Petition: Gerechte Arbeitsbedingungen in der Kindertagespflege
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Würzburg erleben
22. Juli 2015

Symbolbild Würzburg
Investition in die Zukunft
„Unsere Kinder sind uns das Wichtigste in unserm Leben – unsere Kinder sind unsere Zukunft! Warum also nicht in die Zukunft („Kindertagespflege“) investieren!?“ – Einige Personen aus der Kindertagespflege aus Würzburg, darunter Jennifer, haben die „Regionalgruppe Mainfranken der Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen e. V.“ gegründet. Jennifer selbst hat gegen Stadt und Landkreis wegen der geringen Bezahlung geklagt. Die Klage wurde abgewiesen Der Grund wäre, man könne nur gegen offizielle Bescheide klagen, die Jugendämter würden aber keine ausstellen. Gegen die Arbeitsbedingungen in diesem Berufssektor könne man also, laut Jennifer, nicht klagen. Daher wurde nun eine Petition gestartet:
Petition: Unterstützung von Kindtagespflegepersonen
„Weil wir Unterstützung für die Kindertagespflegepersonen in Würzburg brauchen“, so in der Petition, die auf chance.org unterschrieben werden kann. „Die Wünsche und Forderungen der Kindertagespflegepersonen müssen ernst genommen werden um für eine hochwertige, zuverlässige und kindgerechte Betreuungsmöglichkeit zu sorgen, die Familie und Beruf sehr gut vereinbaren lässt.“ Wie in ganz Deutschland, würden auch die Tagesmütter aus der Stadt und dem Landkreis Würzburg, um mehr Anerkennung, bessere Arbeitsbedingungen, eine leistungsgerechte Bezahlung und eine wirkliche Wahlfreiheit für die Eltern, kämpfen. Die „Regionalgruppe Mainfranken der Bundesvereinigung der Kindertagesplegepersonen e.V.“ erklärt die Petition folgendermaßen:
Keine Spur von Freiheit
„Viele Selbstständige antworten auf die Frage, was an der Selbstständigkeit das Beste ist: „die Freiheit“. Kindertagespflegepersonen sind selbstständig tätig, doch entscheiden können sie nicht selbst – sie sind vom Jugendamt `abhängig`“, so die Verfasserin der Petition. Von Freiheit könne hier also keine Rede sein. Das Amt nehme den Kindertagespflegepersonen nicht nur die Entscheidung ab, den Stundensatz selbst zu bestimmen, sondern lege auch fest, welche Anzahl von Stunden die Eltern ihre Kinder in der Kindertagespflege betreuen lassen dürfen und auch den s.g. „Elternbeitrag“ setze das Jugendamt fest. Eine Kindertagespflegeperson müsse, nach Aussagen der Jugendämter, ein „gesichertes Einkommen“ haben, um diese Arbeit ausführen zu können. „Mit anderen Worten: Sie braucht einen Partner, der genug verdient, um die Tätigkeit als Tagesmutter mit finanzieren zu können“, so in der Petition postuliert.
„Selbstständige sind selbst für ihr finanzielles Risiko verantwortlich. Jeder Selbstständige kann seinen Stundensatz selbst bestimmen und auch die Anzahl der Aufträge frei wählen. Eine Kindertagespflegeperson kann dies nicht. Sie bekommt ihr Geld ausschließlich vom Jugendamt, sie darf höchstens 5 Kinder gleichzeitig betreuen, 8 Betreuungsverträge maximal. Ein wirtschaftliches Arbeiten ist nicht möglich. Derzeit ist es fast nicht möglich auf den geltenden Mindestlohn für Angestellte von 8,50 Euro zu kommen. Von wegen selbstständig – von wegen Freiheit!“
Individuelle Betreuung und Förderung der Kinder
Weiters wird erklärt: „Bewusst entscheiden sich viele Eltern ihre Kinder in Kindertagespflege betreuen zu lassen. Sie schätzen die individuelle Betreuung in einem Nest der Geborgenheit, womit ihre Kinder genau das bekommen, was sie brauchen, um sich gut zu entwickeln. Auch Experten sind sich einig, dass sich die kleine Gruppe, die feste Bezugsperson und das familiäre Umfeld sehr förderlich auf die Entwicklung der Kleinstkinder auswirken. Die Eltern profitieren von den flexibleren Betreuungszeiten, die gute Erziehungspartnerschaft mit der Kindertagespflegeperson und der Möglichkeit die Person, die auf ihr Kind aufpassen wird, im Vorfeld gezielt und persönlich aussuchen zu können.
Die Zeiten, in denen eine Tagesmutter die Nachbarskinder neben ihren eigenen betreut, sind vorbei. Die Kindertagespflege ist mit der institutionellen Betreuung (Krippe/Kita) seit in Kraft treten des Rechtsanspruches gleichgestellt – leider nur soweit, dass Eltern nicht klagen können, wenn sie mal wieder keinen Betreuungsplatz ums Eck gefunden haben. Die Kindertagespflegepersonen arbeiten ebenfalls nach dem bayerischen Kinderbildungs- und Erziehungsplan und haben alle ein pädagogisches Konzept. Die Kinder werden altersentsprechend in ihrer Entwicklung gefördert und unterstützt. Die Kindertagespflegepersonen erwarten, genau wie die Erzieher, einen angemessenen/ leistungsgerechten Stundensatz, der es ihnen ermöglicht, nicht nur von dieser Arbeit leben zu können, sondern auch Rücklagen zu bilden. Nur so ist es möglich, dass sie diese wertvolle Arbeit als Kindertagespflegeperson Langfristiges ausführen können.“
Forderungen durch die Petition
Aus den oben aufgeführten und weiteren Gründen fordern die Kindertagespflegepersonen in Würzburg u.a. eine alters- und existenzsichernde Bezahlung, verlässliche Vertretungsregelungen, keine Begrenzung der Buchungszeiten, Essensgeld, die Angleichung der Elternbeiträge in Kitas und Kindertagesplege und keine Einschränkung der Selbstständigkeit durch die Jugendämter. Die Kindertagespflegepersonen haben der Stadt und dem Landkreis Würzburg (Jugendhilfeausschuss) bereits genaue Beschreibungen der Probleme und Lösungsansätze zukommen lassen.
Weitere Infos und eine nähere Erläuterung der Petition und der Forderungen findet Ihr hier.
Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der „Regionalgruppe Mainfranken der Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen e. V.“

