Hockey spielen im Rollstuhl

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Würzburg erleben

21. September 2015

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Inklusionsprojekt „NO LIMITS!“

Die Freundschaft zwischen HTCW und Ballbusters treibt das Thema „Inklusion durch Sport“ voran.  Mareike Menschick trainiert Hockey, seit sie denken kann: „Sicher schon seit 17 Jahren.“ Doch das spielerische Match heute Abend bedeutete für sie eine gewaltige Herausforderung. Zum ersten Mal bediente die 22-Jährige ihren Schläger vom Aktivrollstuhl aus. „Das ist eine faszinierende Erfahrung“, lacht die junge Frau, die beim ersten gemeinsamen Training des Hockey- und Tennis-Clubs Würzburg (HTCW) und der Würzburger Ballbusters (VdR Würzburg) teilnahm.

Kontakt durch „NO LIMITS!“-Sportfest

Beim diesjährigen „NO LIMITS!“-Sportfest auf dem Gelände des Uni-Sportzentrums kamen die beiden Mannschaften miteinander in Kontakt. Mit großem Spaß probierten die Damen vom HTCW während des Sportfestes im Mai aus, wie es ist, einen Rollstuhl auf dem Spielfeld zu steuern, gleichzeitig mit dem Hockeyschläger umzugehen und den Ball zu treffen. „Das ist wirklich richtig schwierig“, gibt Mareike Menschick zu. Aus der ersten Begegnung entwickelte sich eine Freundschaft, die von
beiden Seiten immer intensiver gepflegt wird. „Schon dreimal waren wir bei einem Heimspiel des HTCW und feuerten die Mannschaft an“, erzählt Julian Wendel, E-Hockey-Sportler bei den Ballbusters sowie Mitglied im Organisationsteam von „NO LIMITS!“.

Durch regelmäßige Begegnungen soll der Grundgedanke von „NO LIMITS!“ im Würzburger Hockeysport erfüllt werden: „Wir wollen dadurch Unsicherheiten im Umgang zwischen Menschen mit und ohne Behinderung abbauen und Freundschaften anbahnen.“

Mit 5 Jahren zum Sport

Julian Wendel spielt seit 26 Jahren Elektrorollstuhlhockey. Auch er war, wie Mareike Menschick, fünf Jahre alt, als er durch einen Zufall diese bis heute weithin unbekannte Sportart entdeckte. Prompt erwachte in ihm der Wunsch, selbst einen Hockeyschläger zu handhaben. Allerdings nimmt Julian Wendel den Schläger nicht wie seine neuen Freunde vom HTCW in die Hand. Das wäre ihm aufgrund seiner Behinderung gar nicht möglich: „Ich kann meine Hände nur minimal bewegen.“ Der
muskelkranke 31-Jährige gehört zu jenen Ballbusters-Spielern, die mit einem „Festschläger“ an den Matches teilnehmen. Dieser Schläger ist unten am sportgerechten E-Rollstuhl montiert. Damit fängt Wendel den Ball auf, manövriert ihn über das Spielfeld und befördert ihn ins Tor. Das heißt, so einfach ist das natürlich nicht.

Sehr schnelles Spiel

Verteidiger und Torwart der gegnerischen Mannschaft versuchen selbstverständlich, ihn daran zu hindern. Überhaupt gelingt der glatte Durchzug übers Spielfeld zum gegnerischen Tor nur mit raffinierten Pass- und Blockspielzügen. Der Ball ist kaum ein paar Sekunden im Besitz eines einzelnen Spielers. E-Hockey ist ein extrem rasantes Spiel. „Genau das macht es so spannend“, sagt Richard Loch-Karl. Der 24-Jährige ist seit einem Jahr Übungsleiter beim VdR Würzburg. An jedem Dienstag wird spielerisch trainiert. Daran dürfen auch Spieler im Aktivrollstuhl teilnehmen. An jedem zweiten Samstag geht es zur Sache. Dann werden Taktiken eingeübt.

Ziel: 1. Bundesliga

„Unser Ziel ist es, in die 1. Bundesliga aufzusteigen“, sagt Loch-Karl. Bereits seit zehn Jahren spielt die Mannschaft in der 2. Bundesliga. Wobei sie es zwischendurch für zwei Jahre sogar schon mal in die 1. Liga geschafft hat. Aufzusteigen, das fände auch Sven Haas toll. Er spielt ebenfalls E-Hockey, seit er ein Kind ist. Heute weihte er Stella Gienk, Mareike Menschick und andere Spielerinnen vom HTCW in die Geheimnisse des E-Hockeys ein. Dass die beiden Mädels trotz ihrer langjährigen Hockey-Erfahrung Schwierigkeiten hatten, im Rollstuhl zu spielen, kann Haas bestens verstehen. Auch er muss viel üben, um gut zu sein. Was an seiner schweren Behinderung liegt: „Ich habe eine Tetraspastik. Davon sind alle meine Extremitäten betroffen.“

Mareike Menschick findet es absolut bewundernswert, wie Sven Haas, Julian Wendel und die anderen Ballbusters mit ihren schweren Einschränkungen umgehen – im Alltagsleben, vor allem aber auch im Sport. Menschick: „Von der Willensstärke dieser Spieler können wir eine Menge lernen!“

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg. 

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