Illegales Schneeballmarketing: Ein Blick hinter das System
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Würzburg erleben
3. Mai 2016

Symbolbild Würzburg
Insider Infos
Vor ein paar Wochen haben wir Euch vor Chat-Nachrichten gewarnt, die derzeit in Würzburg über Social Media verschickt werden und versuchen Mitarbeiter für kuriose Jobs anzuwerben – Eine gängige Methode des (illegalen) Schneemallmarketings. Unser Artikel sorgte für viel Reaktion, denn nicht nur wir wurden angeschrieben. Sehr viele unserer Leser haben ebenfalls Erfahrungen mit diesen Tricks gemacht und uns darüber informiert. Laura ist sogar für kurze Zeit in das Geschäft eingestiegen und hat uns gezeigt wie das Ganze abläuft. Damit Euch diese Erfahrungen erspart bleiben, geben wir Euch diese Insider Infos weiter!
Hinterlistige Gesprächsleitfäden
„Auf eine hinterlistige Weise und durch vorher zurecht gelegte Gesprächsleitfäden werden Leute aus Facebook angeschrieben und zu einem Event eingeladen. Um was es geht wird erstmal nicht beschrieben. Es wird lediglich ein wenig interessant gemacht, sodass man dort erscheint. Wenn man Zeit hat lässt man sich sogar darauf ein und macht bei dem Ganzen mit – so wie ich. Sofort wurden mir Dateien geschickt auf welche Art und Weise ich Leute ansprechen soll, wie ich antworte und das Business interessant mache! 100 Euro bin ich los geworden.
Von dem Geld sehe ich nie wieder was! Es handelte sich um die 90-Tage-Body-Challenge die vermarktet werden soll und es werden Produkte angeboten, die man dazu kaufen muss, für 180 Euro! Vielen jungen Menschen wurde mit der Masche Geld aus der Tasche gezogen, weil sie das viel zu überteuerte Programm kaufen, um krampfhaft abzunehmen…“, verrät Laura.
Skript on point
Deshalb hören sich alle Nachrichten also etwa gleich an. Es gibt eine Art Skript, das vorgibt welche Nachrichten zu welchem Zeitpunkt verschickt werden dürfen, wie man auf welche Antwort reagiert und welche Informationen nicht preisgegeben werden sollen. Dieser richtig geschickt organisierte Gesprächsverlauf soll dann dazu führen, dass das „Opfer“ interessiert ist und gar keinen Ausweg mehr findet. So sieht dieser Leitfaden übrigens aus:
Sportlich vs. unsportlich
Auch Lukas hat Erfahrungen mit dem Schneeballsystem gemacht. Eine gute Freundin von ihm hat ihn regelrecht reingelegt: „Ich bin wirklich schockiert, wie frühere, gute Freunde für sowas quasi ihren Arsch verkaufen und Freundschaften aufs Spiel setzen, nur des Geldes wegen. Die Firma wählt ihre Mitarbeiter, Kunden und Partner gezielt aus: Man soll dafür seine komplette Facebook Freundesliste in zwei Kategorien einteilen. Zum Einen in potenzielle Geschäftspartner, welche man mit ins Boot holt und die einigermaßen sportlich aussehen, zum Anderen in die unsportlich wirkenden Leute, denen man das Produkt verkaufen kann. Hier wird quasi jeder beliebige Mensch zum Fitnesscoach und greift, wie ich doch finde, recht fahrlässig in die Ernährung und Gesundheit der Kunden ein, obwohl die nötige Fachkompetenz komplett fehlt.“ erzählt er uns.
„Jeder Idiot wird zum Coach“
Darüber regt sich auch Lisa auf, denn das kann gesundheitliche Folgen haben: „Der größte Faktor, der mich an diesem Konzept stört und auch ärgert: Jeder Idiot kann dort mitmachen und wird dann als „Coach“ deklariert- ohne auch nur irgendeinen Plan, geschweige denn eine Schulung über richtige Ernährung oder Sport zu erhalten. Diese Personen schicken die Trainingspläne einfach nur an die Kunden weiter, geben Tipps, dass sie die Shakes trinken sollen und dafür Mahlzeiten ausfallen lassen sollen, etc. Auf lange Sicht kann dies gesundheitliche Schäden für den ein oder anderen mit sich bringen, ebenso wie eine falsche Ausführung von gewissen Übungen.
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In geschlossenen Facebook-Gruppen geben diese Coaches dann ihr gefährliches Halbwissen weiter an andere – noch weniger ausgebildete – Coaches und Konsumenten. Dann gibt es zudem viele Coaches, die Kunden anwerben, ihnen die Produkte andrehen und sie dann einfach links liegen lassen, denn das Geld haben sie ja jetzt von Ihnen. Und ganz oben kasssieren 6-7 Leute das große Geld, in dem sie einfach nur Events in allen Städten halten und weiter neue Franchisenehmer generieren.“
Vorsicht vor diesen Personen
Es wurden übrigens immer die selben Personen von unseren Lesern als Übeltäter genannt. Ihre Facebook-Profile sehen auf den ersten Blick wie jedes andere aus. Schaut man genauer hin, erkennt man, dass häufig Fotos von Fitness-Drinks oder Trainingseinheiten mit dem Verweis auf ein Team-Treffen gepostet werden. In ihren Postings findet man sehr oft positive Aussagen wie „hammer Team“ und es fällt auf, dass sie ständig irgendwelche „tollen“ Events besuchen. Erhaltet Ihr demnächst auch eine Nachricht, in der Euch klargemacht wird wie toll Ihr doch mit eurer Ausstrahlung in dieses oder jenes Team passt, sollten bei euch die Alarmglocken läuten! Unsere Tipps, um diese Nervensägen loszuwerden: Profil ansehen, ignorieren, Desinteresse zeigen und am besten auch gleich blockieren.
Blaulicht Würzburg
Alles rundum Verbrechen, Unfälle und Kriminialitäten in Würzburg und Umgebung findet Ihr übrigens auf unsere Facebook-Seite Blaulicht Würzburg sowie unter der Rubrik Blaulicht.
Anmerkung der Redaktion: Die Namen wurden von der Redaktion geändert.

