Matthais fährt Straba: als Fachkraft im Fahrbetrieb

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Würzburg erleben

6. April 2015

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Mit der Straßenbahn durch Würzburg

Wir haben uns kürzlich mit einer Fachkraft im Fahrbetrieb getroffen, man könnte den sympathischen, jungen Herrn aber auch Matthias nennen. Matthias nennt eine Sache als seinen Beruf, von der wohl viele, ob groß oder klein, jung oder alt, einmal träumen: Er fährt die Straßenbahn durch Würzburg. In einem Steckbrief möchten wir Euch diesen Beruf einmal näher vorstellen, denn obwohl die meisten von uns zumindest ab und an Straßenbahn fahren, wissen die wenigsten, was an diesem Job eigentlich alles dranhängt.

Genaue Berufsbezeichnung?

Fachkraft im Fahrbetrieb

Wie bewirbt man sich für den Job?

Eigentlich mit einer ganz normalen Bewerbung, danach kommt ein Vorstellungsgespräch und wichtig ist eine ärztliche Untersuchung. Dort werden z.B. Sehvermögen und Reaktion getestet.

Wie sieht die Ausbildung aus?

Ich bin jetzt im 3. Lehrjahr. Am Anfang bekommt man allgemeine Einweisungen und Schulungen, also man darf sich nicht vorstellen, dass man am ersten Tag gleich in die Straßenbahn darf. Danach kommt man in verschiedene Abteilungen, z.B. die Werkstadtt, die Leitstelle, zum Verkehrsmeister, zum Beschwerdemanagement, ins Fahrplanbüro, das Kundenzentrum und auch zur Reparatur.

Am Ende des ersten bzw. am Anfang des zweiten Lehrjahres macht man dann den Straßenbahnschein. Erst ohne Fahrgäste, dafür aber mit Fahrlehrer. Man Das ist wie eine ganz normale Fahrschule und danach gibt es eine Prüfung. Dann gibt es  Lehrfahrtdienste, ganz normal auf Linie und mit Gästen, aber ein anderer Fahrer schaut einem noch über die Schulter und dann, nach einer weiteren Prüfung, darf man alleine mit den Fahrgästen fahren.

Wie viele Kollegen hast du?

Mit den Leuten aus dem Büro etwa 250.

Fährst du nur die Straßenbahn, oder bist du dann z.B. auch mal als Kontrolleur unterwegs?

Zur Kontrolle kommt man auch mal in der Ausbildung, man ist dann auch berechtigt bei einer Kontrolle mitzugehen, das ist aber sehr selten.

Wie hältst du deinen Fahrplan ein?

Zu früh kommen ist ein No-Go, dann muss man eben langsamer fahren. Wenn viel Fahrgastaufkommen ist oder man muss warten, weil etwas im Weg steht und es entsteht eine Verspätung, dann ist es eben so. Denn wenn man versucht die Zeit aufzuholen und deshalb schneller fährt, entsteht am Ende vielleicht ein Unfall und daher lieber Verspätung, als Gefahrensituation.

Wie schnell darf man denn mit der Straßenbahn fahren?

Man darf so schnell fahren wie angemessen, das ist aber immer unterschiedlich. In der Innenstadt max. 25 km/h, aber meistens fährt man langsamer, weil hier wirklich eine Gefahrenquelle ist. In Grombühl 30 km/h, Zellerau 50 km/h, Heidingsfeld 60 km/h.

Was sind die schon für lustige Sachen passiert?

Stehen zwei Bahnen hintereinander, kommt ein Fahrgast und fragt mich: „Welche Bahn fährt jetzt zuerst? Die vordere oder die hintere?“

Kennst du dich durch deinen Job besonders gut in Würzburg aus?

Ja, ich würde sagen schon. Natürlich kennt man die Straßenbahnlinien und man sieht auch sonst sehr viel, aber die Kunden wollen das ja auch viel wissen und Auskunft bekommen.

Wo steigen besonders viele Leute ein?

An klassischen Umsteigehaltestellen, wie etwa dem Sanderring.

Was ist das Schwierigste an dem Job?

Die Verantwortung und das man seine Augen überall haben muss. Man muss immer bei der Sache bleiben, sich denken, was hat der da vorne vor, was macht der Verkehr oder das Auto, das vielleicht gleich über die rote Ampel fährt. Man trägt die Verantwortung für bis zu 200 Leute, die hinten sitzen. Man muss immer überlegen und damit rechnen, dass irgendetwas passiert. Vor allem in der Innenstadt kann es passiert, dass einem jemand auf die Gleise läuft.

Hattest Du schon einen Unfall?

Nein, hatte ich noch nicht, aber ein Vollbremsung.

Hattest du sonst schon mal einen Defekt und was passiert dann?

Ich hatte schon einen Fahrzeugdefekt, bisher bin ich aber noch immer bis in den Betriebshof gekommen. Wenn man das nicht mehr schafft, dann wird über Funk der Leitstelle ein Signal gegeben, die kümmern sich dann auch um einen Schienenersatzverkehr.

Welche Straßenbahn fährst du am liebsten?  

Obwohl wir auf alle geschult werden, mag ich die älteren Modelle am liebsten. Da ist noch keine Elektronik wie heute, man bedient sie sozusagen noch selbst.  Diese fahren auch flüssiger und das Fahren ist irgendwie mehr mit Handwerk verbunden.

Bist du schon mal den Schoppenexpress gefahren? Ist das etwas besonderes?

Ja, aber nur bei der Fahrschule. Wenn man will, dann kann man den Schoppenexpress mieten, je nach Wunsch gibt es dann Getränke, Essen und man kann fahren wohin man will. Außer den Heuchelhofberg, den schafft der nicht. Es ist auf jeden Fall mal etwas anderes und man kommt dabei auch mehr mit den Kunden in Kontakt.

Zu welchen Uhrzeiten fährst du am liebsten? 

Nicht zu früh. Dienstbeginn zwischen  6 und 9 mag ich am liebsten. Weil man da nicht zu früh aufstehen muss, aber auch nicht zu spät Feierabend hat.

Was ist deine Lieblingsstrecke und warum? 

Linie 5. Da hat man den besten Ausblick und man fährt weiter ins Umland.

Was würdest du dir von den Fahrgästen wünschen?

Das sie nicht den Betrieb aufhalten, zügig ein- und aussteigen und natürlich eine gewisse Freundlichkeit.

Kannst du den Beruf empfehlen?

Auf jeden Fall. Man hat viel Abwechslung, mir macht es Spaß, man hat mit Leuten und mit Fahrzeugen zu tun. Also mir wird’s nie langweilig!

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