Hotel Mama: als Erwachsener im Kinderzimmer

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Würzburg erleben

18. April 2016

Symbolbild Schweinfurt
Symbolbild Schweinfurt

Symbolbild Schweinfurt

Daheim ist es am schönsten

Viele junge Erwachsene unter 30 Jahren wohnen noch zu Hause oder kehren nach einem Auszug in die elterlichen vier Wände zurück. Laut eines Artikels der Welt wohnt sogar beinahe jeder zweite junge Deutsche zwischen 18 und 29 Jahren im Elternhaus (nach Zahlen des statistischen Bundesamtes).

Auch rund um Schweinfurt finden wir etliche solcher Nesthocker – die an Auszug gar nicht denken. Doch was steckt hinter dem Festhalten am „Kinderzimmer“: Unselbstständigkeit, Geld sparen oder doch etwas ganz anderes? Ein FHWS-Student in Schweinfurt hat uns erklärt, warum er sich jetzt noch nicht von seinem Zuhause lösen möchte.

Nicht nur Nebenjob sparen

Markus (Name durch die Redaktion geändert) ist 29 Jahre alt, studiert an der FHWS in Schweinfurt und wohnt noch bei seinen Eltern – in einem kleinen 500-Seelen-Ort. Für seine Vorlesungen fährt er tagtäglich mit dem Auto rund 30 Kilometer nach Schweinfurt. Doch warum nimmt man das auf sich? Gründe gibt es laut ihm viele: man hat keine Mietkosten, Freunde, Eltern und Bekannte sind in der direkten Umgebung, es besteht eine große Verbundenheit zum Geburtsort und das Landleben findet Markus sowieso schöner als das Stadtleben.

„Auch der Kühlschrank ist meistens voll – ja und die Wäsche machen die Mainzelmännchen“, fügt er mit einem Grinsen hinzu. Für ihn ist das Wohnen im elterlichen Kreise eine einfache Gleichung: „Geringere Kosten bedeuten kein Nebenjob, was mehr Lern- und Freizeit bedeutet“.

FH-Studenten fühlen sich zu Hause wohl

Markus ist kein Einzelfall. Laut ihm wohnt die große Mehrheit seiner Mitstudierenden ebenfalls noch zu Hause. „Dies könnte darin begründet sein, dass Schweinfurt „nur“ eine FH ist und keine Universität. Die meisten Studenten kommen aus dem näheren Umfeld, bzw. aus der Region“, erklärt uns der FH-Student. Für das Studium ist ein sehr kleiner Anteil seiner Kommilitonen wirklich nach Schweinfurt gezogen.

Gute Jobaussichten statt Party

Auf die Frage, woran es liegen könnte, dass viele seiner Kommilitonen noch zu Hause wohnen antwortet Markus: „Meine persönliche Meinung dazu ist, dass Schweinfurt eine Stadt zum Arbeiten ist. Wenn es um Freizeitmöglichkeiten geht, wird Schweinfurt immer direkt mit Würzburg verglichen. Bei diesem Vergleich schneidet Schweinfurt natürlich sehr schlecht ab. Würzburg bietet alles was junge Menschen wollen: Nachtleben, Freizeitmöglichkeiten aller Art, Einkaufsmöglichkeiten in großer Fülle und eine schöne Altstadt“. In Schweinfurt gäbe es laut Markus hingegen nur eine Hand voll Lokalitäten, die auf die Bedürfnisse der Studenten zugeschnitten sind.

Auf der anderen Seite biete Schweinfurt aber für die meisten dort ansässigen Studiengänge hervorragende Praktikums-, Abschluss- und Jobaussichten, durch die sehr stark vertretene Großindustrie, so der Student. „Prinzipiell würde ich nicht nach Schweinfurt ziehen, sondern nach Schweinfurt zum Arbeiten pendeln“, fasst Markus zusammen.

Postgeheimnis wird ernst genommen

Oft hat es rein praktische Gründe, warum junge Erwachsene noch zuhause wohnen. Beruht es wie bei Markus nicht auf der Tatsache, dass man sich nicht von Mama und Papa lösen möchte, dann will man auch als Erwachsener wahrgenommen werden. Von seinen Eltern wird der Student wie ein Erwachsener, der sein eigenes Leben führt behandelt, erklärt er uns. Seine Briefe öffnen sie zum Beispiel schon lange nicht mehr. „Postgeheimnis ist Postgeheimnis“, erklärt er energisch.

Mama sucht keine Klamotten mehr aus

Generell hat er laut seinen Aussagen alle Freiheiten, die er auch in einer eigenen Wohnung hätte. „Klar muss man ab und an mal mit anpacken – Renovierung, Holz machen oder sonstige Kleinigkeiten – aber prinzipiell lassen mich meine Eltern mein Leben leben, wie ich es möchte“, erklärt der Student. Humorvoll fügt er hinzu: „Ich suche mir übrigens auch jeden Morgen meine Klamotten selbst zusammen und bin durchaus in der Lage Termine selbst festzulegen. Ach ja… und ich bekomme kein Taschengeld mehr!“

Auch wenn er derzeit alle Vorteile zuhause genießt, nach dem Abschluss des Studiums möchte sich Markus eine eigene Wohnung suchen. „Falls das denn irgendwann mal ein Ende nimmt“, fügt er lachend hinzu.

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