gingen keinen Kompromiss ein
Der Kämmerer schlug als Kompromiss eine Förderung von dreimal 50.000 Euro vor, was die Antragsteller jedoch nicht akzeptierten. Der Stadtrat nahm mit 28:19 Stimmen den Antrag an. Die Kickers erhalten eine einmalige Investitionsunterstützung von insgesamt 300.000 Euro, verteilt über drei Jahre.
Fast wäre der Schnellschuss der Antragsteller ein Schuss ins eigene Tor geworden. Die durchaus nachvollziehbare Unterstützung für die großen Investitionen der Kickers hätten sicherlich mehr Rückhalt gehabt, wenn die Art und Weise des Antrags professioneller vonstatten gegangen wäre. So geriet es zur Farce. Zum Glück hatten sich die Stadträte in der Stadtratssitzung davor gegen den Live-Stream aus den Sitzungen ausgesprochen. Sie wussten schon warum.
Antragsteller: Wolfgang Roth (CSU), Joachim Spatz (FDP), Christine Bötsch (CSU), Josef Hofmann (FWG), Jürgen Weber (WL-FW), Charlotte Schloßareck (Bürgerforum), Judith Jörg (CSU), Aron Schuster (CSU), Uwe Dolata (FWG), Andy Puhl (FWG), Micaela Potrawa (WL-FW), Ingo Klünder (WL-FW), Karl Graf (FDP), Helga Hoepffner (CSU), Willi Dürrnagel (CSU), Nadine Lexa (CSU), Erich Felgenhauer (CSU), Kurt Schubert (CSU), Sabine Wolfinger (CSU), Emanuele La Rosa (CSU)

