Vergessene Kolonien in Afrika

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Würzburg erleben

13. Januar 2015

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Diskussion zur deutsch-afrikanischen Beziehung

Was haben Togo, Kamerun, das Neuschwabenland am Südpol, Namibia, Tansania, Tsingtao in China, Samoa und Papua Neuguinea gemeinsam? All diese Gebiete waren einmal deutsche Kolonien. Doch wie gehen wir Deutschen heute mit unserer kolonialen Vergangenheit um? Diese und viele weitere Fragen zu den deutsch-afrikanischen Beziehungen möchte das Junge Afrikazentrum der Universität Würzburg am Donnerstag, den 15.01.2015 um 19 Uhr im Forum Afrikazentrum am Campus Hubland-Nord diskutieren.

Regierung übernimmt keine Verantwortung für koloniale Grausamkeiten

Lothar von Trotha – nur wenige Deutsche verbinden diesen Namen mit einem grauensamen Völkermord an 100.000 Afrikanern in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Der ‚Schießbefehl’ des dortigen deutschen Gouverneurs Lothar von Trotha gegen unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder im Jahre 1904 ging als erster Genozid des 20. Jahrhunderts in die Geschichte ein – allerdings nicht in die deutsche… Bis heute spielt Afrika in deutschen Schulen, Universitäten und in der Öffentlichkeit keine große Rolle, bis heute weigert sich die deutsche Regierung, die Verantwortung für koloniale Grausamkeiten zu tragen. Der ständige Verweis der Bundesregierung auf finanzielle Entwicklungshilfen zeigt, wie Deutschland mit seiner kolonialen Geschichte umgeht: Deutschland ‚kauft sich frei’ und arbeitet seit jeher am Verschleiern, Vergessen und Verdrängen eines historischen Tabus.

Offene Diskussionsrunde

Das Junge Afrikazentrum der Universität Würzburg widmet sich diesem historischen Tabu in einer offenen Diskussionsrunde. Zunächst wird ein Streifzug durch die deutsche Kolonialgeschichte von Julien Bobineau (Kulturwissenschaft, Universität Würzburg) präsentiert, der über die Kongo-Konferenz 1885 in Berlin, Lothar von Trothas ‚Schießbefehl’, das Restaurant Zur Weinmaus in Namibia und Jürgen Drews’ Angst vor Ebola zum Eklat der Herero-Totenschädel im Jahre 2011 führt. Im Anschluss daran folgt ein Impulsstatement zur Entwicklung der bundesdeutschen Afrikapolitik seit 1949 von Philipp Gieg (Politikwissenschaft, Universität Würzburg), ehe die Diskussion in die offene Runde geht. Alle Interessierten sind herzlich in das Forum Afrikazentrum, Josef-Martin-Weg 52/1 am Campus-Nord, eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Das Junge Afrikazentrum

Das Junge Afrikazentrum ist ein Zusammenschluss von jungen WissenschaftlerInnen unter dem Dach des Forums Afrikazentrum der Universität Würzburg. Als interdisziplinärer Verbund möchte das Junge Afrikazentrum Studierende und NachwuchswissenschaftlerInnen mit Interesse an Afrika zusammenbringen und fördern. Zu diesem Zweck geben die Mitglieder des Jungen Afrikazentrums seit 2014 eine multidisziplinäre Online-Schriftenreihe heraus, planen in jedem Semester eine Veranstaltungsreihe mit Filmvorführungen, einem Stammtisch und organisieren Fachtagungen.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Universität Würzburg. 

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