Mann der Rekorde: Hans-Otto Wöhrle
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Würzburg erleben
15. Dezember 2015

Symbolbild Schweinfurt
Würzburger Fitness-Pionier
Der Würzburger Fitness-Pionier über sein Leben und den Sport: Hans Otto Wöhrle ist seit den 80er-Jahren in Würzburg Fitnesstrainer, er hat Guinessbuch-Rekorde aufgestellt, zwei Mal den “Iron Man” in Roth absolviert und man könnte wohl sagen, Kraftsport gehört zu seinem Leben wie die Luft zum Atmen. Sport treibt er eigentlich schon immer, so lange er sich in seinem Leben zurückerinnern kann.
„Alle physischen Tätigkeiten wurden leistungsbezogen, quasi im Wettbewerb, durchgeführt, z.B. Arbeiten im Weinberg oder Bauarbeiten. In meiner Jugend war nur der Stärkere, Schnellere, Wendigere der Chef“, erzählt er im Interview. Obwohl alles mit Fußball anfing, er spielte aktiv bis zur A-Jugend beim FC Randersacker, spezialisierte er sich mit jungen 17 Jahren auf das olympische Gewichtheben, bei dem durch das sogenannte Reißen oder Stoßen eine Langhantel über den Kopf gestemmt wird.
„17-Jähriger stößt 100 Kilo“
In diesem Lebensjahr hatte er auch seinen ersten großen sportlichen Auftritt bei einer Nachwuchsveranstaltung des ETSV-Würzburg: „17-Jähriger stößt 100 Kilo“. Angefangen hat die Leidenschaft zum Gewichte stemmen mit einfachen Hilfsmitteln. „Es begann mit Steine heben, dann mein Fahrrad mit einer Hand.“„Bin Dienstältester Aerobic-Trainer der Welt, behaupte ich mal –und da es seit meinem Gewinn nie mehr so einen Wettbewerb gegeben hat, eigentlich auch immer noch amtierender `Mister Würzburg ́”, so fasst er seine sportliche Karriere amüsiert in aller Kürze zusammen.
Natürlich ist zwischen dem 17-jährigen und dem heutigen Hans-Otto Wöhrle aber noch eine ganze Menge mehr passiert. Alleine sein Lebenslauf ist so breit gefächert, dass man sich fragen könnte, wie man das in einem Leben überhaupt schaffen kann. Er hat den Matrosenbrief, war Oberfeldwebel bei der Bundeswehr, ist Radio- und Fernsehtechniker, Elektronikassistent und absolvierte Ausbildungen zum Medizinischen Fußpfleger, Masseur, Fachsportlehrer, Heilpraktiker und im Fachgebiet der Osteopathie.
Verrücktester Moment seiner Karriere
Einen „Job“wird er aber wohl nicht so schnell vergessen: Das Verrückteste, was ihm in seiner Sportlerkarriere widerfahren ist? „Das Modeln für eine neue Zigarettenmarke. Auf der Fitness- und Bodybuilding-Messe in Köln wurde ich damals von einer Fremden angesprochen, ob sie mich fotografieren dürfte. Um ehrlich zu sein, kam ich mir etwas veräppelt vor. Einige Wochen später erhielt ich dann aber einen Anruf, ob ich nach Hamburg kommen könne und an einem Fotoshooting für eine Werbekampagne mitmachen möchte.
„Ich bin strikter Nichtraucher, aber es hat mich natürlich gereizt. Es war eine tolle Erfahrung, aber Modeln ist unglaublich schwierig“, so Wöhrle. Eine weitere Erfahrung hat er beim Theater in Würzburg gesammelt. In den 80er-Jahren spielte er eine Saison lang den Ringer in Shakespeares Stück “Wie es euch gefällt”. Ein besonderer Gast war damals im Publikum –in der Vorstellung hatte sich eine junge Dame kaputt gelacht über seine Vorstellung als Muskelprotz. Kurze Zeit danach trafen sie sich in dem Fitnessstudio, das er leitete.
Mehrfach Weltrekorde aufgestellt
Etwa ein dreiviertel Jahr wurde sie seine Frau. Auch herumgekommen ist der Würzburger schon viel in seinem Leben. Als sportliches Karriere-Highlight nennt er zum Beispiel den Gewinn des EG-Cup in Athen im Jahr 1981. Zwei Jahre davor hat er an der Militär-WM im Teheran teilgenommen. Ein Tiefschlag in seiner Sportler-Karriere war „eine Verletzung bei den Deutschen Meisterschaften 1980 in Coburg. Diese waren gleichzeitig die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Moskau, die dann jedoch boykottiert wurden.“
In den 1980ern stellte Wöhrle übrigens einige Weltrekorde auf. Am 9. Juli 1986 stemmte er zusammen mit Rainer Griebl eine gesamte Blaskapelle auf einer Beinpressmaschine –Gesamtgewicht: 1003,9 kg. Lang dauerte es aber nicht, dass die beiden Kraftprotze den Weltrekord verbesserten. Ende November des gleichen Jahres stemmten sie in Würzburg in der B3-Disco, dem heutigen Labyrinth, eine Reihe hübscher Frauen –Gesamtgewicht 1005,4 kg. Und da alle guten Dinge drei sind, stemmten sie drei Tage später 1007,9 kg in Form von Bürgermeister und Gemeinderäten aus dem Landkreis Schweinfurt.
In 30 Minuten 934 x 51 kg
Im Bankdrücken auf Zeit hielt er einst sogar einen Guinessbuch-Weltrekord. In 30 Minuten stemmte der Würzburger 1988 934 x 51 kg, insgesamt also 47.634 kg. Drei Jahre zuvor knackte er einen weiteren Eintrag im Guinessbuch der Rekorde. Mit 240,8 kg Backsteinen auf dem Rücken kletterte er in knapp vier Minuten 17 Sproßen einen extra angefertigten Leiter, bis in die luftige Höhe von 3,67 Meter, empor. Auch beim New York Marathon war Hans Otto Wöhrle am Start. Das Realisieren dieses Ereignisses sei für ihn überwältigend gewesen. Darauf angesprochen, wie viel Kraft und Überwindung die Teilnahme kostete, meint er schlicht: „Mit einem intelligenten, regelmäßigem Training schafft das jeder.“Auch den „Iron Man“ in Roth bezwang er zweimal.
Auf die Frage, wie sich das anfühlte, sagt er: “Bei jedem Training hat man den Zieleinlauf vor Augen. Man trainiert so lange, der “Iron Man”dauert etwa 10 Stunden und danach ist man einfach zufrieden.”Jedoch seien Familie und Freunde von der Teilnahme überrascht gewesen, da sein Training eigentlich nicht für derartig lange Strecken ausgelegt war und er Schwimmen hasste. „Bewegung ist Leben und Gesundheit“, antwortet er auf die Frage, ob diese Art des Sports eigentlich noch gesund wäre. „Ein Leben ohne Fitness oder Krafttraining wäre für mich wie ein Fisch ohne Wasser. Ich trainiere immer noch täglich eine Stunde, auch an Heiligabend.“
[adrotate banner=“38″]Fitnesstrainer seit den 80er-Jahren
Außerdem wäre Sport für ihn „eine Hygienemaßnahme, die überlebenswichtig ist.“ Seit den 1980er-Jahren ist er nun Fitnesstrainer in Würzburg. 1982 wurde ihm der Aufbau einer Fitnessanlage beim SV05 Würzburg angeboten. Fünf Jahre führte er diese erfolgreich und erkannte, dass dies seine Welt ist. Die Idee ein eigenes Studio zu eröffnen kam dadurch, dass es in Würzburg damals kaum selbstständige Studios gab und er eine Marktlücke schließen wollte. So gründete er schließlich im Jahr 1987 das City-Studio Wöhrle, das er bis dato morgens öffnet und abends wieder absperrt.
Obwohl er sich heute vor allem der Osteophathie widmet, ist das Fitnessstudio noch immer sein Zuhause. Sein Beruf ist sein Hobby, da macht ihm auch eine Sieben-Tagewoche nicht zu schaffen –und das wünscht er auch allen anderen Menschen. Die Entwicklung der Sportszene mit dem Hype um Fitnessstudios bis hin zum Trend CrossFit sei aus seiner Sicht abzusehen gewesen. „In den 90ern las ich eine Prognose, dass es in Zukunft genauso viele Fitnessstudios geben würde wie Gaststätten.“
Sportliches Würzburg
Im Jahrtausend der Bewegungsmangelkrankheiten würde die also Richtung stimmen. Gefragt, ob Würzburg denn eine „sportliche Stadt“wäre, zeigt er sich sehr zufrieden. „In Bezug auf die Größe ist es unvergleichlich, es fehlt kaum eine Sportart.“ Eine große Sportstätte für überregionale Veranstaltungen würde vielleicht fehlen. Der Kraftsport, Gewichte heben im Besonderen, scheint seit jeher mit diversen, meist negativen Klischees behaftet zu sein. Darauf angesprochen, wie er auf Phrasen wie „Viele Muskeln und nichts dahinter reagiert, antwortet er sehr nüchtern: „Was kümmert’s eine
Eiche, wenn sich eine Sau dran rubbelt.“
Wenn man die typischen Bodybuilder-Klischees zu spüren bekomme, was schon ab und zu vorkomme, dann müsse man dem Gegenüber einfach das Gegenteil beweisen. Körper und Geist würden außerdem ohnehin zusammengehören. Ein Imageproblem sieht er beim Kraftsport nicht. Denkt man an Bodybuilding, so fällt einem unweigerlich ein Name ein: Arnold Schwarzenegger. Ob dieser denn damals ein sportliches Vorbild war, wie es heute vielleicht Fußballer sind? „Zu meiner Zeit war Schwarzenegger noch unbekannt. Um besser zu werden, hat man sich vor allem an seinen Gegnern orientiert.“
Angst vor „Godzilla“
Als in den 80ern jedoch die Fitnesswelle in Gang kam, waren Muskeln plötzlich “in”. Davor kam es schonmal vor, dass die Kinder im Dallenbergbad vor ihm wegliefen, weil sie dachten Godzilla käme auf sie zu. Plötzlich aber waren die Leute an Shows und Posen und natürlich an den starken Männern interessiert –ob der heute 64-Jährige ein Frauenschwarm war? Bei dieser Frage lächelt er nur verlegen, wir sind uns dessen aber ziemlich sicher. Zum Schluss haben wir Hans Otto Wöhrle um einen Tipp gebeten in Bezug auf Sport und Motivation. Seine Antwort: „Es ist nie zu spät, man ist nie zu alt, eine Stunde Training gibt zwei Stunden Lebenszeit.“
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