„Lieblingskinder“ häufiger depressiv

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30. November 2015

Symbolbild Schweinfurt
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Mamis Liebling hat es schwerer

Zugeben möchte es wohl keiner, aber viele Eltern haben ein Lieblingskind. Gibt es in einer Familie mehrere Kinder kommt es häufig vor, dass eines der Geschwister ein klein wenig mehr geliebt wird als ein anderes. Eine Erhebung der University of California ergab kürzlich, dass 65 Prozent aller Mütter, und sogar 70 Prozent der Väter ein Lieblingskind haben, so „Die Welt“. In diesem Zusammenhang könnte man annehmen, dass es Mamis Lieblinge im Leben leichter haben – und somit glücklicher sind. Aber weit gefehlt: einer aktuellen Studie zufolge kann diese emotional starke Bindung für den Lieblingssprössling negative Folgen haben. Jill Suitor, Soziologin an der Purdue University in West Lafayette, ist dem Ganzen auf den Grund gegangen.

Langzeitstudie ergab Belastung

Welche Konsequenzen hat es für das spätere Leben ein bevorzugtes Kind zu sein? Die Ergebnisse der von Suitor durchgeführten Langzeitstudie besagen, dass Lieblingskinder häufiger an einer Depression leiden als „Zweitrangige“. Suitor und ihr Team beobachteten zur Feststellung des Phänomens 725 Personen aus 309 verschiedenen Familien. Die Forscher führten Befragungen bei Erwachsenen mittleren Alters durch und gingen der Mutter-Kind-Beziehung auf den Grund. Laut Informationen von „Die Welt“ wurden die bereits erwachsenen Kinder über die Indikatoren Konflikte, Stolz, Enttäuschung und Nähe im Bezug auf die Mutter befragt.

Des Weiteren erhoben die Wissenschaftler das Wohlbefinden der Probanden und hielten Anzeichen psychischer Erkrankungen fest. Ergebnis: auf lange Sicht scheint eine Belastung die wahrscheinlichere Folge des Lieblingskind-Status zu sein. Denn je höher die von den Kindern beschriebene emotionale Nähe war, desto häufiger auch die Symptome einer Depression, berichtete „Die Welt“.

Verantwortung und Geschwister-Rivalität

Die Ursachen, die zur Depression führen, sieht Studienleiterin Suitor zum Einen in den Schuldgefühlen, dem Konfliktpotential und dem schlechten Gewissen den Geschwistern gegenüber. Zum Anderen haben die Lieblinge ein größeres Gefühl an Verantwortung gegenüber der Mutter, das zur seelischen Belastung werden kann. Im zunehmenden Alter wächst dieses Verantwortungsgefühl, gerade wenn es um die Pflege der Eltern geht. Die Untersuchungsergebnisse basieren allerdings ausschließlich auf der Sicht der Kinder. Die Mütter sind hierzu nicht befragt worden, was für ein umfassendes Bild evtl. nachgeholt werden sollte.

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