Arbeitsagenturen bereiten sich auf Flüchtlinge vor

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Würzburg erleben

19. November 2015

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

800.000 Flüchtlinge in Deutschland

Etwa 800.000 Flüchtlinge haben bisher in Deutschland Schutz gefunden. Spätestens nach dem Winter dürften sich viele von ihnen bei der Arbeitsvermittlung der Jobcenter oder der Agenturen für Arbeit wiederfinden. „Viele sind jung und hochmotiviert“, hat SPD-Landtagsabgeordneter Georg Rosenthal beobachtet. Es gelte nun aber, rechtzeitig die Weichen zu stellen: „Bei Deutschkursen und Arbeitsvermittlung sparen, heißt an der falschen Stelle sparen“, stellt Rosenthal fest. In einem gemeinsamen Gespräch mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel und Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib sowie den Leitern der drei unterfränkischen Arbeitsagenturen zeigte sich, dass die Behörde vor großen Herausforderungen steht.

Nur 2,6 Prozent Arbeitslose

Die Zahlen für den Arbeitsmarkt im Oktober zeigen jedoch deutlich, dass sich alle drei unterfränkischen Agenturbezirke in einer Ausgangslage befinden, die kaum besser sein könnte: Im Agenturbezirk Würzburg (Landkreise Kitzingen, Main-Spessart, Stadt und Landkreis Würzburg) beispielsweise waren im Oktober gerade einmal 7.440 Menschen ohne Arbeit, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind dies nochmals 8 Prozent weniger.

Deutlicher Rückzug der Jugendarbeitslosigkeit

Auch der Ausbildungsmarkt hat sich, zumindest aus Sicht der Ausbildungsstellensuchenden, günstig entwickelt. Schon seit längerem haben Arbeitgeber Schwierigkeiten, geeignete Lehrlinge zu finden. In gesamten Agenturbezirk Würzburg kamen im September auf 4.106 freie Ausbildungsstellen gerade einmal 3.820 Bewerber. Auch die Jugendarbeitslosigkeit befindet sich deutlich auf dem Rückzug. Bei den unter-25-Jährigen waren z.B. in der Stadt Würzburg gerade einmal 15 langzeitarbeitslos. „Für eine Großstadt ist dies ein fantastisches Ergebnis“, fasste der Chef der Arbeitsagentur Würzburg, Eugen Hain, zusammen.

Hochwertige Qualifikation von Neuankömmlingen

Besonders die großen Zuwanderer-Zahlen erschweren eine am Einzelfall orientierte Betreuung. Das Ziel einer nachhaltigen Arbeitsvermittlung müsse es jedoch sein, die Neuankömmlinge möglichst hochwertig zu qualifizieren, stellte Hain fest. Für ungelernte Arbeitskräfte sei der Arbeitsmarkt nicht aufnahmebereit. Auch fehlt es an Personal: Das Jobcenter Stadt Würzburg hat derzeit 100 Mitarbeiter. Zusätzlich werden voraussichtlich nur vier Stellen zur Verfügung gestellt, die sich auf die Vermittlung der Flüchtlinge und die Leistungsbearbeitung aufteilen. Ein Vermittler betreut normalerweise 150 Fälle. „Wir müssen dafür sorgen, dass wir die Flüchtlinge möglichst schnell in Arbeit oder eine Ausbildung bringen“, betont MdB Bernd Rützel: „Dafür braucht die Behörde einen Personalschlüssel, der dem tatsächlichen Bedarf entspricht.“

12 Monate Wartezeit für Kurse

Wartezeiten von bis zu 12 Monaten für einen Alphabetisierungskurs oder neun Monaten für einen Sprachkurs müssten darum unbedingt der Vergangenheit angehören, so der SPD-Haushaltsexperte Volkmar Halbleib. Ein neues Förderprogramm der Arbeitsagentur für „Menschen mit Fluchthintergrund“ und für „Jugendliche auf der Flucht“ sowie achtwöchige Deutsch-Einstiegskurse für Asylbewerber weisen in die richtige Richtung. „Dies kann aber nur ein Anfang sein“, stellt er fest. Auch nach dem im Oktober beschlossenen, von einer deutlichen sozialdemokratischen Handschrift geprägten Finanzierungskonzept für Zuwanderung und Integration sieht er die bayerische Staatsregierung in der Pflicht, flexibel auf die tatsächlichen Anforderungen zu reagieren. „Der Übergang in den Arbeitsmarkt wird in den kommenden Monaten und Jahren das entscheidende Nadelöhr für eine gelungene Integration sei“, stellt er fest.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Abgeordnetenbüros von Georg Rosenthal. 

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