Von Herzrasen bis Atemnot: Wenn Angst zur Krankheit wird
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Würzburg erleben
25. Februar 2015

Symbolbild Würzburg
Angst rettet Leben
Angst kann Leben retten. Sie hilft uns, auf Gefahren zu reagieren, sie mahnt uns zur Vorsicht und verschafft uns in riskanten Situationen die nötige Energie, entschlossen zu handeln. Schon unsere Vorfahren haben nur all zu oft von dieser wichtigen Emotion profitiert. Heutzutage hat sich das Angst-Spektrum allerdings ziemlich verändert. Wo die Menschen früher noch Angst vor wilden Tieren hatten, stehen wir im modernen Leben sehr viel häufiger Situationen gegenüber, die Angstgefühle auslösen können: Gespräche mit dem Chef, Krankheiten, Klausuren, Reisen mit dem Flugzeug, Zahnarzttermine und Streitigkeiten sind nur einige wenige Beispiele.
Wenn Ängste zur Krankheit werden
Dabei werden manche Situationen als Bedrohung erlebt, obwohl von ihnen objektiv keine unmittelbare Gefahr ausgeht, wie beispielweise der Zahnarztbesuch. Von einem normalen, mulmigen Gefühl bis hin zu heftigen Panikattacken einschließlich körperlicher Beschwerden – das Angstniveau ist diesbezüglich bei jedem Menschen unterschiedlich. Die essentielle Frage ist aber, wo bei dem Ganzen die Grenze zwischen erträglicher und krankhafter Angst liegt. Konkrete Ängste, wie zum Beispiel vorm Fliegen oder vor Fahrstühlen, die sich auf bestimmte Situationen beziehen, sind für die betroffene Person zwar oftmals lästig, im Alltag aber nicht konsequent hinderlich.
Körperliche Symptome: Herzrasen und Atemnot
Es gibt leider auch stärker ausgeprägte Angstgefühle, die mit psychisch bedingten Panikattacken verbunden sind. In diesen Fällen „treten vor allem körperliche Symptome wie Herzrasen und Atemnot auf, sodass die Betroffenen zuerst Notärzte oder Notaufnahmen aufsuchen“, erklärt uns Prof. Dr. Jürgen Deckert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Würzburg. „Diese Symptome beginnen in der Regel schlagartig und dauern nur wenige Minuten an. Sie machen zwar Todesangst, sind aber nicht gefährlich, sondern als Stressreaktion als Vorbereitung für Flucht- und/oder Kampfverhalten zu verstehen.“, so Deckert weiter.
Ab wann ist eine ärztliche Behandlung notwendig?
Nun sind nicht alle Angsterkrankungen derart ausgeprägt, nur jeder 50. erkrankt an einer solchen Panikstörung. Ab wann ist also eine ärztliche Behandlung notwendig? Laut Deckert bedarf es „bei sehr schweren Formen mit Depressionen, Schlafstörung oder ausgeprägtem Vermeidungsverhalten“ unbedingt einer ärztlichen Behandlung. Eine mögliche Therapie ist dann die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie. „Das Grundprinzip ist die angstmachenden Situationen gezielt aufzusuchen und die Erfahrung zu machen, dass die Angst wieder zurückgeht, ohne dass etwas Schlimmes passiert.“, so Deckert.
Therapiemöglichkeiten
Wichtig ist aber auch, sich über die auslösenden Stressfaktoren klar zu werden und zu lernen mit diesen besser umzugehen. Ist die Erkrankung zu schwer, um den Patienten damit zu konfrontieren, wird zusätzlich als Medikament ein Antidepressiva verabreicht, welches „in solchen Fällen eine Kognitive Verhaltenstherapie erst ermöglicht“. Nicht selten gehen Angsterkrankungen irgendwann in Depressionen über. Laut Deckert „sind sie damit heute hinter Depressionen die Gruppe psychischer Erkrankungen, die Menschen in Deutschland am meisten beeinträchtigen.“

