Studientag der Romanistik
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Würzburg erleben
20. Oktober 2015

Symbolbild Würzburg
„Quality-TV-Serien in der Romania“
TV-Serien sind derzeit populär wie nie. TV- und Literaturkritiker sprechen seit Beginn der 2000er Jahre von einer aufwertenden, episierenden Revolution des Fernsehens, wenn der FAZ-Journalist Richard Kämmerlings die TV-Serie als einen „Balzac für unsere Zeit“ charakterisiert. US-amerikanische Fernsehsender werben mit Slogans wie „It’s not TV, it’s HBO“ und versuchen, die im Vergleich zum Kinofilm einst so abschätzig betrachteten Fernsehformate in einem anspruchsvolleren Segment zu platzieren.
Wissenschaft hat TV-Serien entdeckt
Auch die Wissenschaft hat die TV-Serie längst für sich entdeckt und gemeinsam mit den TVKritikern einen Kanon mit hochwertigen Quality-TV-Serien entwickelt, zu dem u.a. The Sopranos (1999-2007), Breaking Bad (2008-2013), The Wire (2002-2008) oder Games of Thrones (seit 2011) zählen. Bei genauerer Hinsicht wird deutlich: Das Ausrufen der narrativen Revolution beschränkt sich beinahe ausschließlich auf Quality-TV-Serien aus den USA. Hierzu haben die traditionsreiche Filmindustrie, das privatwirtschaftlich strukturierte Fernsehprogramm und der Status der englischen Sprache als globale Lingua franca sicherlich
ihren Teil beigetragen.
Auch europäisches Quality-TV?
Seit 2000 scheint sich der Blick der TV-Kritiker sowie der Medien-, Film- und Literaturwissenschaftler demnach von Europa abgewandt zu haben. Dennoch existieren auch einige europäische Formate, die das Prädikat ‚Quality-TV‘ durchaus verdienen würden, z.B. Lilyhammer (Norwegen, seit 2012), Borgen (Dänemark, 2010-2013), Broen (Dänemark/Schweden, seit 2011), The Office (Großbritannien, 2005-2013), Braquo (Frankreich, seit 2009) oder Gran Hotel (Spanien, 2011-2013).
Wie definiert sich Quality-TV?
Der Studientag „Quality-TV-Serien in der Romania“ widmet sich am Freitag, den 23.10.2015 ab 9 Uhr im Zentralen Seminar- und Hörsaalgebäude am Hubland jenen zeitgenössischen TVSerien aus Frankreich, Spanien und Italien. Jonas Nesselhauf (Universität Saarbrücken/Universität Vechta) und Markus Schleich (Universität Saarbrücken) – beide Komparatistik/Vergleichende Literaturwissenschaft – führen mit dem Eröffnungsvortrag in die Thematik der Quality-TV-Serie ein und beantworten dabei folgende Fragen: Wie definiert sich rezentes Quality-TV und was zeichnet qualitativ-hochwertige TV-Serien aus? Nesselhauf und Schleich haben im Jahre 2012 gemeinsam das interdisziplinäre Forschungsprojekt zu Erzählverfahren in der TV-Serie „Serial Narration on Television“ initiiert, das sich im Wesentlichen durch ein Living Handbook of Serial Narration on Television und die Online- Zeitschrift Journal on Serial Narration on Television konstituiert.
Entwicklung spanischer Serien-Formate
In einem zweiten Einführungsvortrag richtet die Hispanistin Gabriella Lambrecht ihren Blick auf die rezenten Entwicklungen spanischer Serien-Formate, während der Galloromanist Julien Bobineau grundsätzliche Tendenzen in französischen und italienischen Produktionen erörtert. Im Anschluss daran beschäftigt sich der Literatur- und Medienwissenschaftler Prof. Dr. Jörg
Türschmann (Universität Wien) mit der Darstellung der Kultur des Alltags vor dem Hintergrund der Franco-Diktatur in der spanischen TV-Serie Cuéntame cómo pasó (seit 2001).
Julien Bobineau bietet in einem zweiten Vortrag einen Einblick in gesellschaftliche Kontroversen am Beispiel der metapornographischen arte-Produktion Xanadu (2011). Einen praxisorientierten Abschluss findet der Studientag mit einem Workshop unter der Leitung des Filmemachers und Medienwissenschaftlers Sönke Hahn (Bauhaus-Universität Weimar), der eine Einführung in die Produktion von TV-Serien liefert und mitsamt Kameraeinsatz am‚ Filmset Universität‘ medial umsetzt.
Teilnahme für alle Studierenden
Der Studientag findet mit freundlicher Unterstützung von Webers Bäckerladen statt. Die Teilnahme steht Studierenden und Dozenten aller Fakultäten offen. Die Tagungssprache ist deutsch. Studierende werden um eine Anmeldung via SB@Home gebeten.
Programm
- 09 Uhr Begrüßung
- 09.15 Uhr Quality-Television. Ein Überblick – Jonas Nesselhauf und Markus Schleich (beide Universität des Saarlandes Saarbrücken)
- 10 Uhr Aktuelle Strömungen im französischen, italienischen und spanischen Quality-TV – Julien Bobineau und Gabriella-M. Lambrecht (beide Universität Würzburg)
- 11 Uhr Kaffeepause
- 11.30 Uhr Die Repräsentation der Bürgerlichkeit während der Franco-Diktatur am Beispiel von Cuéntame cómo pasó – Prof. Dr. Jörg Türschmann (Universität Wien)
- 12.15 Uhr Pornographie als gesellschaftliche Kontroverse in Frankreich am Beispiel von Xanadu – Julien Bobineau (Universität Würzburg)
- 13 Uhr Mittagspause
- 14 Uhr Vom Storyboard zur Postproduktion (Workshop) – Sönke Hahn
(Bauhaus-Universität Weimar - 17 Uhr Ende der Veranstaltung
Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Universität Würzburg.

