Zu kurz kommt hier keiner
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Würzburg erleben
17. September 2015

Symbolbild Würzburg
Von der Flut an Spenden profitieren alle Bedürftigen
Das schicke schwarze Käppi stammt aus „Germany“. Ebenso der Pullover. Die Jogginghose. Die Turnschuhe und der rote Anorak. „Eigentlich alles!“, lacht Leonardo Abboud, der im Würzburger Caritasladen gerade eine Jeans anprobiert. Nur mit dem, was er am Leib trug, kam der 21-jährige Syrer vor einem Monat nach Deutschland. Dass er hier so viel Hilfe findet, hätte er nie gedacht.
Leonardo Abboud ist einer von vielen hundert Flüchtlingen, die in den vergangenen Wochen vom Würzburger Caritasladen mit Kleidung versorgt wurden. „Allein durch unsere drei Nothilfeaktionen haben wir weit über 200 Menschen eingekleidet“, sagt Stefan Weber, Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Würzburg e.V., der den Caritasladen trägt. Zahlreiche Flüchtlinge aus Stadt und Landkreis, die inzwischen dezentral untergebracht sind, kommen zu den regulären Öffnungszeiten, um sich Pullover, Hosen, Jacken oder auch Decken mitzunehmen.
Mehr Auswahl denn je
„Etwa die Hälfte unserer Kunden haben einen Migrationshintergrund“, erläutert Christiane Weinkötz, fachliche Leiterin der Caritas. Keiner der Stammkunden müsse Angst haben, durch die Flüchtlinge zu kurz zu kommen. „Im Gegenteil“, so Weinkötz, „aufgrund der vielen Kleiderspenden haben wir mehr Auswahl denn je zuvor.“
Allein in den vergangenen Wochen wurden um die 1.500 Kleiderkartons aus den Spenden gepackt. Aufsortiert werden sie teilweise direkt im Caritasladen, teilweise im großen Lager in der Wredestraße. Hier kümmert sich Teilzeitkraft Michael Zeh darum, dass die bunt zusammengewürfelten Kleidungsstücke aus den Kisten, Taschen und Säcken geordnet in Kartons kommen. Alleine ist er mit der Flut an Spenden jedoch überfordert. Größter Wunsch der Caritas wäre es, weitere Ehrenamtliche, am besten feste Gruppen von Ehrenamtlichen zu gewinnen, die sich zu einem mehrmaligen Einsatz im Kleiderlager bereit erklären. Zu denken wäre etwa an eine Pfadfindergruppe.
Kooperation
Ein Großteil der Kleiderspenden ging in den vergangenen Tagen an die Flüchtlinge aus dem Zellerauer Flüchtlingszelt. Ghaleb Al Alaaf aus Syrien zum Beispiel erhielt eine neue Jacke. Der 47-Jährige gehört zu jenen Flüchtlingen, die zumindest ein minimales Gepäck bei sich hatten, als sie in Deutschland eintrafen: „Ich wusste, dass es kalt werden könnte. Deshalb setzte ich alles daran, dass meine Sachen nicht verloren gingen.“ Viele schafften das nicht. „Mir wurde in Ungarn alles, was ich hatte, gestohlen“, sagt sein Landsmann Leonardo Abboud.
Das Ehrenamtlichenteam des Zeltes kooperiert eng mit dem Team des Caritasladens. Soeben fragte Christine Gintner, die im Zelt mithilft, wieder ab, was die neu angekommenen Flüchtlinge alles benötigen. Viele wünschen sich einen Schlafanzug. „Andere brauchen dringend Unterwäsche“, so Klaus Honsel vom Freiwilligenteam.
Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Caritasverbandes.

