Fruchtbare Beziehung: Tiepolo und Neumann

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Würzburg erleben

16. Juni 2016

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Fresko im Kaisersaal

Lang waren die Tage im Würzburger Winter für den Venezianer Giovanni Battista Tiepolo. Eigentlich hielt er sich drei Jahre lang in der Residenz auf, um erst das Fresko im Kaisersaal, dann im Treppenhaus auf den sagenhaften Gewölben Balthasar Neumanns anzufertigen. Bei kalten Temperaturen allerdings ist die Arbeit an Fresken nicht möglich und Tiepolo nahm Aufträge an.

Knallharte antike Krieger

Mit Gemälden bediente er die Oberschicht und verdiente sich etwas dazu. Aus dieser Zeit zwischen 1750 und 1753 stammen auch zwei Werke in unserer Gemäldegalerie. Wer Tiepolo kennt, erfasst gleich seinen typischen Stil: Weiche Formen, pathetische Körperhaltungen, Pastellfarben. Trotz der vermeintlichen Sanftheit geht es thematisch auf beiden Bildern um knallharte antike Krieger: um Gnaeus Marcius Coriolan, der Rom belagern wollte, es auf Anraten seiner Mutter dann aber zum Wohle aller sein ließ; und um Gaius Mucius Scaevola, der den Etruskerkönig Porsenna für die Freiheit Roms töten wollte (auch er ließ es sein – allerdings, weil er erwischt wurde).

Neumanns Wohnung

Die Akteure der Bilder zeichnen sich mit Tugendhaftigkeit, Großmut, Standhaftigkeit und Mut aus; Eigenschaften, die noch Jahrhunderte später jedem Militär zu Ehren gereichen oder ihn zumindest daran erinnern sollten. Neumann selbst gehörte als Obrist der Artillerie an. In seiner Uniform hat ihn Tiepolo auf dem Deckenfresko des Residenztreppenhauses verewigt. Für Neumanns Wohnung im Hof Oberfrankfurt waren die die zwei Ölgemälde wohl bestimmt, die heute im Museum direkt nebeneinander angebracht sind. Man kann allerdings davon ausgehen, dass sie sich entweder gegenüber hängen oder von einem Fenster getrennt sein sollten. Tiepolo überlässt in seinen Werken nichts dem Zufall – auch nicht den Lichteinfall. Wenn er schon bei der Arbeit über den geplanten Anbringungsort Bescheid wusste, richtete er die Bildkomposition danach aus. Während Scaevola also von rechts beleuchtet wird, steht Coriolan im Schatten seines Zeltes, denn die Sonne scheint links hinter ihm.

Würzburger Festung

Leider ist nicht bekannt, ob Neumann die Bilder jemals in Empfang nahm – er starb bereits im August 1753. Schade wäre es allemal, wenn nicht. Tiepolo hat ihm nämlich extra ein ganz persönliches Detail gewidmet: Auf dem rechten Gemälde mit Coriolan befindet sich mittig im Hintergrund der Maschikuliturm, den bekanntlich Balthasar Neumann technisch raffiniert ausführte – aber nicht vor den Toren Roms, sondern direkt an der Würzburger Festung.

Dieser Beitrag beruht auf einer Pressemitteilung des Martin von Wagner Museums.

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