700 Jahre Würzburger Rathaus

Anzeige

Katharina Kraus

7. März 2016

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Geschichte lebendig gemacht

Vor 700 Jahren kaufte die Würzburger Bürgerschaft von Ritter Kuno von Rebstock den „hof Graue Eckehard genant“. Seit 700 Jahren hat Würzburg somit ein Rathaus im Herzen der Stadt. Man findet in Deutschland wenige Verwaltungsgebäude dieser Epoche und vor allem keines, das über alle Jahrhunderte stets die gleiche Funktion ausfüllte. Aus diesem Anlass gedachte die Stadt nun mit einem großen Festakt im Ratssaal der Urkundenunterzeichnung im Jahre 1316.

Urkunden und historische Stiche

Im Ratssaal war selbst für stehende Festgäste kaum noch Platz zu finden. Festredner Prof. Dr. Rainer Leng vom Institut für Geschichte der Universität Würzburg nahm die Besucher mit auf eine kurzweilige Zeitreise. Seine Präsentation zeigte Urkunden, alte Stadtansichten, historische Stiche und durch unterschiedlichste Quellen wurde anschaulich, wie die Übergabe des Grafeneckarts damals über die Bühne gegangen sein dürfte: „Nicht als ein stiller Verwaltungsakt, sondern als feierliche Urkundenunterzeichnung mit zahlreichen Zeugen. Das Zählen der Münzen dürfte bei rund 25 Kilogramm Silber, die bar übergeben wurden, auch eine ganze Weile in Anspruch genommen haben.“

Des Weiteren arbeitete Prof. Leng heraus, dass damals für den Gebäudekomplex wohl ein moderater Preis gezahlt wurde: „Vier Töchter aus gutem Hause hätte man mit dieser Summe eine standesgemäße Aussteuer mitgegeben können“, amüsierte der Historiker mit einem ungewöhnlichen Vergleich. Auch wenn der Preis ein guter war, ohne zahlreiche Einzelspender oder auch eine Beteiligung der jüdischen Gemeinde hätte man die Summe damals nicht zusammen bekommen. Dies belegt ein kleiner Zettel zwischen den Siegeln der Urkunde, die heute im Staatsarchiv ausgestellt ist.

Symbol bürgerlicher Freiheit

Auch durch diese Großzügigkeit konnte der Grafeneckart zum „Symbol bürgerlicher Freiheit in unserer Stadt“ werden, wie Oberbürgermeister Christian Schuchardt in seiner Begrüßung betonte. Das Ringen um bürgerliche Selbstverwaltung sollte in den nächsten Jahrhunderten weitergehen und dramatische Rückschläge erfahren – von der Schlacht von Bergtheim bis zum Bauernkrieg. Der kompakten Geschichtsstunde von Prof. Leng schloss sich eine ebenso kurzweilige Gesprächsrunde an. 

Laut Prof. Flachenecker von der Universität Würzburg ging es in der Zeit als der Grafeneckart „städtisch“ wurde, in der damals etwa 8000 Einwohner großen Stadtgesellschaft noch wesentlich rauer zu. Damals hätte man politischen Forderungen noch mit der Mistgabel Nachdruck verliehen. Umso erstaunlicher, dass im selben Jahr auch das Bürgerspital gegründet wurde und bis heute dem gleichen sozialen Gedanken der Pflege und Betreuung alter Menschen verpflichtet ist.

Historische Fotos auf Würzburg Vintage

Für alle, die noch mehr Historisches von Würzburg sehen möchten, gibt’s seit neuestem unsere Facebook-Seite Würzburg Vintage! Schaut doch mal vorbei und lasst Euch beeindrucken.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg.

Banner2
Topmobile2