Israelischer Botschafter zu Gast in Würzburg

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Würzburg erleben

15. Dezember 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Gastvortrag des Botschafters an der Uni Würzburg

„Die historische Verantwortung Deutschlands ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar.“ Mit diesen Worten bekräftigte Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel vor sechs Jahren die enge Freundschaft zwischen beiden Ländern und setzte ein wichtiges Zeichen der Völkerverständigung. Um diese Stimmung aufzugreifen und zu dokumentieren, wie viel mehr Israel und Deutschland heute verbindet als voneinander trennt, war der Botschafter des Staates Israel in Deutschland, S.E. Herr Yakov Hadas-Handelsman, vergangene Woche zu einem Gastvortrag an die Universität Würzburg gereist.

50 Jahre diplomatische Beziehungen

In diesem sollte ausnahmsweise einmal nicht der Nahost-Konflikt im Mittelpunkt stehen, der seit Jahrzehnten die mediale Berichterstattung dominiert und spaltet, sondern die weniger bekannten Seiten Israels und die verbindenden Elemente beider Länder. Und weil sich am 12. Mai 2015 die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland zum 50. Mal jähren sowie eine Vielzahl grenzüberschreitender Projekte das Jubiläumsjahr würdigen wird, war ein Veranstaltungstitel auch schnell gefunden: „Israel und Deutschland: 50 Jahre einzigartige Beziehungen. Erfolge, Herausforderungen, Perspektiven.“

Vor gut 150 Gästen – neben Studierenden des Instituts für Politikwissenschaft und Soziologie waren auch Uni-Präsident Alfred Forchel, der Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal sowie die Vizepräsidenten der Regierung von Unterfranken und des Polizeipräsidiums Würzburg im Publikum vertreten – spannte der Botschafter einen Bogen von den 1950-er Jahren, in denen die Ausreise israelischer Staatsbürger nach Deutschland absolut unerwünscht war, bis ins Jahr 2014, in dem Israelis Berlin als kulturelles Zentrum Europas und der Welt längst wieder lieben gelernt haben.

Fußball zur Völkerverständigung

Als einen wichtigen Schritt der Annäherung beider Länder sah Botschafter Hadas-Handelsman ein Fußballspiel, bei dem er als 12-jähriger Junge einst selbst im Publikum gesessen hatte. Borussia Mönchengladbach war 1970 als erste deutsche Mannschaft nach Israel gereist und hatte 20.000 Zuschauer ins Stadion gelockt, die den spektakulären 6:0 Sieg der Deutschen mit Begeisterung aufgenommen hatten. Bis heute gelte das Spiel als legendär, hätten deutsche Traditionsvereine Fanclubs in Israel und alleine die Gladbacher 28 Freundschaftsspiele gegen israelische Teams absolviert. Tatsächlich sei die sportliche Annäherung so weit vorangeschritten, wie es die politische niemals hätte schaffen können – so drückten Israelis bei Welt- und Europameisterschaften mittlerweile dem deutschen Team die Daumen und trügen dabei auch gerne die Trikots der deutschen Nationalmannschaft.

Enge wirtschaftliche Verflechtungen

Doch nicht nur der Sport habe positive Auswirkungen auf das Verhältnis der beiden Länder gehabt, auch zahlreiche Jugendaustauschprogramme, Städtepartnerschaften und enge wirtschaftliche Verflechtungen hätten die Annäherung vorangetrieben. Deutschland sei nach den USA und China zum wichtigsten Handelspartner Israels in der Welt geworden und bilde ein ideales Gegenstück zum israelischen Wirtschaftsmodell, so Hadas-Handelsman: „In Deutschland fällt es manchmal schwer ‚outside the box‘ zu denken. In Israel fällt es manchmal schwer ‚inside the box‘ zu denken. Das ist ein perfektes Match-Up.“ Tatsächlich finden die große Innovationsstärke und hohe Start-Up-Dichte, die der Region um Tel Aviv auch den Spitznamen „Silicon Wadi“ einbrachten, weltweite Beachtung. Ein weiterer Grund für viele Israelis, in das ebenfalls stark innovations- und start-up-getriebene Berlin zu blicken und die dortigen Entwicklungen zu verfolgen.

Herausforderungen zwischen Israel und Deutschland

Obwohl Deutschland neben den USA mittlerweile als bester Freund Israels gelte, gäbe es aber auch nach beinahe 50 Jahren diplomatischer Beziehungen noch eine ganze Reihe von Herausforderungen zu bewältigen. Angefangen beim Antisemitismus, der im Sommer 2014 mit Sprechchören wie „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein“ oder „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ auf deutschen Straßen offen zutage trat, bis hin zur medialen Berichterstattung, die sich abseits des Nahost-Konflikts so gut wie gar nicht mit Israel auseinandersetze und mit „Israelkritik“ sogar einen Kunstbegriff erschaffen habe, der in dieser Form für kein anderes Land vorstellbar wäre – die Liste der gemeinsamen Aufgaben sei lang und Gesprächsbedarf so gut wie immer vorhanden. „Eine Normalisierung des Verhältnisses zwischen Deutschland und Israel, wie sie von einigen gefordert wird, kann, darf und wird es deshalb auch in Zukunft nicht geben“, betonte Hadas-Handelsman.

Ein Gastbeitrag von Stefan Schwaneck

Stefan Schwaneck ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Würzburg und Vorsitzender des Vereins Würzburger PolitikwissenschaftlerInnen und SoziologInnen e.V., der den Gastvortrag des Israelischen Botschafters organisierte.

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