Neue Ausstellung am Adolf-Würth-Zentrum
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sophiascheder
26. Mai 2015

Symbolbild Würzburg
Zahlreich Originaldokumente
„Carl Stumpf und die Anfänge der Gestaltpsychologie“: So lautet der Titel einer neuen Ausstellung, die ab sofort im Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie der Universität Würzburg zu sehen ist. Die Ausstellung zeigt anhand zahlreicher Originaldokumente das Leben und Wirken Carl Stumpfs sowie der Gestaltpsychologen Wolfgang Köhler, Max Wertheimer, Kurt Koffka, Kurt Lewin und Karl Duncker. Einzelne Experimente Max Wertheimers können zum Teil an Originalapparaturen selbst erlebt werden.
Die Ausstellung ist nur nach Voranmeldung von Montag bis Donnerstag zwischen 9:00 und 17:00 Uhr sowie Freitags zwischen 9:00 und 14:00 Uhr zugänglich.
Pionier der Tonpsychologie
In ihrem Mittelpunkt stehen ein Pionier der Tonpsychologie sowie dessen Weggefährten. Als im Frühjahr 2014 das Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie der Universität Würzburg wissenschaftshistorisch bedeutende Teile des Nachlasses des Philosophen und Psychologen Carl Stumpf (1848-1936) aus Privatbesitz als Schenkung erhalten hatte, war für den Leiter des Zentrums, Professor Armin Stock, schnell klar, dass das der Stoff für eine neue Ausstellung ist. Am 22. Mai wurde sie mit einem kleinen Festakt eröffnet.
„Würzburg in die Welt“
„Von Würzburg in die Welt ist ein Slogan, den die Universität Würzburg heute gerne kommuniziert, wenn sie betonen möchte, welch exzellente Ausbildung man hier erhalten kann“, sagt Armin Stock. Dass dies vor 150 Jahren bereits so war, zeigt seinen Worten nach eindrücklich die wissenschaftliche Karriere von Carl Stumpf. Stumpf wurde 1848 nahe bei Würzburg in Wiesentheid geboren; sein Geburtshaus kann auch heute noch dort besichtigt werden. Im Alter von 17 Jahren kam Stumpf zum Studium in die Stadt am Main. Für den Broterwerb und um einen Beruf zu haben, der ihm später genügend Zeit für das von ihm geliebte Musizieren und Komponieren lassen sollte, studierte er zunächst Jura. Doch diesen Vorsatz sollte er nicht lange aufrechterhalten. Ein Schlüsselerlebnis, die von ihm besuchte öffentliche Verteidigung der Habilitationsschrift des Philosophen Franz Brentanos (1838-1917), wurde für sein weiteres Leben prägend. „Beeindruckt von der Klarheit, Stringenz und Logik im Denken Brentanos wurde Stumpf zu dessen Schüler, und es entwickelte sich eine erst mit dem Tode Brentanos endende Freundschaft“, so Stock.
Mit 25 Jahren Professor
Brentano durfte jedoch noch keine Studenten promovieren oder gar habilitieren, sodass er Stumpf dafür an die Universität Göttingen zu Rudolf Hermann Lotze (1817-1881) empfahl. Als Stumpf diese akademischen Weihen bereits 1870 erfolgreich abgeschlossen hatte, kehrte er nach drei Jahren der Dozententätigkeit in Göttingen nach Würzburg zurück und wurde mit nur 25 Jahren zum Professor der Philosophie ernannt. Hier in Würzburg begann er, unterstützt durch die Apparatesammlung des von Friedrich Kohlrauch (1840-1910) geleiteten physikalischen Instituts, seine tonpsychologischen Studien, welche später als Tonpsychologie in zwei Bänden publiziert werden sollten und die nach Helmholtz‘ Lehre von den Tonempfindungen zu einem von Philosophie und Psychologie gleichermaßen akzeptierten Standardwerk wurden.
Zwischenstation in Prag
Sechs Jahre sollte Stumpf in Würzburg wirken, bevor er 1879 frisch verheiratet einem Ruf an die Universität Prag folgte. In der Prager Zeit setzte Stumpf seine Arbeiten an der Tonpsychologie unter erschwerten Umständen fort, fehlte ihm doch die Würzburger Apparatesammlung des physikalischen Instituts. Hinzu kamen Spannungen zwischen Tschechen und Deutschen, die 1882 zur Aufteilung der Prager Universität in einen tschechischen und einen deutschen Teil führten. Aus Sorge um seine junge Familie, die inzwischen um einen Sohn gewachsen war, schaute sich Stumpf nach einer neuen Position um und fand diese 1884 an der Universität Halle.
Dieser Artikel basiert auf einer Pressemitteilung der Uni Würzburg.

