Selbstständigkeit durch die Lebenshilfe Wohnstätten
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Würzburg erleben
9. Januar 2015

Symbolbild Würzburg
Ein ganz normales Paar
Elf Jahre ist es nun her, als Carola Emmert und Roland Meyer sich kennen- und lieben lernten. Carola Emmert erinnert sich noch genau an das erste Date: „Wir haben uns verabredet, haben zuerst eine Dampferfahrt gemacht, danach waren wir Essen und letztlich ging es in die Diskothek. Dort hat es dann gefunkt.“ Seitdem sind die 38-Jährige und der 48-Jährige unzertrennlich. Unter der Woche gehen beide arbeiten, am Abend und den Wochenenden nutzen sie ihre Freizeit für Spaziergänge oder andere gemeinsame Aktivitäten. Carola Emmert und Roland Meyer wohnen auch zusammen, genauso wie viele andere Paare. Doch eine Besonderheit gibt es: das Paar lebt in den Lebenshilfe Wohnstätten, eine Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung.
Selbstständigkeit um jeden Preis
Roland Meyer zog bereits vor rund 30 Jahren in die Wohnstätte Friedrichstraße im Würzburger Stadtteil Zellerau, eine wunderschöne Villa mit einem großzügigen Garten. Freundin Carola zog vor elf Jahren ebenfalls ein. Beide wollen die Selbstständigkeit, die ihnen die Wohnstätte bietet nicht missen, wie Carola Emmert erzählte: „Für meine Eltern war es schwer mich von zu Hause ausziehen zu lassen, aber ich wollte unbedingt eigenständig leben. Da habe ich mich durchgesetzt und es bis heute nicht bereut. Wir haben einen Haustürschlüssel, können uns also frei bewegen und auch abends mal ein bisschen länger wegbleiben. Außerdem haben Roland und ich ein gemeinsames Zimmer.“ Auch sonst ähnelt das Zusammenleben in der Wohnstätte, dem in einer üblichen Wohngemeinschaft: Es gibt Küchen-, Putz- und Hausdienste, bei denen zwei Wochen am Stück gekocht, Bad geputzt oder auch Blumen gegossen werden müssen.
Konzept der Wohnstätten
Die Selbstständigkeit zu fördern und auch zu fordern ist Teil des Konzeptes, wie Wohnstättenleiter Achim Hietel erklärte: „Jeder Bewohner erhält bei uns die Hilfen, die er oder sie benötigt, um so normal wie möglich leben zu können. Unabhängig von Art und Schwere der Behinderung soll jeder und jede Einzelne möglichst seinen, beziehungsweise ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen entsprechend wohnen können. Dazu gehört natürlich auch, dass Dinge selbstständig erledigt werden und jeder die Chance erhält eigene Entscheidungen zu treffen. Außerdem ist es ein wichtiges Ziel unserer Arbeit, die Fähigkeiten der Menschen mit Behinderung zu erhalten und zu verbessern, um ihnen mehr Freiräume durch größere Selbstständigkeit zu erschließen.“ Carola Emmert und Roland Meyer leben in einer Wohnstätte für Berufstätige. Beide arbeiten tagsüber in den Mainfränkischen Werkstätten. Roland Meyer ist in der Betriebsstätte „Im Kreuz“ beschäftigt, wo er hauptsächlich im Bereich der Verpackung tätig ist. Carola Emmert hingegen arbeitet im Tierpark Sommerhausen.
Angebot soll weiterentwickelt werden
Auch wenn die Lebenshilfe Wohnstätten mit Angeboten für Berufstätige als auch für Menschen im Ruhestand, bereits ein sehr breitgefächertes Angebot für Menschen mit Behinderung bereithalten, sollen und müssen sich die Angebote auch in Zukunft weiterentwickeln, wie Geschäftsführer Dieter Körber erklärte: „Die Wohnstätten waren gerade was den Seniorenbereich angeht in den letzten Jahren immer einen Schritt voraus. Doch das Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung verändert sich. Während vor Jahren noch große Wohneinheiten mit Doppelzimmern Alltag waren, sind jetzt Einzelzimmer viel beliebter. Diese Wünsche nehmen wir auf und versuchen sie verstärkt umzusetzen. Außerdem entwickelte sich die Wohnstruktur in den letzten fünf Jahren verstärkt hin zum ‚ambulanten Wohnen‘. Gleich bleiben wird allerdings, dass wir auch in Zukunft das Angebot von Wohnungen verstreut in Wohngebieten forcieren werden, damit jeder Mensch mit Behinderung seinen individuell besten Platz zum Leben finden kann.“
Eigene Wohnung kommt nicht in Frage
Für Carola Emmert und Roland Meyer käme eine eigene Wohnung mit ambulanter Unterstützung nicht in Frage. Obwohl beide sehr selbstständig sind, können sie sich nicht vorstellen, außerhalb der Wohnstätten zu leben. „Es gefällt uns hier einfach so gut. Man ist nie alleine, hat immer Freunde um sich und jemanden mit dem man reden kann“, meinte Roland Meyer und blickte hinab auf die Ringe, die er und Carola am Finger tragen. Innen ist eine kleine Gravur zu sehen: Roland/Carola und das Datum ihres ersten Dates 14. August 2004.
Infos über die Lebenshilfe Wohnstätten:
Seit 1981 bieten die Lebenshilfe Wohnstätten im Raum Mainfranken „Orte zum Leben“ für berufstätige Menschen mit geistiger Behinderung. 1993 folgte auch ein Angebot für Menschen im Ruhestand. Rund 300 junge und alte Menschen haben aktuell in Würzburg, Kitzingen und Ochsenfurt ein Zuhause gefunden, in dem sie selbstbestimmt und in einer Gemeinschaft leben können. Die Gesellschafter der Lebenshilfe Wohnstätten Mainfranken sind die Mainfränkischen Werkstätten und die Stiftung Offene Behindertenhilfe. Schwerpunkte des Angebots der Lebenshilfe Wohnstätten sind das stationäre Wohnen in der Wohnstätte und die ambulante Begleitung von Menschen mit Behinderung in der eigenen Wohnung oder einer Wohngemeinschaft. Weitere Informationen finden Sie unter: www.lebenshilfe-wohnstaetten-mainfranken.de.
Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Mainfränkischen Werkstätten GmbH.

