Kommt es zu einer Radikalisierung junger Muslime in bayerischen Haftanstalten?
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23. März 2015

Symbolbild Würzburg
Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal
Kommt es zu einer Radikalisierung junger Muslime in bayerischen Haftanstalten? Von den Attentätern auf „Charlie Hebdo“ ist, laut einer Pressemitteilung des Bürgerbüro Rosenthal, bekannt, dass sie im Gefängnis einen Radikalisierungsschub erfuhren. Das Gleiche gilt für den Terroristen von Kopenhagen, so in der Pressemitteilung weiter. Dass es um eine Versorgung mit muslimischen Gefängnisseelsorgern, die mäßigend auf die jungen Häftlinge einwirken könnten, jedoch schlecht stehe, zeigt die Antwort des bayerischen Justizministeriums auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal.
„Wir müssen hier dringend etwas tun“
„Auch in Bayern haben sich frühere Häftlinge den Dschihadisten im Nahen Osten angeschlossen“, fasst Rosenthal den Inhalt zusammen. „Umso wichtiger ist es, dass es ausreichend islamische Seelsorger gibt, die einen Zugang zu den jungen Menschen finden und eine aufgeklärte Religion lehren.“ Höchstproblematisch sei es in diesem Zusammenhang, dass bei der geistlichen Betreuung durch islamische Imame oder Hocha auf die unterschiedlichen Glaubensausrichtungen keine Rücksicht genommen werde: „Wir müssen hier dringend etwas tun und an den Hochschulen deutschsprachige Islamgelehrte ausbilden.“
In ganz Bayern 26 muslimische Seelsorger
Nach Angaben des Justizministeriums kämen auf 1259 erwachsene Gefangene muslimischen Glaubens und weitere 129, die im Jugendvollzug einsitzen, zum 31. Januar 2015 in ganz Bayern gerade einmal 26 muslimische Seelsorger. In den unterfränkischen Haftanstalten Würzburg, Schweinfurt und Ebrach ist je einer im Einsatz. Ausgebildet wurden die nur ehrenamtlich tätigen Imame oder Hocha überwiegend an Islam-Instituten in der Türkei. Auch wären sie Mitglied in dem staatsnahen Verein „Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion“ (DITIB). Eigene Gebetsräume für Muslime gäbe es nicht.
Unterstützung der katholischen und evangelischen Kirche
In vielen Fällen würden, so in der Pressemitteilung des Bürgerbüros von Georg Rosenthal beschrieben, zudem haupt- oder nebenamtlich tätige Seelsorger der katholischen und evangelischen Kirche die geistliche Betreuung übernehmen. Erschreckend sei, so Rosenthal, dass in fünf bayerischen Gefängnissen derzeit überhaupt kein muslimischer Seelsorger zur Verfügung steht. „Das sind völlig unbefriedigende Bedingungen, die es radikalen Aufpeitschern leichtmachen“, kommentiert Rosenthal die Antwort des Justizministeriums. Er hält zudem nicht nur die geringe Anzahl an Seelsorgern, sondern auch ihre einseitige Bindung an die Türkei für nicht geeignet, um die vielfältige Glaubenswelt der Muslime abzubilden.
Ex-Häftlinge in Kampfgebieten
Dass auch in bayerischen Gefängnissen eine Radikalisierung der Häftlinge nicht auszuschließen sei, zeigen fünf Fälle früherer Häftlinge, die nachweisbar in den Nahen Osten ins Kampfgebiet gereist sind. Darüber hinaus liegen dem Ministerium Informationen vor, dass „Personen mit islamistischem Hintergrund vereinzelt den Kontakt zu Inhaftierten mit gleicher Gesinnung suchen.“
Von einem Ex-Häftling ist dem Justizministerium sogar bekannt, dass er sich dem „Islamischen Staat“ angeschlossen hat. Er war 1998 für drei Monate in Abschiebehaft, 2012 ist er in das Kampfgebiet ausgereist. Eine weitere Person, die von 2008 bis 2012 wegen schwerer räuberischer Erpressung einsaß, hat sich nur sechs Monate nach der Haftentlassung der ebenfalls dschihadistischen „Junud al-Sham“ angeschlossen. Bei drei weiteren würden kleinere Vergehen mit kurzen Haftstrafen vorliegen.
Diese Meldung beruht auf einer Pressemitteilung des Bürgerbüro Rosenthal.

