„Bündnis für Zivilcourage“: so soll gegen Pegida demonstriert werden
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Würzburg erleben
11. Januar 2015

Symbolbild Würzburg
Aktuell: Montagsspaziergang am 12.01. in Solidarität mit Charlie Hebdo. Start um 17.30 Uhr am Kiliansbrunnen. Hier alle Informationen: „Solidarität mit Charlie Hebdo“. Das Bündnis für Zivilcourage unterstützt diesen Aufruf.
60 Personen bei außerordentlicher Mitgliederversammlung
Bei seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung beriet das „Würzburger Bündnis für Zivilcourage“ am Mittwoch Abend über das weitere Vorgehen im Umfeld der „Pegida“-Demonstrationen in Würzburg. Zu der Vollversammlung waren neben den Bündnispartnern zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens in Würzburg erschienen. Unter den ca. 60 Anwesenden fanden sich so Vertreter von Parteien, christlichen Kirchen, Gewerkschaften, Verbänden und Initiativen wie auch der Oberbürgermeister der Stadt Würzburg. Das große Interesse an diesem Treffen wird, laut einer Pressemitteilung des Bündnisses, als Beleg dafür gewertet, dass es in Würzburg eine breite gesellschaftliche Mehrheit dafür gibt, gemeinsam für Vielfalt und Weltoffenheit Gesicht zu zeigen.
„PEGIDA wird Ereignisse in Paris missbrauchen“
Durch die aktuellen Ereignisse in Paris erhielt der Abend ein trauriges Vorzeichen. In einer Schweigeminute zu Beginn der Veranstaltung wurde der Opfer des Anschlages auf „Charlie Hebdo“ gedacht. Das ist, so das Bündnis weiter, in einer ersten Reaktion richtig und wichtig, aber immer zu wenig. „Wir sind uns im Sprecherrat dessen bewusst, dass die Akteure von „PEGIDA“ diesen extremistischen Gewaltakt für ihre eigenen extremistischen Überzeugungen und Ziele missbrauchen werden. Wir sind zuversichtlich, dass die große Mehrheit dieser Bevölkerung zwischen Religion und Extremismus unterscheiden kann und dies nun auch tut. Wir vertrauen auf die zahlreichen Initiativen, die sich heute wie in der Vergangenheit um Verständigung und um ein demokratisches Miteinander bemühen“, ließen die Mitglieder des Bündnisses in der Pressemitteilung weiter verlauten.
Große „Würzburg ist bunt“-Veranstaltung für März geplant
Nach einer Beleuchtung der Hintergründe von „Pegida“ wurden in der Versammlung ausführlich mögliche Aktionsformen diskutiert. Folgende Ergebnisse wurden festgehalten:
- Übereinstimmend wurde der Wunsch geäußert, dass es zeitlich und räumlich unabhängig von den „Pegida“ Demonstrationen eine große gemeinsame Veranstaltung unter dem Titel „Würzburg ist bunt“ geben soll. Der Sprecherrat des „Würzburger Bündnisses für Zivilcourage“ wird für diese Großveranstaltung, die voraussichtlich an einem Samstag im März stattfinden wird, die Koordination übernehmen und ein breites Bündnis dazu einladen, sich zu beteiligen.
- Das Katholische Stadtdekanat und das Evangelisch-Lutherische Dekanat haben angekündigt, mit Friedensgebeten Raum für gemeinsames Gebet und gegenseitige Stärkung zu geben. Hierfür soll auch Kontakt zu anderen Religionsgemeinschaften aufgenommen werden.
- Das „Würzburger Bündnis für Zivilcourage“ wird zusammen mit dem DGB in einer eigenen Bildungsveranstaltung noch einmal gezielt auf die Hintergünde von „Pegida“ eingehen und hierzu Informationen anbieten.
- Die „Würzburger Montagsspaziergänger“ und andere Initiativen werden weiterhin am Montag Abend zu Demonstrationen einladen (FB-Event), die ebenfalls zeitlich und räumlich getrennt von den „Pegida“-Veranstaltungen stattfinden
- Die Stadt Würzburg und alle anwesenden Organisationen werden wie bisher für eine Weiterentwicklung der Willkommenskultur eintreten.
Verständnis für Blockaden aber kein Aufruf
Die bei der letzten Demonstration eingesetzten Sitzblockaden schließen mittlerweile auch einige Mitglieder des Bündnisses als „zivilen Ungehorsam“ nicht länger aus. „Diese Form des Protests ist in anderen Städten nicht so tabuisiert wie bei uns“, sagte Studentenpfarrer und Friedenspreisträger Burkhard Hose. Das Bündnis selbst könne und werde aber nicht zu Blockaden aufrufen, betonte Harald Ebert, ebenfalls Mitglied des Sprecherrats. Oberbürgermeister Christian Schuchardt riet davon ab, „sich selbst ins Unrecht zu setzen, indem man das Demonstrationsrecht verhindert“.
Bündnis spricht Vertrauen in Würzburger aus
Die Versammlung habe das Bündnis für Zivilcourage darin bestärkt, den Weg, der bereits seit Jahren in Würzburg in einem breiten gesellschaftlichen Konsens beschritten wird, konsequent fortzusetzen:
„Wir vertrauen auf die Religionsgemeinschaften, die sich in Würzburg gemeinsam aufmachen, um Hass zu begegnen. Wir vertrauen auf die Gewerkschaften und auf die Arbeitgeber, die den Menschen und dessen Potential in den Mittelpunkt stellen und nicht dessen Herkunft, Sprache oder Weltanschauung. Wir vertrauen auf die staatlichen Strukturen, in denen wir leben und die unter Gewaltenteilung im Miteinander der Aufgabe nachgehen, dem Grundgesetz dieses Landes zu dienen. Wir vertrauen auf die zivilgesellschaftlichen Strukturen, die Bündnisse für Demokratie und Toleranz und nicht zuletzt auf die zahlreichen Organisationen, die in unserem Bündnis tagtäglich an einem vielfältigen Deutschland arbeiten.“
Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Bündnis für Zivilcourage sowie Nachfragen bei Teilnehmern.

