Von Würzburg ins erdnahe Weltall: Experiment in 100 Kilometern Höhe

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Würzburg erleben

7. März 2016

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Ein Gastbeitrag des „RaCoS“ Teams

Die Erde aus einem neuen Blickwinkel

Das Experiment „RaCoS“ lernt durch fünf Studenten der Universität Würzburg die Erde aus einem anderen Blickwinkel kennen und versucht dabei im Rahmen des REXUS/BEXUS-Programms eine kostengünstige Lageregelung für Raumfahrzeuge zu ermöglichen.

Würzburger Experiment in 100 km Höhe

RaCoS ist Teil des deutsch-schwedischen Studentenprogrammes REXUS/BEXUS, was für „Raketen/Ballon-Experimente für Universitäts-Studenten“ steht. Es bietet Studenten die Möglichkeit, wissenschaftliche und technische Experimente unter weltraumähnlichen Bedingungen zu testen. Jährlich starten zwei REXUS Raketen und zwei BEXUS Ballons vom schwedischen Esrange Space Center aus. Die Rakete, mit der das Würzburger Experiment fliegen wird, ist ungefähr sechs Meter lang und hat einen Durchmesser von 36 Zentimetern. Sie erreicht je nach Masse der Nutzlast eine Flug-Höhe von bis zu 100 Kilometern.

RaCos – Was genau ist das?

RaCoS steht als Abkürzung für Rate Control System. Dieses System soll die Drehrate der REXUS Höhenforschungsrakete um die eigene Längsachse reduzieren und kontrollieren. Dazu wird ein Kaltgassystem entwickelt, dessen Hauptkomponenten der Druckbehälter und Ventile sind. Die Ventile sollen dabei von einem Kontroll-Algorithmus über einen Mikroprozessor angesteuert werden und den Gasfluss regeln. Durch das ausgestoßene Gas wird ein Rückstoß erzeugt, der die Drehrate beeinflusst. Wir hoffen durch unser System die Milligravitation an Bord der REXUS-Rakete zu verbessern, was anderen Experimenten Vorteile verschafft. Außerdem kann die Erfahrung, die durch das Projekt gewonnen wird, für universitäre Satelliten genutzt werden. Nach einem erfolgreichen Flug mit REXUS 22 soll das System angepasst und verkleinert werden, um für kleine Satelliten eine kostengünstige Alternative zu anderen Lageregelungssystemen darzustellen.

Die Meilensteine

Das Experiment RaCoS wird auf der Höhenforschungsrakete REXUS 22 im Frühjahr 2017 fliegen. Bis dahin müssen wir neben der Konstruktion und dem Aufbau des Systems sogenannte Reviews bestehen, bei denen der aktuelle Stand des Experiments vor einem Komitee aus Experten vorgestellt und diskutiert wird.

Mitte Februar reisten bereits vier unserer Teammitglieder für die „Student Training Week“ nach Kiruna (Nordschweden) um ihr vorläufiges Design zu präsentieren. In dieser Woche kamen alle Teams, die von den Organisatoren ausgewählt wurden, im Esrange Space Center zusammen. Nicht nur durch interessante Vorträge, wie beispielsweise technisches Zeichnen, Software Design und Management wurde uns Hilfe geboten: In einer „Ask-your-Expert“-Stunde konnten wir uns mit spezifischen Fragen an Spezialisten wenden.

Wegen der nördlichen Lage der Raketenbasis konnten wir das faszinierende Spektakel der Polarlichter am Nachthimmel genießen. Am letzten Tag wurde die Chance genutzt die Mine von Kiruna zu besuchen, welche als größtes Eisenerz-Bergwerk weltweit gilt. Auch das berühmte Eishotel in Jukkasjärvi durften wir besichtigen und dort die kunstvollen Eisskulpturen bewundern.

Das Team

Unser Team besteht aus fünf Studenten der Luft- und Raumfahrtinformatik. Florian Wolz übernimmt das Management des Projekts und ist für die Elektronik und die Mechanik verantwortlich. Marion Engert leitet die Öffentlichkeitsarbeit und hilft bei der Mechanik. Dennis Kaiser ist für das Testen des Systems zuständig und hilft bei der Konstruktion. Tobias Zaenker und Tobias Wahl entwickeln die Software. Unterstützt werden wir von Professor Montenegro und dem Lehrstuhl der Informatik VIII der Universität Würzburg nicht nur durch Expertise und Wissen, sondern auch durch das Bereitstellen von Laboren und Räumlichkeiten.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an:redaktion@wuerzburgerleben.de.

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