Hotel Mama: als Erwachsener im Kinderzimmer
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Katharina Kraus
19. April 2016

Symbolbild Würzburg
Daheim ist es am schönsten
Viele junge Erwachsene unter 30 Jahren wohnen noch zu Hause oder kehren nach einem Auszug in die elterlichen vier Wände zurück. Laut eines Artikels der Welt wohnt sogar beinahe jeder zweite junge Deutsche zwischen 18 und 29 Jahren im Elternhaus (nach Zahlen des statistischen Bundesamtes).
Auch bei uns finden wir etliche solcher Nesthocker, die an Auszug gar nicht denken. Doch was steckt hinter dem Festhalten am „Kinderzimmer“: Unselbstständigkeit, Geld sparen oder doch etwas ganz anderes? Ein FHWS-Student hat uns erklärt, warum er sich jetzt noch nicht von seinem Zuhause lösen möchte.
Nicht nur den Nebenjob sparen
Thomas (Name durch die Redaktion geändert) ist 29 Jahre alt, studiert an der FHWS und wohnt noch bei seinen Eltern – in einem kleinen 500-Seelen-Ort. Für seine Vorlesungen fährt er tagtäglich mit dem Auto rund 30 Kilometer in die FH. Doch warum nimmt man das auf sich? Gründe gibt es laut Thomas viele: man hat keine Mietkosten, Freunde, Eltern und Bekannte sind in der direkten Umgebung, es besteht eine große Verbundenheit zum Geburtsort und das Landleben findet Thomas sowieso schöner als das Stadtleben.
„Auch der Kühlschrank ist meistens voll – ja und die Wäsche machen die Mainzelmännchen“, fügt er mit einem Grinsen hinzu. Für ihn ist das Wohnen im elterlichen Kreise eine einfache Gleichung: „Geringere Kosten bedeuten kein Nebenjob, was mehr Lern- und Freizeit bedeutet“.
FH-Studenten fühlen sich zu Hause wohl
Thomas ist kein Einzelfall. Laut ihm wohnt die große Mehrheit seiner Mitstudierenden ebenfalls noch zu Hause. „Dies könnte darin begründet sein, dass viele Studenten aus dem näheren Umfeld kommen, bzw. aus der Region“, erklärt uns der FH-Student. Für das Studium ist nur ein kleiner Anteil seiner Kommilitonen wirklich in die Stadt gezogen.
Postgeheimnis wird ernst genommen
Oft hat es rein praktische Gründe, warum junge Erwachsene noch zuhause wohnen. Beruht es wie bei Thomas nicht auf der Tatsache, dass man sich nicht von Mama und Papa lösen möchte, dann will man auch als Erwachsener wahrgenommen werden. Von seinen Eltern wird der Student wie ein Erwachsener, der sein eigenes Leben führt behandelt, erklärt er uns. Seine Briefe öffnen sie zum Beispiel schon lange nicht mehr. „Postgeheimnis ist Postgeheimnis“, erklärt er energisch.
Mama sucht keine Klamotten mehr aus
Generell hat er laut seinen Aussagen alle Freiheiten, die er auch in einer eigenen Wohnung hätte. „Klar muss man ab und an mal mit anpacken – Renovierung, Holz machen oder sonstige Kleinigkeiten – aber prinzipiell lassen mich meine Eltern mein Leben leben, wie ich es möchte“, erklärt der Student. Humorvoll fügt er hinzu: „Ich suche mir übrigens auch jeden Morgen meine Klamotten selbst zusammen und bin durchaus in der Lage Termine selbst festzulegen. Ach ja… und ich bekomme kein Taschengeld mehr!“
Auch wenn er derzeit alle Vorteile zuhause genießt, nach dem Abschluss des Studiums möchte sich Thomas eine eigene Wohnung suchen. „Falls das denn irgendwann mal ein Ende nimmt“, fügt er lachend hinzu.

