Vorbild Deutschland: Forschung für die Umwelt

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Würzburg erleben

12. Januar 2016

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Klimaschutzstipendium der Humboldt-Stiftung

Mit einem Internationalen Klimaschutzstipendium der Humboldt-Stiftung ist Dr. Bu Maoliang an die Würzburger Universität gekommen. Laut Pressemitteilung der Uni Würzburg sucht er nach Beispielen in der westlichen Wirtschaft, wie der Ausstoß schädlicher Klimagase gedrosselt werden kann. Diese könnten China als Vorbild dienen.

Welchen Beitrag leisten multinational agierende Unternehmen, den Klimawandel zu begrenzen? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Forschung des chinesischen Wirtschaftswissenschaftlers Dr. Bu Maoliang. Während eines einjährigen Aufenthalts an der Universität Würzburg hat er positive Beispiele deutscher Unternehmen untersucht. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung hatte ihm dafür eines der begehrten Internationalen Klimaschutzstipendien genehmigt.

Deutschland als Vorbild für China

„Wir leiden sehr unter den Folgen der Umweltverschmutzung und sind auf die Technik und das Wissen aus Ländern wie Deutschland angewiesen, wenn wir dagegen vorgehen wollen“, so der chinesische Gastwissenschaftler laut Pressemitteilung der Uni Würzburg. Mit seiner Studie will er positive Ansätze vorstellen, die im Idealfall in seiner Heimat als Vorbild dienen könnten. Einen Aufsatz, den Maoliang in seiner Zeit an der Universität Würzburg geschrieben hat, ist bereits veröffentlicht. Ein zweiter befindet sich gerade in der Überarbeitung.

Stipendium für künftige Führungskräfte

Internationale Klimaschutzstipendien vergibt die Alexander-von-Humboldt-Stiftung an „künftige Führungskräfte aus außereuropäischen Schwellen- und Entwicklungsländern, die im Bereich Klima- und Ressourcenschutz in ihren Ländern in Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung tätig sind“, heißt es auf der Homepage der Stiftung. Bu Maoliang ist Associate Professor an der Universität von Nanjing – einer Stadt im Osten Chinas, gut 200 Kilometer von Shanghai entfernt.

Vor gut vier Jahren war er zum ersten Mal in Würzburg gewesen. Auf einer Tagung in Venedig hatte er den damaligen Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität, Professor Marcus Wagner, getroffen. Der hatte ihn an den Main eingeladen und eine Kooperation mit ihm gestartet. In diesem Zusammenhang hat Maoliang seine jetzige Gastgeberin kennen gelernt, die Professorin Doris Fischer, Inhaber des Lehrstuhls für China Business and Economics.

Grenzen überschreiten

Globale Wertschöpfungsketten und die Begrenzung des Klimawandels sind die Themen, mit denen sich Bu Maoliang beschäftigt und die er miteinander zu kombinieren versucht. „Das globale Netzwerk gegen den Klimawandel ist derzeit in Länder und Industriesektoren zersplittert“, sagt er. Früher standen einzelne Unternehmen im Fokus, wenn es darum ging, den Kohlendioxidausstoß zu senken; heute konzentrieren sich die Bemühungen auf ganze Lieferketten. „Um diese Herausforderung meistern zu können, muss man die bisherigen Grenzen überschreiten – sowohl die zwischen Nationalitäten als auch die zwischen öffentlichem und privatem Eigentum“, sagt Maoliang in einer Pressemitteilung der Uni Würzburg. Deshalb sei es sein Ziel aufzuzeigen, wie sich gelungene Beispiele aus dem bislang so vorbildhaften Deutschland auf chinesische Verhältnisse übertragen lassen.

Hoffnung für die Zukunft

Apropos Klimawandel: Haben ihn denn wenigstens die Ergebnisse des Pariser Klimagipfels positiv stimmen können? Teils teils, lautet die diplomatische Antwort. Aus Sicht der Umwelt könne man nicht restlos zufrieden damit sein. „Verglichen mit den Erwartungen ist das Ergebnis dann allerdings doch sehr gut ausgefallen. Das lässt für die Zukunft hoffen“, sagt er.

Neue Kontakte im Sportverein

Seine Zeit in Würzburg hat Bu Maoliang bisher sehr genossen. Die Stadt und die Umgebung gefallen ihm gut, genauso wie die Weinkultur. Und in seiner Freizeit hat er sich so verhalten, wie es dem gängigen Klischee entspricht, das Deutsche von Chinesen haben: Er ist zum einen viel Fahrrad gefahren. Jeden Tag ist er von seiner Wohnung aus über die Alte Mainbrücke an der Residenz vorbei und dann – up, up, up – an die Uni am Hubland geradelt. „Ein sehr gutes Training“, wie er sagt. Und am Main entlang hat er es bis nach Frankfurt geschafft.

Zum anderen hat er bei den Freien Turnern Würzburg die Tischtennis-Abteilung verstärkt und sogar Bundesliga-Spiele bestritten. In der deutschen Bestenliste belegt er jetzt Platz 1.084. Das sportliche Engagement im Verein sei eine gute Möglichkeit gewesen, Menschen außerhalb der Uni kennen zu lernen. Die seien ganz heiß darauf gewesen, gegen ihn Tischtennis zu spielen, um dann nachher stolz erzählen zu können: „Ich habe gegen einen Chinesen gesiegt!“ Außerdem sei er durch die zahlreichen Auswärts-Wettkämpfe in Orte gekommen, die er sonst wohl nie gesehen hätte.

Chinesische Unis offener und internationaler

Können deutsche Universitäten etwas von chinesischen lernen? Nach dieser Frage muss Bu Maoliang lange nachdenken. Fast erscheint sie ihm unangebracht, schließlich sei das deutsche Bildungswesen mit seiner jahrhundertelangen Tradition so etwas wie der „Lehrer“ für den „Schüler“ China. Dann fällt ihm doch ein Punkt ein: Chinesische Universitäten seien offener, internationaler ausgerichtet. In ihren Angeboten gebe es zahlreiche englischsprachige Kurse und Programme. Mehr als er in Deutschland gefunden habe.

Die deutsche Uni: Ein Lehrer für China

Und andersherum – kann China von Deutschland lernen? „Jede Menge“, lautet seine spontane Antwort. An deutschen Universitäten sei das Verhältnis von Forschung und Lehre gut ausbalanciert, während in China ein Übergewicht in Richtung Forschung existiere. Die Unabhängigkeit der Wissenschaftler und die Freiheit der Forschung seien weitere Pluspunkte, die für das deutsche Hochschulsystem sprechen.

Thema „Klimawandel“ noch lange nicht erledigt

Ende Februar 2016 wird Bu Maoliang in seine Heimat zurückkehren und wieder an der Universität Nanjing forschen und lehren. Gegründet im Jahr 1902, zählt diese zu den ältesten und angesehensten Universitäten Chinas. In zahlreichen Hochschul-Rankings belegt sie stets einen Platz unter den fünf besten Universitäten des Landes. Worauf er sich am meisten freut? Natürlich darauf, dass er dann wieder mit seiner Frau und seinem fünf Jahre alten Sohn zusammen sein wird. Und dass er weiter an seinem Thema forschen kann. Schließlich ist das Thema „Klimawandel“ auch mit den Ergebnissen des Pariser Klimagipfels noch lange nicht erledigt.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Universität Würzburg. 

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