Interaktive Ausstellung des Projekts „Wanderbank“
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Würzburg erleben
3. Dezember 2015

Symbolbild Würzburg
Von Absturz und Höhenflügen
Geschichtensammlerin Anne Walz vom Würzburger Wanderbank-Projekt hörte zu und machte sich Notizen über die Höhen und tiefen einer jungen Punkerin, schreibt die Bahnhofsmission in einer Pressemitteilung. Was ihr die Punkerin erzählte, ist in einer interaktiven Ausstellung ab 30. November in der Sparkasse Mainfranken zu hören. Offizielle Eröffnung ist am 3. Dezember um 16 Uhr. Die Ausstellung wird vom 30. November bis 18. Dezember im Foyer der Sparkasse Mainfranken (Hofstraße 7-9) zu den üblichen Schalteröffnungszeiten zu sehen sein.
150 Geschichten aus Würzburg
Seit einem Jahr ist Anne Walz mit der Wanderbank in Würzburg unterwegs. Um die 150 Geschichten hat sie inzwischen gesammelt. Traurige, bedrückende, komische, erheiternde und bemerkenswerte Erzählungen aus dem Leben ganz unterschiedlicher Menschen. Junge und alte Leute saßen neben ihr. Gutsituierte und Arme. Menschen, die viel herumgekommen sind, und solche, die kaum einmal aus Würzburg herauskamen.
Etwa 50 Geschichten sind inzwischen schriftlich fixiert. Unter der Überschrift „Begegnungen“ wird der Förderverein der Bahnhofsmission Würzburg, der das Projekt trägt, Passagen aus den Biografien in der Sparkasse präsentieren. Mehrere Geschichten sind außerdem in einer Broschüre nachzulesen.
Idee aus München
Die Idee für das Projekt Wanderbank stammt aus München. Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Kirchlichen Bahnhofsmissionen haben die Künstlerinnen Christiane Huber und Sanne Kurz das Format „Wanderbank“ entwickelt und durchgeführt. Gefördert wurde dies zudem vom bayerischen Sozialministerium. So tourte die Bank durch Bayern und war in Städten wie München, Ingolstadt, Passau, Aschaffenburg und Schweinfurt anzutreffen.
Auch in Würzburg machte die Wanderbank Station. Die Idee, Menschen eine Möglichkeit zu geben, ganz frei ihre Geschichte zu erzählen, faszinierte dort so sehr, dass sich der Förderverein der Bahnhofsmission Würzburg entschloss, einen eigenen Projektableger zu etablieren.
Wanderbank in Würzburg
Seither stand die Wanderbank in und vor dem Bahnhof, in der Stadtbücherei, vor der Bahnhofsmission, auf dem Sternplatz, der Alten Mainbrücke, dem Marktplatz und an vielen anderen Orten. Was die hölzerne Bank bewirkt, ist für Anne Walz verblüffend: „Menschen beginnen plötzlich, einem anderen, völlig fremden Menschen ihre Lebensgeschichte zu erzählen.“ Mit Details, die womöglich noch nicht einmal der eigene Lebensgefährte so genau kennt, so die Bahnhofsmission in einer Pressemitteilung.
Geschichte ist Menschen von außen nicht anzusehen
Ein Zweites lernte Anne Walz, laut Pressemitteilung der Bahnhofsmission: Von außen sehe man keinem Menschen an, welche Geschichte hinter ihm liegt. Genau das werden die Ausstellungsbesucher anhand einer drehbaren Säule erfahren. Die Säule ist in drei Segmente unterteilt, die jeweils für sich gedreht werden können. Das untere Segment zeigt Illustrationen von Christian Schuster, der, leicht verfremdet, um niemanden bloßzustellen, mehrere Gesprächspartner von Anne Walz zeichnete. Im mittleren Segment sind Auszüge aus den Lebensgeschichten zu lesen. Schließlich gibt es ein Segment mit Zitaten. Zu welcher Lebensgeschichte passen wohl welche Illustration und welches Zitat?
Die Verfilmung
Auch einen Film wird es geben. Zwei angehende Kommunikationsdesignerinnen der Fachhochschule haben ihn gedreht. Der Film erzählt von Anja, einer Frau Anfang 50, der die Welt einst offen stand. Sie studierte in Deutschland und den USA englische Literaturwissenschaft. Dann wurde sie krank, sie begann, an Depressionen zu leiden. Das Studium belastete sie. Die Situation wurde so schwierig, dass es ihr gerade noch möglich war, den Abschluss zu machen. Dann rutschte die Akademikerin in Armut und ins gesellschaftliche Abseits.
Broschüre des Fördervereins
Mit der aufwändig gearbeiteten Broschüre lege der Förderverein der Bahnhofsmission, laut Pressemitteilung, begleitend zur Ausstellung eine eindrucksvolle Dokumentation vor. Eine Frau erzählt darin von ihrer alkoholabhängigen Mutter. Ein alter Mann berichtet, wie er nach dem Krieg Kaffee über die Schweizer Grenze schmuggelte. Einer Frau begegnete Anne Walz nach einem Jahr wieder. Sie hatte ihren Traum, von dem sie beim ersten Mal erzählte, realisiert, und war zwischenzeitlich den gesamten Jakobsweg gepilgert.
Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Bahnhofsmission Würzburg.

