Haßfurterin gibt Flüchtlingsfamilie ein Zuhause

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14. Dezember 2015

Symbolbild Schweinfurt
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„Wir sind eine richtige Familie geworden“

Klara Ott aus Haßfurt hat Familie Hussein aus Syrien bei sich aufgenommen. Eltern und Kinder flohen zu Fuß vor dem Krieg, Baby Kasen kam in Haßfurt auf die Welt. Klara Ott äußerte: „Ich habe sofort gewusst: Das ist eine Aufgabe für mich“.

„Wer lässt die Sternlein funkeln, Sternlein funkeln, Sternlein funkeln?“ Klara Ott (65) und Lara sitzen auf dem Sofa und singen. Im Lied wachsen Blumen, fliegen Vögel, bei jeder neuen Strophe hebt auch Lara ihre Hände ein Stück nach oben. Alle vier Strophen singt die Fünfjährige mit, bis zur Schlusszeile: „Wer liebt auch dich und mich? Unser großer Gott.“ Dann lächelt sie Klara Ott mit strahlenden Augen an. Vor zweieinhalb Monaten hat die Haßfurterin die syrische Familie Hussein – Mohammed Wael Hussein (31), seine Frau Ayda (33) und die Kinder Mahmoud (9), Sedra (8), Lara (5) und Ahmed (3) – in ihrem Haus aufgenommen. Am 19. Oktober kam dann Baby Kasen auf die Welt. „Wir sind eine richtige Familie geworden“, sagt Klara Ott.

Deutschunterricht und Pappdeckeluhren

Eine Mansardenwohnung ist nun das Zuhause von Familie Hussein. Bunte Decken liegen auf den Sofas. Mohammed schenkt Kaffee ein, dazu gibt es selbst gebackenen Apfelkuchen. Während Lara ein Bild malt und Ahmed Bauklötze auf den Boden kippt, üben Mahmoud und Sedra deutsche Zahlen. Bis 20 geht es schon. Auch Ayda hat bereits einige Sätze auf Deutsch gelernt. „Lara und Ahmed besuchen den Kindergarten. Mahmoud und Sedra gehen in die Grundschule“, sagt sie langsam und konzentriert. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, übt Klara Ott mit den Eltern Deutsch. Bei der Verständigung helfen unter anderem Bilderbücher. Aus Pappdeckeln hat die 65-Jährige eine Uhr gebastelt, auf der sie die Uhrzeiten für Termine einstellen kann. Durch ihr langjähriges Engagement für Flüchtlinge kennt sie zudem viele Menschen, die beim Übersetzen helfen.

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Zusammen und für sich

Nach zwei Monaten hat sich das Zusammenleben eingespielt. „Jeder hat seinen eigenen Bereich, aber keine Wohnung ist zugeschlossen“, erklärt Klara Ott. „Jeder respektiert den Glauben des anderen.“ Die Husseins sind Muslime. Ott ist beeindruckt, wie tief die Familie ihren Glauben in der Fremde lebt und ihre Kinder das Beten lehrt. „Es würde auch uns nicht schaden, wenn wir öfter beten würden“, sagt sie. „Mama Klara“ wird sie von den Husseins liebevoll genannt. „Wir sind sehr glücklich. Durch Mama Klara haben wir einen Wohnsitz, meine Kinder können in die Schule gehen. Sie ist für uns ein großes Glück“, sagt Ayda. Es sei auch für sie sehr schön, sagt Klara Ott.

Ansprache des Papst gab Anstoß

Nach dem Tod ihres Mannes vor fünf Jahren und dem Auszug der jüngsten Tochter – die 65-Jährige ist selbst Mutter von fünf Kindern – war es still geworden in dem großen Haus. Dann brachte sie eine Mittagsansprache von Papst Franziskus auf die Idee, ihr Haus für Flüchtlinge zu öffnen. „Der Papst hat gesagt, wer Platz hat, soll Flüchtlinge aufnehmen.“ Klara Ott meldete sich umgehend bei der Caritas. Als sie hörte, dass eine Familie mit einer hochschwangeren Frau eine Wohnung sucht, habe sie sofort gewusst: „Das ist eine Aufgabe für mich.“ Über die Geburt des Babys freute sie sich, als ob es ihr eigener Enkel wäre.

Verletzungen durch Bombensplitter

Im Nachhinein klingt es fast wie ein Wunder, dass Familie Hussein es bis Haßfurt geschafft hat. „In letzter Zeit war immer Krieg“, erzählt Mohammed. „Wir haben im Fernsehen gesehen, dass Deutschland ein hilfreiches Land ist. Ich habe versucht, hierher zu kommen. Es ist mir nichts anderes übrig geblieben, um meine Familie zu retten.“ Aufgrund des Krieges hätten die Kinder in Syrien nicht zur Schule gehen können, weiß Klara Ott. Alle Kinder hätten Verletzungen durch Bombensplitter, der Bruder von Ayda sei angeschossen worden. Mohammed machte sich zunächst allein auf den gefährlichen Weg nach Deutschland. Hochschwanger und mit vier kleinen Kindern folgte ihm seine Frau.

Ein arabischer Fernsehsender interviewte sie auf der Flucht – verzweifelt und verloren wirkt sie in dem kurzen Film, den Mohammed mit dem Handy vom Fernseher abgefilmt hat. „Ich habe mich sehr durcheinander gefühlt“, sagt die 33-Jährige über diese Zeit. Klara Ott ist immer noch beeindruckt von der Leistung der jungen Frau. „Wenn ich daran denke, was Ayda alles geleistet hat. Sie ist von Syrien über die Türkei, Mazedonien und Serbien gelaufen. Ich kann nicht verstehen, wie man so etwas schaffen kann.“

Das erste Weihnachtsfest

Heute wirken Ayda Yahya Hussein und ihr Mann gelassen und optimistisch. „Haßfurt ist eine schöne Stadt. Die Menschen sind sehr nett, wir werden sehr unterstützt“, sagt er. „Wenn Gott es will, möchte ich mein Leben hier weiterführen.“ In Syrien arbeitete er als Busfahrer, seine Frau in der Krankenpflege in einem Krankenhaus. Doch nun steht erst einmal Weihnachten vor der Tür. Die Husseins haben noch nie von diesem Fest gehört. Klara Ott lächelt: „Sie sollen sich überraschen lassen.“

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Bischöflichen Ordinariats Würzburg. 

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