Projekt der Lernwerkstatt: Mathe im Skatepark lernen

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Würzburg erleben

22. Juli 2015

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Mathematik im Skatepark

Im Ringpark, am Juliusspital oder im Skatepark Mathematik lernen – und zwar mit Schülern, die unterschiedlichste Lernvoraussetzungen haben. Wie das möglich ist, zeigten Studierende der Uni Würzburg bei einem Projekt der Lernwerkstatt des Instituts für Sonderpädagogik.

Was haben Plätze, Gebäude und Örtlichkeiten in Würzburg mit Mathematik zu tun? Wie kann dieser Zusammenhang so aufbereitet werden, dass ein tragfähiges Lehr-Lern-Konzept für sehr heterogene Schülergruppen entsteht, in denen sowohl „geistigbehinderte“ als auch „hochbegabte“ Kinder sind? Lehramtsstudierende der Uni Würzburg haben die Antworten gefunden: in einem Projekt der Lernwerkstatt des Instituts für Sonderpädagogik, an dem über 60 Schüler aus verschiedenen Würzburger Schulen aktiv beteiligt waren.

Mathematische Erkundungen im realen Umfeld

Die Parkanlagen am Juliusspital, der Bahnhof, der Ringpark, der Skatepark in der Zellerau und der für das Projekt so benannte Kanaldeckelplatz (an der Löwenbrücke zwischen Kindertagesstätte und Minigolfplatz) stellten das Szenarium für mathematische Erkundungen zur Verfügung. Mit Schritten, Seilen und Metermaßen wurde gemessen. Umfänge von Flächen wurden markiert und berechnet, Flächeninhalte parkettiert und berechnet.

Die Fahrpläne am Bahnhof stellten die Grundlage für den Umgang mit Zeiten und Kosten dar. Multipliziert wurde mit den Fensterfronten des Juliusspitals. Die Anzahl von Pflastersteinen pro Quadratmeter wurde ermittelt und auf größere Flächen hochgerechnet. Die Wasserinhalte der Brunnen im Ringpark wurden ermittelt, verglichen und in Bezug gesetzt zum Trinkbedarf von Elefanten.

Vorbereitet wurden die Lern-Vormittage von Studierenden aus den Studiengängen Lehramt Mittelschule und Lehramt Sonderpädagogik im Rahmen eines Mathematik-Seminars der Lernwerkstatt. Unterstützung fanden die Seminarteilnehmer bei ihrem Dozenten Walter Goschler und bei der ehemaligen Lehrerin der inklusiven Heuchelhof-Grundschule, Maria Kauczok.

Mathematik für heterogene Gruppen

An den einzelnen Plätzen waren jeweils verschiedene Stationen vorbereitet, welche die Schüler in kleinen Gruppen bearbeiteten. Alle Stationen waren so konzipiert, dass die ersten Aufgaben einer basalen Anforderungsstruktur folgten, so dass die Schüler wahrnehmend und konkret-handelnd an die Anforderungen herangehen konnten.

Im weiteren Verlauf wurden zunehmend komplexere Aufgabenformate gestellt, die sich aus dem gemeinsamen Stationsthema ableiteten. Dabei waren die Schüler immer wieder gezwungen, von eher mechanischen mathematischen Vorgehensweisen abzusehen und sich an der konkreten Aufgabenstellung zu orientieren. Für die Arbeit waren sogenannte Hilfekarten vorbereitet, zum Beispiel ein Foto mit dem markierten Umfang einer Rail am Skatepark oder ein bearbeiteter Ausschnitt aus dem Zugfahrplan.

Die Studierenden und ihre Dozenten konnten immer wieder beobachten, wie die Schüler zu neuen Einsichten und Erkenntnissen kamen und das zum Teil auch formulieren konnten. Die beiden Ausgangsfragen, inwieweit die Angebote zur Zusammenarbeit anregen und ob die Angebote didaktisch tragfähig für alle Schüler sind, konnten am Ende bejaht werden.

Die teilnehmenden Schulen

Verteilt auf verschiedene Tage und Plätze haben an dem Projekt teilgenommen: Schüler einer inklusiven Tandemklasse (maximale Heterogenität) der vierten Jahrgangsstufe der Heuchelhof-Grundschule und eine Parallelklasse mit Schülern, die über geringe Deutschkenntnisse verfügen und überwiegend einen Migrationshintergrund haben. Aus dem Mittelschulbereich kam eine inklusive Tandemklasse der fünften Jahrgangsstufe der Heuchelhof-Hauptschule. Aus der Don-Bosco-Förderberufsschule war ebenfalls eine Klasse dabei.

Statements von Beteiligten

„Im Seminar wurde mir deutlich, dass es möglich ist, komplexe Sachverhalte auf das nötigste zu reduzieren, um so ein basales Angebot zu schaffen, welches einen Zugang zu Mathematik für alle Schülerinnen und Schülern eröffnet. Ich habe erfahren können, welche Bedeutung der Übertrag der Mathematik in den Alltag für Schüler hat, gerade im Sinne der Vorbereitung auf ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben.“ Hannah Huttner; Lehramt Sonderpädagogik, Körperbehindertenpädagogik, 2. Semester.

„Das Seminar entpuppte sich als voller Erfolg, auch wenn es durchaus viele Startschwierigkeiten gab. In einer relativ kurzen Zeit haben wir es trotz allem geschafft Projekte zu entwickeln, die Schülerinnen und Schüler mit verschiedenstem Förderbedarf ansprechen und auch für begabte Kinder Luft nach oben lassen.“ Jessica Wach, Lehramt Sonderpädagogik, Sprachheilpädagogik, 5. Semester

„Hinzu kommt, dass Studenten/-innen jedes Lehramtes Erfahrungen im Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft machen können. Gerade in Zeiten der Inklusion, wo früher oder später sicherlich jeder Lehrer/-in einen Schüler mit Behinderung unterrichten soll, gibt einem dieses Seminar die Chance, Erfahrungen in der Arbeit mit unterschiedlichsten Schülern, mit ihren verschiedenen Fertigkeiten und Fähigkeiten, zu sammeln.“ Maike Witthauer, Lehramt Sonderpädagogik, Pädagogik bei geistiger Behinderung, 3. Semester

„Die Schüler waren begeistert vom Messen, Zeichnen und Zählen. Die entspannte Atmosphäre im Juliusspital wurde sehr positiv empfunden.“ Hermann Bettinger, Lehrkraft Sonderpädagogik an der inklusiven Mittelschule Heuchelhof.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Universität Würzburg. 

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