Zuviel Sexismus? Studienvertretung verbietet Ersti-Tüten
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Würzburg erleben
9. April 2015

Symbolbild Würzburg
Studis zeigen sich verständnislos
Erstimesse ohne Ersti-Tüten? Dieser Beschluss wurde kürzlich öffentlich gemacht und stößt bei vielen Studierenden auf blankes Entsetzen. Zwar bedeutet dies nicht die absolute Abschaffung der beliebten Werbetüten – in diesem Jahr werden sie stattdessen an den Mensen verteilt – dennoch ist das Unverständnis groß. Vielen gehe es demnach nicht ausschließlich um das Verbot der Tüte ansich, sondern viel mehr um eine der dazugehörigen Begründungen: Neben der Verursachung von Müll argumentieren die Antragsteller mit zu viel Sexismus in den Tüten!
„Sexsells“-Strategie und Sexsimen
Nicht aber die Uni selbst hat das Verbot eingeleitet: Der Beschluss, dass es auf der Erstsemestermesse keine Ersti-Tüten mehr geben darf, wurde bereits im Jahr 2013 vom Studentischen Konvent getroffen und nun vom Sprecher- und Sprecherinnenrat umgesetzt. Begründet wurde der damalige Antrag unter anderem mit dem Argument, die Frau werde durch eine “sexsells”-Strategie zu einem Sexobjekt degradiert, wodurch sich systematische Sexismen in der Gesellschaft verfestigen. Die Tüte trage also entscheidend zur Genderdiskrimierung bei, was sich laut Antrag auch an einem klaren Beispiel belegen ließe.
Diskriminierung durch zuckerfreie Energiedrinks
Laut dem SSR preisen die Tüten die Zweigeschlechtlichkeit, da man nur die Wahl zwischen Frauen- und Männertüten habe, die sowohl durch ihren Inhalt als auch durch das rosa und blaue Band geschlechtsstereotyp gekennzeichnet seien. Es wurde zusätzlich darauf hingewiesen, dass im Jahr 2012 ein bekannter Energiedrink in den Männer-Tüten zu finden gewesen sei, während die Frauen den selbigen in der “zuckerfrei”-Variante erhielten. “Hier wird sich also zusätzlich zur Zweigeschlechtlichkeit einem bestimmten Körperbild verschrieben, dem vor allem Frauen zu entsprechen haben, da es gesellschaftlich anerkannt sei.”, erklärt die Studierendenvertretung ihre Kritik.
Männliche Gummibärchen schaffen Alltagssexismus
Diese Form von „Gender-Hype“ halten viele für übertrieben. Zwar sprechen sich die meisten Facebook-User ganz klar für eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen aus, jedoch nicht in einer solchen, für einige „lächerlichen“, Form. Überwiegend mit Ironie gehen sie auf die Begründung des SSR ein: „Die ganzen Snack-Automaten gehören auch abgeschafft. Die verkaufen ja Gummibärchen. Die Bären sind alle männlich. Durch die Abschaffung ist dann wieder ein Teil des Alltagssexismus behoben worden.“, lautet beispielsweise einer der Kommentare.
„Mein Freund hatte auch Red Bull Zero“
Weiter freudig ausgelassen wird sich im Netz auch über das Argument der zuckerfreien Getränke: „Mein Freund hatte auch Red Bull Zero in seiner Tüte. Muss ich das jetzt weiter hinterfragen?“, kommentierte eine Studentin der Uni Würzburg. Ein Student steuerte folgende Aussage zur Dikussion bei: „Niemand wettert hier gegen Gleichberechtigung, wir machen lediglich Dinge wie „Student_*In_*nen“ runter und zwar völlig zu recht. Dazu gehört eben auch sowas, es war hundert prozentig Zufall wer Zero bekommen hat, da es eben schon beide Varianten in beiden Tüten gab„.
Bei einer „Mens Night“ wäre Geschrei groß
Die Problematik der Gleichberechtigung von Mann und Frau ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein großes Thema. Die Frage ist aber, inwieweit man dabei den Fokus auf Kleinigkeiten, wie zum Beispiel die Farbe eines Bandes oder den Inhalt einer Werbegeschenke-Tüte legen sollte. Bezüglich Berufschancen und Einkommen herrscht überwiegend Einigkeit, dass eine Gleichbehandlung unbedingt notwendig ist. In solch banalen Alltagssituationen jedoch sollte über manches auch mal hinweg gesehen werden können. Ansonsten könnte es ganz leicht zu einer umgedrehten Genderdiskriminierung kommen, wie dieser Kommentar einer Leserin aufzeigt: „In Einkaufshäusern, Discos, etc. gibt es immer die Ladys Nights mit Angeboten nur für Frauen. Für Männer wird sowas eigentlich nie angeboten. Würde es im umgedrehten Fall aber überall Mens Nights geben wäre das Geschrei groß“.

