Drittklässler entwickeln Hundehaufen-Roboter
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Würzburg erleben
8. März 2016

Symbolbild Schweinfurt
Weltretter aus Schweinfurt
Die Schüler der Klasse 3 der Auen-Grundschule können sich ab sofort Weltretter nennen. Sie nahmen am ZEIT Leo Weltretter Wettbewerb teil und setzten sich mit ihrem Schweinirobo gegen mehr als 70 Schulen durch. Wir haben hierzu die verantwortliche Lehrerin Daniela Behr befragt, welche begeistert über das Engagement der Schüler berichtet.
Hundekot auf Spielplätzen
Am Schuljahresanfang waren die Schüler der Klasse 3b der Auen-Grundschule außer sich: sie sind auf das Spielen auf Spielplätzen angewiesen und auch dort, nicht nur auf dem Schulweg, gab es immer wieder Hundekot. Eine Woche später, am 9. Oktober, berichtete der Nachrichtendienst der Klasse von der Aktion des OB „Knöllchen für Kot“. Auch der Oberbürgermeister sah, unabhängig vom Aufruhr in der Klasse, das Problem und wollte daran arbeiten. Schon bald kam in der Klasse von Daniela Behr eine Diskussion auf: Die Schüler hatten Fragen über Fragen.
Gedankenblitz und Fleißarbeit
Beim Philosophieren gab es schließlich einen Gedankenblitz, berichtet Daniela Behr: Ein Roboter, der den Hundekot beseitigt musste her. Diese Idee ließ die Klasse 3b der Auen-Grundschule nicht mehr los. In unzähligen Fleißarbeiten wurden Skizzen angefertigt und Roboter aus allen möglichen Materialien gebaut. Obwohl das Thema „Wald“ im Lehrplan stand, zeigten die Kinder kein Interesse an Tieren und Bäumen. Täglich kamen die 3-Klässler mit neuen Robotern. Des Weiteren gab es laut der Lehrerin Erklärungsversuche, wie ihrer Vorstellung nach so ein Roboter funktioniert – die am Anfang noch sehr kindlich waren, da sie den Roboter personalisierten.
Kinder euphorisch
Die Lehrerin dachte zunächst, dass all die Ideen wohl Kinderphantasie bleiben werden. Doch sie sollte sich täuschen. Nach einem desinteressierten Unterrichtsgang mit dem Förster und einer schlecht ausgefallenen Waldprobe gab sie sich geschlagen. „Im Internet machte ich mich schlau und gab den Kindern den Auftrag, sich über die Funktion eines Roboters zu informieren. Manche Kinder benutzten dazu das Internet, andere liehen sich Bücher aus, wieder andere befragten Erwachsene. Ein Kind hatte am Morgen sogar ihren Vater, einen Ingenieur, im Schlepptau“, erinnert sich die Lehrerin. Auf einem Schulwegplan hatten die Kinder die von ihnen gesichteten Hundehaufen markiert. Sie legten ihrer Lehrerin sogar Beweisfotos von Hundehaufen auf’s Pult, die sie aufgenommen und farbig ausgedruckt hatten.
Wissenswerkstatt unterstützte die Kinder
Nachdem der Roboter mit dem Lehrplan abgestimmt war, ging es ans Werk: Bei der Programmierung unterstütze die Kinder Mirjam Falge, eine Mitarbeiterin der Wissenswerkstatt in Schweinfurt. Sie nahm die Herausforderung an und entwickelte ein für die Kinder leicht zu programmierendes Programm. Unter Anleitung von Frau Falge lernten die 3-Klässler erste Programmierschritte. Es wurde in Zweierteams eigenständig die Fahrtstrecke durch die Berechnung der Anzahl der Umdrehungen bestimmt, die Fahrtrichtung sowie die Geschwindigkeit eingestellt, Drehungen vorgesehen und die Rückfahrt zum selben Ort programmiert. Beim einem zweiten Termin kam die Farberkennung dazu, damit der Roboter die Hundehaufen auch findet.
Schweinirobo war geboren
Den Roboter tauften die Kinder auf den Namen „Schweinirobo“. Das hat laut Daniela Behr verschiedene Gründe: „Zum einen sind wir hier in Schweinfurt, zum anderen finden zumindest die Kinder, sind die Leute, die Häufchen liegen lassen „Schweine“. Außerdem sind Schweine eigentlich saubere Tiere und der Roboter macht die Straßen auch wieder sauber.“
Vorstellung der Idee in Hamburg – Foto: Andreas Henn für DIE ZEIT
So funktioniert der Roboter
Der Roboter wird, laut Daniela Behr, durch Knopfdruck, momentan noch nicht mit der Handy-App, gestartet. Dann fährt er los und erkennt durch einen Farbsensor Braunes. Sobald er etwas gefunden hat, ertönt ein Alarm. Ein Hebel wird ausgefahren, mit welchem das Häufchen auf die Schaufel transportiert wird. „Leider kann er die braunen Schuhe des Leiters der Wissenswerkstatt Daniel Thiel noch nicht von Hundehaufen unterscheiden“, spaßt die Lehrerin. Er ist so programmiert, dass er nach verrichteter Arbeit zum Ausgangsort zurückfährt. In der fiktiven Welt der Kinder ist das die Waschstraße.
Schweinirobo besucht „Die Zeit“
Als die technische Umsetzung klar war, flatterte der Schule die Wettbewerbsausschreibung der Verlagsgruppe „Die Zeit“ ins Haus. Ihre Kollegin Jana Schmitt entwarf mit den Schülern die Handy-App, mit deren Hilfe der Schweinirobo gestartet werden könnte. Die Wettbewerbsunterlagen inklusive Dokumentation wurden Ende Januar abgeben.
Auf geht’s nach Hamburg
Von der Siegesfahrt nach Hamburg erfuhr die Lehrerin kurze Zeit später per Telefon. Die Schüler selbst wurden nach den Faschingsferien informiert. „Wir hatten eine Tafelanschrift mit „3a, 3b – Champions, auf geht’s nach Hamburg!“ vorbereitet und Kindersekt kalt gestellt. Alle fanden wir hatten eigentlich schon gewonnen – die Fahrt nach Hamburg und die erste Übernachtung für viele Kinder“, erinnert sich Daniela Behr. Und den Sieg holten sich die Kinder in Hamburg tatsächlich.


