Verfehlte Drogenpolitik: „Kräutermischungen besonders tückische Modedroge“
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Würzburg erleben
13. März 2015

Symbolbild Würzburg
Anfrage des Landtagsabgeordneter Rosenthal an das Landtagsplenum
Es war ein spektakulärer Crash, als Ende Januar ein schwerer Lkw in die Autobahnraststätte Würzburg-Nord raste. Nur großem Glück ist es zu verdanken, dass es bei Leichtverletzten blieb. Für die Polizei stand rasch fest, wie der ungewöhnliche Unfall zu erklären ist: In der Seitentür das Fahrers fanden die Ermittler Tüten mit einer Kräutermischung.
Da sich in jüngster Zeit auch in der Region Würzburg die Fälle gehäuft haben, bei denen junge Leute bewusstlos und sogar in Lebensgefahr nach dem Konsum der verharmlosend als „Lufterfrischer“ oder „Badesalz“ vertriebenen Modedroge in den Notaufnahmen der Krankenhäuser eintrafen, wollte der SPD-Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal in einer Anfrage an das Landtagsplenum genauere Angaben zu der Häufigkeit des Missbrauchs bekommen.
Das Gesundheitsministerium führt keine Statistik
Ernüchternd fällt die Antwort des Bayerischen Gesundheitsministeriums aus. Es ist der obersten Fachbehörde in Sachen Gesundheit weder bekannt, wie viele Personen die für wenige Euro erhältliche Droge konsumieren noch wie viele der Geschädigten in den Krankenhäusern behandelt werden oder ob es eine Verbindung zu Straftaten gibt, die unter dem Einfluss der Droge begangen werden. Das Innenministerium teilte hierzu lediglich mit, dass dazu keine „statistischen Erhebungen“ geführt werden.
„Was mich besonders sorgt ist, dass wir kaum Informationen über diese Art von Drogen haben“, stellt Rosenthal fest. „Wir wissen nicht einmal, was sich in den Tüten genau befindet und was unsere Jugend da raucht.“
Mit dem Suchtberatungsprojekt Mindzone gibt es zwar ein wichtiges Partydrogen-Präventionsprojekt, das sich direkt an Clubbesucher und Partygänger wendet und bei dem sich Mitarbeiter vor Ort um die Aufklärung bemühen, doch eine vertiefte Beschäftigung der Behörden mit dem Thema existiert offensichtlich nicht.
„Die Entwicklung im Bereich der Drogen geht immer schneller voran, die Erkenntnisse der Behörden hinken jedoch immer zwei Schritte hinterher“, kritisiert Rosenthal und fordert größere Anstrengungen bei der Forschung und Aufklärung über Drogenmissbrauch: „Wir dürfen nicht warten, bis junge Leute eine Partynacht und die verfehlte bayerische Drogenpolitik mit ihrem Leben bezahlen.“
Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Abgeordnetenbüros, Georg Rosenthal, MdL.

