Studentenverbindungen: 160. Jubiläum des Cartellverbands in Würzburg
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Würzburg erleben
29. Mai 2016

Symbolbild Würzburg
Warnung vor Werterelativismus
Vor einem Werterelativismus hat Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Sonntag, 29. Mai, in Würzburg beim Pontifikalamt anlässlich des 160. Jubiläums des Cartellverbands der katholischen deutschen Studentenverbindungen gewarnt. „Ethische Werte können nicht allein mit einer vermeintlichen einsichtigen Logik oder einer vermeintlichen wissenschaftlichen Rationalität gefunden und begründet werden. So sind die im jüdisch-christlichen Glauben vorgegebenen und erprobten Werte Grundlagen, auf denen die Menschheit eine tragfähige gemeinsame Zukunft gestalten kann. Jenseits diktatorischer und auch demokratisch – per Abstimmungen – veränderbarer Rechtsgrundlagen ist hier ein Wertefundament der Verfügbarkeit menschlichen Zugriffs entzogen und damit beständig.“
Farbenprächtiges Bild
Über 120 Studentenverbindungen und vier befreundete Bünde aus acht europäischen Ländern nahmen mit insgesamt mehr als 1000 Personen an „diesem kleinen Katholikentag“ im Dom teil, wie es Bischof Hofmann bei der Begrüßung formulierte. „Ein so farbenprächtiges Bild hat der Dom wohl selten erlebt.“ In seiner Predigt betonte er laut Pressemitteilung, wie wichtig es sei, dass der Cartellverband sich den Prinzipien Wissenschaft, Religion, Freundschaft und Vaterland verbunden wisse. „In der heutigen pluralistischen und sich im Umbruch befindlichen Gesellschaft ist es umso wichtiger, sich auf die eigenen christlichen Grundlagen zu besinnen und sie auch umzusetzen.“ Die Begründung für die Sinnhaftigkeit moralischen Handelns finde sich nicht innerhalb ökonomischen oder wirtschaftlichen Denkens. Sie liege vielmehr außerhalb profitorientierter Strukturen und menschlicher Verfügungsmasse, hob Bischof Hofmann hervor.
Konsumverhalten versus Christentum
„Was hat verbindlichen Bestand angesichts der Infragestellung vieler alter Werte? Wie kann ein Friede gefunden werden angesichts der zunehmenden Zahl an Kriegsverbrechen, angesichts der Kriminalität, der Korruption, einer spürbar wachsenden Armut und der großen Fluchtbewegungen und Asylsuchenden, die auch zu uns kommen?“, fragte der Bischof. Das Naturrecht sei eine unerlässliche Basis der Menschenrechtspolitik, ersetze aber nicht die religiösen Sinnentwürfe der Weltreligionen. „Das heutige Konsumverhalten, das größtenteils Materialismus und Hedonismus huldigt, steht nicht nur dem Christentum, sondern auch früher ganz selbstverständlich akzeptierten Werten entgegen.“
Appell an Solidarität
Die Zehn Gebote mit ihren Geboten wie Elternliebe, Tötungsverbot, Keuschheit und Wahrheitspflicht seien für die gesamte Menschheit von Bedeutung, betonte Bischof Hofmann. Hinzu komme das im Neuen Testament überlieferte christliche Menschenbild von der Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit jedes Menschen und dessen unantastbarer Würde. Ausgefächert würden diese Grundlagen in vielen Äußerungen der Kirche. Diese appelliere unter anderem an die Solidarität mit den Armen und Benachteiligten, die Verantwortung für das Gemeinwohl und den Schutz der Familie als gesellschaftliches Fundament. „Als Christen müssen wir einem Zeitgeist wehren, der ‚Waren‘ vor ‚Werten‘ rangieren lässt. Nehmen wir unsere Berufung als Christen wahr, die christlichen Werte in einer Gesellschaft zu vertreten, die ohne diese nicht entstanden wäre, und ohne die sie keine Chance hat, zu überleben“, rief Bischof Hofmann den Gläubigen zu.
Umzug durch Innenstadt
Für die musikalische Gestaltung des Pontifikalamts sorgten der Würzburger Domchor, Solisten und Mitglieder des Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Domkantor Alexander Rüth und Domorganist Professor Stefan Schmidt mit der Missa Sancti Nicolai von Joseph Haydn und dem Halleluja von Georg Friedrich Händel. Im Anschluss an den Gottesdienst zogen die Studentenverbindungen, musikalisch begleitet von der Blaskapelle Oberschwappach, durch die Würzburger Innenstadt.
Staatsempfang mit bayerischem Innenminister
Begonnen hatte die 130. Cartellversammlung am Donnerstag, 26. Mai, mit einem Gottesdienst im Neumünster. Daran schloss sich ein Staatsempfang mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann in der Residenz an. Das Akademische Forum am Samstag, 28. Mai, in der Neubaukirche befasste sich mit dem Thema „Wissenschaft und Politik im Dialog“. Es diskutierten Dr. Petra Bahr, Leiterin der Hauptabteilung Politik und Beratung der Konrad Adenauer Stiftung, Bundesminister a. D. Professor Dr. Klaus Töpfer, Senator der Helmholtz-Gemeinschaft, Landtagsabgeordneter Oliver Jörg und Professor Dr. Matthias Stickler, Leiter des Instituts für Hochschulkunde an der Würzburger Universität. Beim Festkommers am Samstagabend im Congress Centrum Würzburg sprach Generalbundesanwalt Dr. Peter Frank zum Thema „Strafverfolgung in Zeiten des Terrorismus“
Zum Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen gehören mehr als 120 Kooperationen. Insgesamt hat er rund 29.000 Mitglieder, davon sind rund 4000 aktive Studenten.
Dieser Beitrag beruht auf einer Pressemitteilung der POW.

