„Identitäre Bewegung“ an Uni Würzburg aktiv

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Würzburg erleben

10. März 2015

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Sie bezeichnen sich selbst als „eine europaweite Jugendbewegung, deren Ziel der Erhalt unserer ethnokulturellen Identität ist“ , verstehen sich als Patrioten und sind, ähnlich wie die PEGIDA-Bewegungen, gegen die ihrer Meinung nach bereits laufende Masseneinwanderung und Islamisierung. Ihr Erkennungszeichen ist ein Kreis, darin der griechische Buchstabe Lambda – das Symbol der „Identitären Bewegung“. Jetzt sind sie auch an der Uni Würzburg aktiv.

An Uni Würzburg aktiv

Wie uns mehrere Studierende mitgeteilt haben, wurden in der vergangenen Woche Plakatwände der SDS-Hochschulgruppe  in der Mensa am Hubland mit Parolen und Symbolen der Identitären Bewegung überklebt. Die SDS-Plakate, die sich gegen den von der Stadt mittlerweile verbotenen Demonstrationszug „Rechter Gruppierungen“ am Vorabend des offiziellen Gedenkens zur Zerstörung Würzburgs am 16. März richten, wurden die Behauptung „Deutsche Täter sind keine Opfer“ mit der Parole überklebt: „Auch deutsche Opfer sind Opfer?“ und „Sind Kinder, Frauen und Alte auch Täter?“.

„0 Prozent rassistisch = 100 Prozent identitär“

Die Identitäre Bewegung tritt bislang vor allem in den sozialen Netzwerken auf, in denen junge Menschen aktiv sind. Der 2012 gegründete und seit Juni 2014 eingetragene Verein distanziert sich zwar offiziell von Nationalsozialismus, Rassenchauvinismus und Antisemitismus, wird aber im allgemeinen der „Neuen Rechten-Szene“ zugeordnet. Auf Ihrer Homepage ist neben Ihrem Slogan „0 Prozent rassistisch = 100 Prozent identitär“, u.a. zu lesen: „Jedem Volk sein Land, jedem seine Freiheit! Das ist die identitäre Idee, unsere Botschaft, für die unser Symbol, das Lambda steht. Eine freie Welt, mit freien Völkern, die Achtung des Anderen und die Verteidigung des Eigenen.“

Hinweise auf rechte Ideologien

Zum jetzigen Zeitpunkt wird die Gruppierung noch nicht von der Landesregierung in Bayern als extremistisch eingestuft. Allerdings ergeben sich Hinweise, die auf eine rechtsextreme Ideologie hinweisen. Die regionale Gruppe in Franken (mit Sitz in Würzburg) hat in sehr kurzer Zeit bereits rund 1.600 Sympathisanten vereint, mit wachsender Tendenz.

Hochschulpfarrer Hose bezieht Stellung

Hochschulpfarrer und Würzburger Friedenspreisträger Burkhard Hose erklärt auf unsere Anfrage hin, was die Bewegung aus seiner Sicht so gefährlich mache: „Im Gewand der ‚Identitären Bewegung‘ versucht der Rechtsextremismus, der Schmuddelecke zu entkommen und schafft es bisweilen, gesellschaftlich akzeptiert Rassismus zu äußern.“ Gerade für junge Menschen, die normalerweise eine Beschäftigung mit rechtsextremen Ideologien ablehnen würden, stelle die Bewegung daher eine Gefahr dar, so der Hochschulpfarrer.

Woher kommt die „Identitäre Bewegung“?

Die Identitäre Bewegung entwickelte sich als „Bloc identitaire“ zunächst in Frankreich, seit 2012 wurde die IB auch in Deutschland aktiv. Sie ist eine vor allem im Internet aktive Gruppe der „Neuen Rechten.“ Die IB betont die Wichtigkeit von Traditionen, Werte und Kultur und lehnt Multikulturalismus deutlich ab.

„Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern viel mehr Bereicherung als Bedrohung“

Hochschulpfarrer Hose betont in diesem Zusammenhang wie wichtig es sei, den Menschen, die mit der IB sympathisieren, immer wieder entgegenzuhalten, dass der Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern viel mehr Bereicherung als Bedrohung darstellt. Hose: „Ich hielte es gerade als Hochschulpfarrer für sehr bedauerlich, wenn im Umfeld der von Internationalität geprägten Würzburger Hochschulen diese rassistische Ideologie weiter Fuß fassen würde.“

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