Zu viel Müll: Semesteranfangstüten verboten

Anzeige

Würzburg erleben

7. April 2015

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Erstimesse demnächst ohne Werbegeschenke

Für viele sind die Semesteranfangstüten, gefüllt mit unzähligen Werbegeschenken, ein Highlight. Wirklich brauchbar ist der Inhalt zwar meist für niemanden, aber wer von uns freut sich nicht über ein paar kostenlose Kleinigkeiten? Diese Freude wird es für Studis in Würzburg künftig aber nicht mehr geben. Auf einen Antrag der Studierendenvertretung hin hat die Uni beschlossen, bei der nächsten Erstimesse am 13. Oktober 2015 auf die gefüllten Tüten zu verzichten.

„Unverhältnismäßige Menge Müll“

Grund dafür sei der dadurch zusätzlich entstehende Müll: „Durch den massenhaften Verbrauch von Whiteboard-Eddings, die selten nachgefüllt werden, durch Plastik an jedem Automatenprodukt des Studentenwerks, durch fast tägliche Flyeraktionen und nicht zuletzt durch die Arbeit mit Gefahrenstoffen fällt eine unverhältnismäßige Menge Müll an“, so der Sprecher- und Sprecherinnenrat. Die Abschaffung der Semesteranfangstüten sei ein großer Schritt, dagegen anzutreten.

Studierendenvertretung fordert „kritische Auseinandersetzung mit Werbung“

Haben die begehrten Tüten denn tatsächlich einen so großen Anteil am Uni-Abfall? Laut der Studierendenvertretung schon: „Durch die Verteilung der Tüten wurde für eine lange Zeit Berge von Müll produziert, die noch Tage in der Mensa sichtbar waren. Die wenigen kostenlosen Werbegeschenke darin standen in keinem Verhältnis zum Aufwand der Entsorgung.“ Die Problematik sei dem Sprecher- und Sprecherinnenrat aber keinesfalls neu. Bereits 2013 wurde ein Antrag zu den Semesteranfangstüten beschlossen, in dem die Studierendenvertretung „eine kritische Auseinandersetzung mit Werbung an Hochschulen und als ersten Schritt die Abschaffung der Semesteranfangstüten“ forderte. Bislang wurde dieses Vorhaben aber oftmals vernachlässigt.

Frauen durch „sexsells“-Strategie zu Sexobjekten degradiert

Begründet wurde der Antrag unter anderem mit dem Argument, die Frau werde durch eine „sexsells“-Strategie zu einem Sexobjekt degradiert, wodurch sich systematische Sexismen in der Gesellschaft verfestigen. Außerdem wies man darauf hin, dass im Jahr 2012 ein bekannter Energiedrink in den Männer-Tüten zu finden gewesen sei, während die Frauen den selbigen in der „zuckerfrei“-Variante erhielten. „Hier wird sich also zusätzlich zur Zweigeschlechtlichkeit einem bestimmten Körperbild verschrieben, dem vor allem Frauen zu entsprechen haben, da es gesellschaftlich anerkannt sei.“, erklärt die Studierendenvertretung ihre Kritik.

Studis von Werbung erschlagen

Darüber hinaus könne man gerade bei den Semesteranfangstüten eine unverhältnismäßig enorme Müllproduktion feststellen: „Meist werden die Tüten noch vor Ort nach drei bis fünf attraktiven Produkten durchsucht und der Rest der Tüte (vornehmlich Flyer, Prospekte und veraltete Zeitschriften) in den Mensen, auf dem Campus oder beispielsweise den Bussen, entsorgt.“ Laut der Antragsteller käme es dabei nicht selten vor, dass Studierende sich von der Werbung am Campus regelrecht erschlagen fühlen. Mit der Abschaffung der Semesteranfangstüten wolle die Studierendenvertretung einen ersten Schritt zur Verbesserung dieser Situation machen.

Banner2
Topmobile2