Kraftwerk-Pool zur Vermarktung von Regelleistung nimmt operativen Betrieb auf

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Würzburg erleben

16. Februar 2015

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Neue Erlösquellen für die Pool-Teilnehmer

Mehr Versorgungssicherheit durch die Bündelung von Kraftwerkskapazitäten: Unter der Leitung der Würzburger Heizkraftwerk GmbH (HKW) vermarktet ein Verbund verschiedener Energieerzeugungsanlagen seit Februar 2015 erfolgreich Sekundärregelleistung. Das Bereitstellen und Liefern von gemeinsamer Kraftwerksleistung eröffnet den Pool-Teilnehmern neue Erlösquellen – und leistet einen wichtigen Beitrag zur Standortsicherung des Würzburger Heizkraftwerks sowie zur Netzstabilität.

Auktion für Sekundärregelleistung

Nach umfangreichen Prüfungen und der Freigabe durch den Übertragungsnetzbetreiber Tennet, beteiligte sich der Kraftwerk-Pool mit dem Würzburger HKW als Pool-Betreiber am 04.02.2015 erstmals an einer Auktion für Sekundärregelleistung (SRL). „In unserem Pool bündeln wir die Kapazitäten der Erzeugungsanlagen, um deren Leistung wie die eines einzelnen Kraftwerks bedarfsorientiert nach oben oder unten zu regeln“, erläutert Armin Lewetz, Geschäftsführer der HKW. Bei der Auktion konnten die 22 im Pool zusammengeschlossenen Kraftwerke von 18 Betreibern Regelleistung anbieten, die innerhalb weniger Minuten um 75 MW gesteigert oder um 79 MW verringert wird.

Größten Kraftwerk-Pool in Süddeutschland

Bei einer präqualifizierten Leistung von mittlerweile 136 MW positiver und 139 MW negativer SRL ist das Würzburger HKW einer der größten Pool-Betreiber für SRL in Süddeutschland. Der Kraftwerk-Pool aus Gas- und Dampfturbinenanlagen sowie Gasmotoren-anlagen kommunaler Betreiber, Industriekraftwerke sowie Biogas-BHKW-Anlagen, wurde bereits 2014 unter der Leitung der HKW gegründet. „Die Freigabe, Anfang Februar unsere Kapazitäten auf dem Energiemarkt anbieten zu können, war mehr als überfällig“, sagt Lewetz. „Einige Testfahrten zur Präqualifikation von Anlagen externer Pool-Partner haben wir bereits im November 2014 erfolgreich durchgeführt. Jetzt freuen wir uns aber umso mehr, mit der Leistung unseres ‚virtuellen Kraftwerkes‘ regelmäßig bei Auktionen vertreten zu sein.“

Kraftwerkspool integriert auch Erneuerbare Energien

Die Besonderheit an dem virtuellen Kraftwerk der HKW ist, dass hier kleine und große sowie konventionelle als auch erneuerbare, flexible Erzeugungsanlagen aufeinandertreffen und bei gleicher Vermarktungsstrategie auch gemeinsam vermarktet werden können. Die Stadtwerke Würzburg AG hat hierzu in den vergangen 12 Monaten 180 Biogasanlagen in Bayern, Baden Wuerttemberg und Hessen in die Direktvermarktung übernommen und somit den Grundstein für den weiteren Wachstum durch Erneuerbare Energien im virtuellen Kraftwerke der HKW gelegt. Biogasanlagen eigenen sich als einzige erneuerbare Erzeugungsanlagen hervorragend zur Vermarktung im Regelenergiemarkt, da Sie schnell steuerbar sind und über ausreichende Speicherkapazitäten in Form von Gasspeicher verfügen. Der Beitrag der Biogasanlagen zur Energiewende wird durch die Integration in das virtuelle Kraftwerk der HKW daher noch wesentlich gestärkt.

Würzburger Energie Know-How für Dritte

Bereits seit Februar 2013 vermarktet die HKW erfolgreich freie Kapazitäten ihrer beiden Gas- und Dampfturbinen im Heizkraftwerk. Die HKW verfügt über ein Know-how, das das komplette Spektrum des Produktes SRL abdecken, angefangen bei der IT- und Pool-Steuerung über die Vermarktung bis hin zu Beratungsleistungen. Der Kraftwerk-Pool wurde daher auch mit dem Ziel gegründet, mit der Steuerung der Kraftwerksanlagen Dritter im SRL-Markt zusätzliche Erlöse zu erwirtschaften. Über eine zentrale Steuerung im Heizkraftwerk an der Friedensbrücke wird nach den Vorgaben des Übertragungsnetzbetreibers die Leistung des gesamten Pools erhöht oder reduziert. Die HKW ist für die Integration und Steuerungen der Anlagen zuständig und erwirtschaftet zusätzliche Erlöse über ein Dienstleistungsentgelt als Pool-Betreiber.

In einem nächsten Schritt wird auch das Müllheizkraftwerk des Zweckverbands für Abfallwirtschaft in Würzburg für die Bereitstellung und Lieferung von SRL vorbereitet. Zudem ist geplant, in der Regelzone des Übertragungsnetzbetreibers in Baden-Württemberg einen weiteren Pool einzurichten.

Hintergrund Sekundärregelleistung

Das Stromnetz wird unter anderem durch die sogenannte Regelleistung stabil gehalten. Davon gibt es drei Arten: Primärregelleistung, Sekundärregelleistung und Tertiärregelleistung (Minutenreserve). Die Leistungen werden u. a. von Kraftwerken zur Verfügung gestellt. Der wesentliche Unterschied ist dabei die Geschwindigkeit, in der die jeweilige Leistung geliefert wird. Die Bereitstellungszeit bei der Primärregelleistung beträgt 30 Sekunden, bei der Sekundärregelleistung 5 Minuten und bei der Tertiärregelleistung 15 Minuten.

Stromerzeugung muss dem Stromverbrauch entsprechen

Die Stromerzeugung muss in jedem Moment exakt dem Stromverbrauch entsprechen, der aus dem Netz entnommen wird. Ein Bedarf an Regelenergie entsteht, wenn die Summe der aktuellen Stromeinspeisungen von der aktuellen Abnahme abweicht. Ist dies der Fall, müssen die Übertragungsnetzbetreiber diese Abweichungen abfangen und Kraftwerksleistung nach oben oder unten regeln. Infolge der Volatilität der Stromeinspeisung aus Windkraft- und PV-Anlagen nimmt der Bedarf an Regelleistung zu, da der Beitrag der regenerativen Einspeiser im Rahmen der Energiewende ebenfalls stetig zunimmt.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der WVV. 

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