Hip Hop als gelebte Integration

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Würzburg erleben

12. Februar 2015

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Workshoptag für jugendliche Flüchtlinge

Die Szenen, die sich letzten Samstag im städtischen Jugendzentrum „Bechtolsheimer Hof“ abspielten, vermittelten einen anschaulichen Eindruck davon, wie Verständigung über sprachliche und kulturelle Barrieren hinweg funktionieren kann. Um 10 Uhr vormittags fand sich dort eine Gruppe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF) zusammen mit ihren Betreuern ein, um an einem Hip Hop-Workshop teilzunehmen, der von Ehrenamtlichen rund um die Würzburger Hip Hop-Szene für sie organisiert worden war. Die Idee stammte von einer bei der ev. Kinder- und Jugendhilfe ebenfalls auf Ehrenamtsbasis beschäftigten Mitarbeiterin (Laura Dürschmied), die zusammen mit Marco Thurn (DJ Marco-Matic) und Kilian Schick (B-Hof) das erste Treffen für Interessierte im Dezember 2014 angesetzt hatte, welches den Stein ins Rollen brachte.

Viele Unterstützer

Nach und nach konnten immer mehr Sponsoren gewonnen werden: die Hip Hop-Veranstaltung „Beats and Lyrics“ in der Kellerperle Würzburg, welche im Januar ein Spenden-Konzert veranstaltete, Hornbach und Baywa in Lengfeld sowie der Blowout-Skateshop, außerdem natürlich die zahlreichen Freiwilligen, die als Workshopleiter oder im Kochteam einen Beitrag zum geplanten Projekt leisten wollten. Letzten Endes wurden fünf AKs angeboten (Graffiti, Beat-Producing, Djing, Rap/Gesang/Song-Writing und Breakdance), die bei den ca. 20 jugendlichen Flüchtlingen aus Afghanistan, Eritrea, Somalia, dem Senegal und Mali (u.a.) auf große Begeisterung stießen, was man nicht nur an deren engagierter Mitarbeit in den Workshops, sondern auch an den kreativen Ergebnissen, die aus diesen hervorgingen, ablesen konnte. Darüber hinaus wurde durch die Zusammenarbeit in den Workshops die Kommunikation der Flüchtlinge untereinander verbessert, indem sich in den einzelnen Arbeitskreisen Jugendliche verschiedener Nationalitäten zusammenfanden und gemeinsam an einer Sache feilten.

Vermischung der Kulturen

Das Projekt bot allen Beteiligten auch die Chance, neue Kontakte zu knüpfen und andere Kulturen, deren Mentalitäten und künstlerisches Potential kennenzulernen. Die Ergebnisse der Workshops legten davon eindrucksvoll Zeugnis ab. So hatte die Beatproducer-Gruppe beispielsweise folkloristische afghanische Gesänge mit modernen Hip Hop-Elementen versetzt und daraus einen Beat gebastelt. Am Ende des Tages stellte schließlich jeder AK seine Ergebnisse vor: die Graffiti-Gruppe ihre auf Leinwände gesprayten Bilder, die Gesangs-Gruppe veranstalte ein kleines Konzert, welches von einem der afghanischen Jungen am DJ-Pult unter tosendem Beifall begleitet wurde. Unten an der Bühne wurde gebreakdancet und dazu die neu kreierten Beats gespielt.

Großer Erfolg

Der Workshop und die Mischung kam an. Die Jugendlichen bedankten sich am Ende des Tages bei allen Mitwirkenden noch einmal in Form von kleinen Dankesreden und auch die Ehrenamtlichen, von denen die meisten noch keinerlei Erfahrung im Umgang mit jungen Flüchtlingen hatten, werteten den Projekttag als lohnenswerte Erfahrung. Sänger Dopzen erklärte: „So eine gute Stimmung zu einem einstimmenden Konzert morgens um 11 Uhr hatten wir noch nie! Von deren Lebensfreude könnten sich wohl die meisten hier zu Lande eine große Scheibe abschneiden!“ Da kann man doch nur auf eine Fortsetzung hoffen.

Dieser Artikel beruht auf einem Bericht von Laura Dürschmied.

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