Stadtreiniger Würzburg – 835 km pro Winterdienst-Einsatz
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Würzburg erleben
16. Januar 2015

Symbolbild Würzburg
Winterdienst in Würzburg
Letztes Jahr zu Weihnachten durften wir uns in Würzburg über ein bisschen Schnee freuen. Die Würzburger Stadtreiniger hatten deswegen auch einiges zu tun. Wir haben uns bei den ihnen informiert, was genau getan wird um unsere Straßen frei zu räumen und frei zu halten. Der Betriebsleiter Christian Strohalm hat mit uns ein Interview geführt und uns einige Themen rund um den Winterdienst in Würzburg erläutert.
Herr Strohalm, was wird alles geleistet, sodass die Straßen bei Schnee frei sind?
C. Strohalm: Der Winterdienst in Würzburg wird nach einem über viele Jahre hinweg bewährten, ständig optimierten und strategischen Konzept durchgeführt, welches darauf beruht, dass Kommunen die Aufgabe bleibt, verkehrsbedeutende und gefährliche Straßen (die beiden Kriterien verkehrsbedeutend und gefährlich müssen kumulativ vorliegen), Straßenabschnitte, Kreuzungen, Fußgängerüberwege und örtliche Gefahrenstellen etc. zu räumen und zu streuen. Dies alles in den Grenzen von Notwendigkeit, Leistungsfähigkeit und Zumutbarkeit des kommunalen Winterdienstes.
Im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht sind die Kommunen nur verpflichtet, Straßen im Winterdienst zu betreuen, die die Kriterien Gefährlichkeit und Verkehrsbedeutsamkeit kumulativ aufweisen. Dies ist auch in Würzburg der deutlich geringste Teil des Straßennetzes. Durch Beschlussfassung in den städtischen Gremien ist es jedoch politisch für sinnvoll erachtet worden, auch weitere Straßen nachrangig einer Regelung durch den Winterdienst zuzuführen; das sind Straßen mit der sog. Priorität 2. Alle übrigen Straßen der sog. Prioritäten 3 werden im Stadtgebiet Würzburg unter ökonomischen und ökologischen Aspekten grundsätzlich überhaupt nicht im Rahmen des Winterdienstes betreut.
Wie bereiten sich die Stadtreiniger auf den Winterdienst vor?
Strohalm: Im Vorfeld des Winters werden die MitarbeiterInnen in die Winterdiensttechnik und -pläne/-touren eingewiesen. Die Fahrzeuge werden alle technisch überprüft und die Streuautomaten werden vor jedem Winter neu justiert. Im Winter selbst werden Wetterinformationen ausgewertet und die jeweiligen Beschäftigten in Rufbereitschaft gesetzt.
Gibt es eine Priorisierung oder sogar eine Art Route, wie die Straßen freigeräumt werden?
Strohalm: Ja. Die Einteilung der örtlichen Straßen und Wege einschließlich der Radwege in Prioritäten bzw. Dringlichkeitsstufen von 1 bis 3 entspricht den für die allgemeine Verkehrssicherheit erforderlichen Anforderungen an die Räum- und Streupflicht der Gemeinden, sowie der Verpflichtung zu einem wirtschaftlichen Einsatz von Haushaltsmitteln im Winterdienst.
Priorität 1: Straßenwinterdienst wird durchgeführt
Verkehrsbedeutende und gefährliche Straßen und Plätze, insbesondere Hauptstraßen, Durchgangsstraßen, Buslinien, Krankenhäuser, Schulen
Priorität 2: Straßenwinterdienst wird durchgeführt
Verkehrsbedeutende Nebenstraßen und Bergstrecken
Priorität 3: Kein Straßenwinterdienst
Nachrangige Nebenstraßen (Wohn- und Spielstraßen, Tempo-30-Zonen, etc.)
Die Grafik zeigt die Kilometeranzahl, Bus- und Straßenbahnhaltestellen und Fußgängerüberwege,
die in einem Volleinsatz von den Stadtreinigern geräumt werden – etwa 835 Kilometer.
Wann beginnt der Dienst, damit zum Berufsverkehr die Straßen frei sind?
Strohalm: Diese Frage kann man eigentlich nicht beantworten, weil es zu unterschiedlichen Tags- und Uhrzeiten zum Schneefall und zur Glätte kommen kann. Bei entsprechender Witterung in der Nacht fährt ein Beschäftigter ab 2 Uhr Kontrolle. Sollte ein Einsatz erforderlich sein, so werden die MitarbeiterInnen ab 3 Uhr alarmiert. Gegen 3.30 Uhr beginnt der Räum- und Streueinsatz und ist bis zum Einsetzen des Berufsverkehrs weitestgehend durchgeführt.
Wie viele Mitarbeiter sind im Einsatz und wie viele Kilometer werden in einem Winter zurückgelegt?
Strohalm: Im Winterdienst gesamt sind bis zu 160 städtische Beschäftigte tätig. Im morgendlichen Volleinsatz sind in der Regel rund 120 Beschäftigte.
Was werden für Streumittel eingesetzt?
Strohalm: Wir setzten als Streumittel Natriumchlorid (als Feststoff, Feuchtsalz, Sole), Lava-Granulat, Gemisch aus Lava-Granulat und Natriumchlorid ein.
Ein Rückblick auf den Schneefall an Weihnachten
Strohalm: Aus Sicht der Stadtreiniger hat der Winterdienst bisher gut funktioniert. Uns ist aber bewusst, dass Außenstehende dies womöglich anders sehen. Die Einen erfreuen sich am Schnee und bedauern es, wenn wir ihre Straßen räumen, die Anderen hätten gerne noch mehr Winterdienst. In dieser Winterperiode (seit 01.11.2014) haben die Stadtreiniger bereits 21 Einsätze (große, mittlere und kleine Einsätze) gefahren. Dabei überwiegen Einsätze wegen Glätte, die sich häufig an den höher gelegenen Stellen im Stadtgebiet bildet.

