Ein Blick hinter die Kulissen
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Katharina Kraus
7. Juli 2016

Symbolbild Würzburg
Mainfranken Theater Würzburg
Den meisten Würzburgern und auch Studenten oder Zugezogenen dürfte das größte Theater der Stadt, das Mainfranken Theater, bekannt sein. Viele haben bestimmt auch schon die ein oder andere Vorstellung besucht, sei es nun ein klassisches Theaterstück, eine Oper oder ein Musical – doch viele kennen das Gebäude an der Ecke Ludwigstraße und Theaterstraße eben auch nur von außen. Dabei ist das „ins Theater gehen“ längst nicht mehr langweilig und altbacken – ganz im Gegenteil! In jeder Spielzeit werden auch Stücke von jungen Leuten für junge Leute aufgeführt. Noch dazu gibt es speziell für Studenten tolle Ticket-Specials.
Ganz neues Universum
Die Welt hinter den Kulissen bleibt für die Zuschauer jedoch verborgen und geheimnisvoll. Wer würde nicht gern mal einen Blick in den Kostümfundus werfen oder wissen, wie das mit der Beleuchtung so funktioniert? Annika Ahting vom Mainfranken Theater bezeichnet den Backstage-Bereich sogar als ein ganz neues Universum. Es wird also Zeit, den Vorhang einmal zu lüften und ein paar Dinge zu ergründen, die nicht jeder über das Theater weiß.
Kostüme über Kostüme
Im Fundus des Mainfranken Theaters lagern unzählige Kostüme aus über 20 Epochen.Beginnend mit dem Frühen Mittelalter, über die Romantik bis hin zur Neuzeit. Hier fühlt man sich wie in einer anderen Welt und kann einen Streifzug durch die Jahrhunderte unternehmen. Daneben lagern hier auch „traditionelle Kostüme“ aus dem Asiatischen Raum, aus dem Nahen Osten, Tierkostüme, Ballett- und Phantasiekostüme, etliche Tu-Tu’s und vieles mehr!
Wenn man so möchte, kann man im Theaterfundus auch auf eine Weltreise gehen. Die Schauspielproduktion Romeo und Julia zum Beispiel, die derzeit im Theater läuft, greift das Thema „Streifzug durch die Epochen“ mit teilweise Kostümen aus der elisabethanischen Zeit perfekt auf. Woher kommt nun die Inspiration für die Kostüme? „Viel aus Filmen und Modebüchern. Aber ich recherchiere auch gerne im Internet, zum Beispiel Stichwörter, die der Regisseur mir sagt. Und manchmal auch einfach von der Straße, wenn man Leute sieht und sich denkt: ‚Ja das ist es doch, sowas wollen wir zeigen.‘ Und dann kommt die Inspiration plötzlich von jemandem, der vor einem im Café steht“, erzählt Veronica Silva-Klug, Kostümbildnerin.
Wer wirkt mit?
Ja wie viele Leute sind nun jetzt überhaupt an so einer Theaterproduktion beteiligt? Diese Frage lässt sich so generell nicht beantworten. So kann sich das Produktionsteam aus Regisseur, Bühnenbildner, Kostümbildnern und Dramaturg zusammenstellen. Handelt es sich um eine Oper, kommt auch noch die Musikalische Leitung dazu.
Dann gibt es natürlich auch noch die Assistenzen. Auch die Solorepetitoren, die am Klavier statt des Orchesters spielen, wenn Sänger, Tänzer oder Schauspieler ein Stück neu lernen oder ihre Rollen einstudieren und die Chormitarbeiter für die Musiktheaterstücke dürfen natürlich nicht fehlen. Nicht zu vergessen: Souflage, Maske, Ankleiderinnen, Schneider, Ton und Beleuchtung. Und damit ist man dann immer noch nicht bei der eigentlichen Besetzung durch die Schauspieler angelangt. Die Liste kann also endlos lang werden.
Viele hundert Lichter
In so einem Theater wird natürlich auch regelmäßig mit Spezialeffekten und spezieller Beleuchtung gearbeitet. Im Großen Haus des Mainfranken Theaters befinden sich deshalb rund 350 Scheinwerfer. Die Kammer, ein kleinerer Vorstellungsraum, hat rund 70. Im Großen Haus sind bis zu 150 Stück davon täglich im Einsatz (im Vergleich: in der Kammer sind rund 35 Scheinwerfer im Einsatz). Insgesamt bietet die Lichtanlage im Großen Haus 1.600 KW auf.
Wenn die Bühne brennt
Neben den vielen Lichteffekten gibt es in manchen Produktionen auch eine Reihe an Spezialeffekten – da knallt und brennt es schon teilweise ganz schön heftig! Im Theater-Jargon werden diese unter dem Begriff „Pyrotechnik“ zusammengefasst. Pyrotechnik auf der Bühne ist aber nicht nur der Einsatz von Feuer sondern zum Beispiel auch von Feuerwaffen, also das Abfeuern von Pistolen und Gewehren. Am Würzburger Theater gibt es drei Mitarbeiter, die die Befugnis besitzen, Spezialeffekte zu planen. Alle fünf Jahre müssen sie eine Wiederholungsprüfung absolvieren.
Die dort erworbenen Kenntnisse umfassen insbesondere Vorkehrungen zum Personenschutz. Bei ihrer Planung müssen sie vor allem darauf achten, wer wann wo auf – aber auch hinter – der Bühne ist. Denn Sicherheit geht vor! Ansonsten kann es passieren, dass das Theater überhaupt keine Genehmigung der Behörden für die Verwendung der Spezialeffekte bekommt.
Sicherheit muss sein!
Wenn die Planungen für die Spezialeffekte abgeschlossen sind, muss alles beim örtlichen Ordnungsamt und bei der Berufsfeuerwehr zur Absegnung vorgelegt werden. Angegeben werden muss dabei, was wann wie oft passiert, das heißt, wann genau ein Möbelstück Feuer fängt oder wie oft mit einer Pistole geschossen wird. Im zweiten Schritt müssen dann bei einer Ortsbegehung im Theater die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen den Verantwortlichen gezeigt und genau erklärt werden. Es müssen zum Beispiel auch die auf der Bühne getragenen Kostüme berücksichtigt werden. Falls es sich um ein leichtentzündbares Material wie Tüll handelt, gilt es natürlich nochmal mehr die Sicherheit der Schauspieler zu überprüfen.
Welche Maßnahmen letztendlich einzuhalten sind, wird genau festgehalten. Sei es Gehörschutz für bestimmte Darsteller beim Abfeuern von Waffen, extra bereitstehende Löschgeräte, weil bestimmte Brandbeschleuniger benutzt werden müssen oder die Festlegung der Anzahl der eingewiesenen Personen, die am Vorstellungsabend stets mit einer Löschdecke bereitstehen. Dieses amtliche Protokoll gibt es dann in mehrfacher Ausgabe, damit wirklich auch alle Beteiligten auf dem selben Stand sind und bei der Vorstellung nichts schief gehen kann.

