Gastbeitrag: Zweitstudium – Mit 30 unter „Teenagern“
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Würzburg erleben
19. Februar 2016

Symbolbild Schweinfurt
Ein anonymer Gastbeitrag
Der typische Student
Partywütig. Langschläfer. Immer im Stress. Und vor allem: Jung! Der typische Student. In den Köpfen vieler ist dieses Bild fest verankert – und trifft den Nagel auch meist auf den Kopf. Doch was heisst es, wenn man beschliesst, mit knapp 30 nochmal zu studieren?
Willkommen zurück
Erster Tag: Die Vorlesung beginnt. Zuhören, Mitschreiben, Lernen – was war das noch gleich? Zugegeben: Nach fünf Jahren Arbeitsleben erst einmal ein Kulturschock. Nach einer halben Stunde schmerzt die Hand: Mist, mein „Schreib-Knubbel“ am Mittelfinger existiert nicht mehr. Um mich herum die Kommilitonen mit gut sortierten Federmäppchen. Es werden Überschriften bunt unterstrichen – und das mit Lineal. Ich selbst sitze, wie vom ersten Studium in Erinnerung behalten, mit einem zerfledderten Block und meinem Kuli auf einem wackligen Stuhl – es hat sich wohl doch einiges verändert!
Aber ich war schon auf der Welt
In der nächsten Stunde schwelgt der Prof. Dr. in Erinnerungen. Die nostalgischen Ausführungen gehen von Gameboys über Disketten, bis hin zu Bands wie Nirvana. Immer wieder bekomme ich den Satz „Ja gut, das können Sie ja nicht wissen, da waren sie alle noch nicht auf der Welt“ zu hören. Mich meint er wohl nicht. Bin ich im richtigen Hörsaal? Hat ER sich im Raum vertan und nebenan findet ein „Back to the 90s-Kurs“ für Vorpubertierende statt? Nach einer halben Stunde bin ich kurz davor aufzuspringen und ihm entgegenzuschreien. Ich fühle mich etwas diskriminiert in seiner Stunde. Denn: Doch, ICH war sehr wohl schon auf der Welt und ja, ich konnte sogar bereits lesen!
Happy Birthday: Das Partyleben ist zurück
Die ersten zwei Tage Vorlesungen überstanden: Juhu, die erste „Sause“. Mit dem Studiengang geht´s auf zum Feiern. „Ich bin ein Ersti“ wird das Motto meines Abends. Fühlt sich schon toll an plötzlich ein Jahrzehnt zurück zu springen. Auch wenn nur gefühlt. So bringt der Abend den ein oder anderen Flirt mit einem frisch gebackenen Abiturienten mit sich… was ein Jungbrunnen diese FH! Neben dem Studienstart gibt es auch gleich den Geburtstag meiner neuen Mitstudentin zu feiern. Wie alt sie wird? Ja, das hat mich kurz schockiert. Wir feiern um Mitternacht ihren 18. Geburtstag. Mache ich mich strafbar, wenn ich mit ihr schon vor zwölf Wodka trinke? Fragen über Fragen.
Wortschatz der Generation 95
Mal ehrlich: Mit 29 Jahren fühlt man sich nicht alt, zumindest geht mir das so. Und der Altersunterschied zum Rest der Leute im Semester ist auch nicht übertrieben groß. Da wir zudem ein bunt gemischter Haufen sind, ist von jedem Jahrgang etwas dabei – auch wenn ich die Spitze des Haufens bin. Das neue Studieren bedeutet aber für mich nicht nur Vorlesungsstoff pauken. Den Wortschatz der Generation 95 kennenzulernen und zu erforschen, wird bald mein Hobby. Die Bezeichnung für einen attraktiven Mann kannte ich bislang unter „heißer Kauz“. In meinem neuen Umfeld heißt er jetzt „Scheich“ oder „Hottie“. Etwas seltsam, aber gut, damit kann ich leben.
Was bedeutet „Schimmeln“?
Die Frage „Schimmeln wir dann noch?“ bringt meinen Kopf allerdings so richtig zum Dampfen. Mir stehen die Fragezeichen auf die Stirn geschrieben und ich habe keine Ahnung, was gemeint ist. Das Kopfkino beginnt: Dass der Spruch nicht bedeutet, sich in die Sonne zu legen und zu warten bis man ranzig wird und zu stinken anfängt, ist mir schnell klar. Aber was sich dahinter verbirgt, bedarf noch einiger Recherche. Heute kann ich sagen „Klar, lass uns später bei mir treffen und rumhängen“. Aber Spaß beiseite: Auch mit 30 darf man sich an die Uni trauen und kann neben einem erfolgreichen Studium noch viele coole Leute kennenlernen – und jede Menge Spaß haben. Mittlerweile sind zwei super Jahre an der Hochschule vergangen. Mein Fazit: Yolo, ich würde es wieder wagen!
Anmerkung der Redaktion
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