Ein Leben ohne Kleingeld?

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Katharina Kraus

4. April 2016

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Das Kleve-Experiment

Der Geldbeutel ist schwer und platzt fast schon aus allen Nähten – es sind mal wieder viel zu viele Münzen im Kleingeldfach! Nur 1- und 2-Cent Münzen, echt lästig, oder? In der niederrheinischen Kleinstadt Kleve hat sich der Einzelhandel überlegt, das lästige Kleingeld einfach abzuschaffen. Mit dem Ziel, Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus den Kassen zu verbannen, sehen sich die Klever Einzelhändler in einer bundesweiten Vorreiterrolle. Laut einem Artikel der Welt, runden die Händler die Endsumme auf dem Kassenbon auf Fünf-Cent-Beträge auf oder ab, statt centgenau das Wechselgeld herauszugeben aber nur, wenn die Kunden einverstanden sind.

Stadtmarketing Würzburg dagegen

Wäre diese Idee auch etwas für Würzburg? Als Stadtmarketing halten wir von einer Bargeld-Abschaffung gar nichts, weder im Großen, also d.h. Zahlung nur noch bargeldlos, Abschaffung der 500-Euro-Scheine, Barzahlungsgrenze bei 2.000 oder 5.000 Euro, noch im Kleinen wie in Kleve mit den 1- und 2-Cent Münzen,“ sagt Wolfgang Weier, Geschäftsführer des Stadtmarketing „Würzburg macht Spaß“ e.V.

Deutsche lieben Bargeld

Schon 2013 hatte die EU-Kommission eine Untersuchung vorgelegt, mit der sie die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen zur Debatte stellte, weil die Kosten der Münzproduktion den Wert der Münzen übersteigen. Ohne Erfolg, die Mehrheit der Menschen im Euroraum wollte die Abschaffung nicht. Dies gilt im besonderen auch für die Bundesbürger, wie die Bundesbank herausgefunden hat. Wir lieben eben unser Bargeld. 

Spendenboxen für die Münzen

Wolfang Weier ist überzeugt, dass dieses Experiment in größeren Städten nicht durchgeführt werden könnte: „In den Metropolen ist der Wettbewerb viel zu groß. Auch für große Unternehmen mit mehreren 1000 Kunden am Tag könnte die Abschaffung problematisch sein, denn deren Kassensysteme sind nicht auf Rundungen ausgelegt. Allenfalls kleine Händler können sich an so einer Aktion beteiligen.“ Darüber hinaus haben Preise wie beispielsweise 9,99 Euro auch noch eine psychologische Dimension: Das Produkt kostet eben nicht 10 Euro, also nicht einen zweistelligen Betrag, sondern knapp darunter.

An vielen Kassen stehen Spendenboxen, in die Kunden ihr herausgegebenes Rückgeld einwerfen können. Gerade Kleinbeträge zwischen 1 und 10 Cent werden dort gerne karitativen Zwecken zugeführt. Den Wohltätigkeitsorganisationen würden mit der Abschaffung des Kleingeldes auch große Summen entgehen.

„Wer den Pfennig nicht ehrt“

„Es gab einmal das Sprichwort „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“. Ich denke, diesen Satz hat jeder ehrbare Würzburger Kaufmann nach wie vor verinnerlicht – wie auch die meisten Kunden: in diesem Fall ist die fränkische Mentalität der schwäbischen in Punkto Sparsamkeit sehr ähnlich,“ so Weier.

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