Schulbeginn in Bayern künftig erst um 9 Uhr?

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Würzburg erleben

28. Juli 2015

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Jugendliche klagen über Müdigkeit

Bislang gehört der Schulstart um 8 Uhr zur Normalität für Schüler und Schülerinnen. Während jüngere Schulpflichtige meist kein Problem mit der frühen Aufstehzeit haben, klagen viele Jugendliche über Müdigkeit und Konzentrationsschwäche am Morgen. Doch nun könnte tatsächlich die Wende kommen: Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), befasst sich nun mit einem Modellversuch, der einen Schulbeginn um 9 Uhr testen soll.

Familien wünschen sich Entschleunigung

Neu gestartet wurde die Debatte allerdings von Familienministerin Manuela Schwesig. Die SPD-Politikerin erklärte gegenüber dem Spiegel, dass ein späterer Schulbeginn und die damit einhergehende Entschleunigung am Morgen von vielen Familien gewünscht sei. Zusätzlich hätten wissenschaftliche Studien gezeigt, dass Jugendliche vom Unterrichtsbeginn um 9 Uhr profitieren würden.

Die Lernschwäche am Morgen betreffe vor allem Schüler und Schülerinnen in der Pubertät. In dieser Alterklasse merke man laut Fleischmann deutlich, dass sie morgens nicht so viel leisten können. Sie schlägt nun ein Pilotprojekt vor, um dem späteren Schulbeginn einen Versuch zu geben: „Man müsste es ausprobieren und nach zwei, drei Jahren sagt man: Das hat funktioniert oder nicht und entscheidet neu“, so Fleischmann gegenüber der Augsburger Allgemeinen.

Späterer Schulbeginn theoretisch möglich

Auch wenn dieser Vorschlag für viele unrealistisch wirkt – unmöglich wäre eine solche Veränderung nicht: Gesetzlich gibt es im Bundesland Bayern keinen festgeschriebenen Schulbeginn. Trotzdem bringt ein solcher Schritt natürlich nicht nur Vorteile. Besonders für berufstätige Eltern, deren Arbeitszeiten sich nicht automatisch mit nach hinten verschieben, könnte der morgendliche Alltag durch einen späteren Schulbeginn verkompliziert werden. Auch für den Nahverkehr hätte das Projekt Folgen: Da ein Großteil der Schüler und Schülerinnen mit Bussen zur Schule gelangen, müssten auch Fahrpläne dementsprechend geändert werden.

Würzburger Schüler bevorzugen frühen Schulbeginn

Der wohl größte Knackpunkt befindet sich aber bei den Schülern und Schülerinnen selbst. Obwohl sich wahrscheinlich viele über eine Stunde mehr Schlaf am Morgen freuen würden, gibt es bei Weitem nicht nur positive Stimmen: „Wenn der Unterricht erst um 09:00 Uhr beginnen würde, wäre er auch erst später wieder aus. Das würde bedeuten, dass alle Schüler länger in der Schule bleiben müssten und sich der Nachmittagsunterricht noch weiter nach hinten verschieben würde.“, kritisiert Schülerin Judith. Besonders an heißen Tagen könne das zu Konzentrationsprobleme führen und es entfalle Zeit für Hobbys und Freunde.

„Für Sport, Musik und Freunde bleibt keine Zeit“

Auch Ida, Schülerin und Mitglied der SMV, spricht sich für einen Unterrichtsbeginn um 8 Uhr aus: „In der Oberstufe freut man sich zwar oft, wenn man mal später in die Schule muss, allerdings kommt man auch oft spät nach Hause und muss dann noch Lernen oder Hausaufgaben machen. Für Sport, Musik und Freunde oder einfach mal Zeit zum Nichtstun bleibt da häufig keine Zeit mehr, wobei das vor allem für jüngere Schülerinnen und Schüler sehr wichtig ist.“

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