Rathenau-Diskussion: „Werden Lehrer mundtot gemacht“?
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19. Juli 2016

Symbolbild Schweinfurt
Rathenau Schüler wehren sich
Seit Wochen hält die Diskussion bezüglich der Walther-Rathenau-Schulen an. Die Stadt Schweinfurt plant, das Gymnasium bis 2024 auslaufen zu lassen. Auch die Schülerschaft meldet sich diesbezüglich zu Wort und ging bereits, mit Unterstützung der Lehrerkräfte, mit diversen Protestaktionen gegen die geplante Schließung vor.
Wurde „Schweigepflicht“ verlangt?
In den letzten Wochen fiel den Schülern und Eltern nun aber auf, dass sich die Lehrer aus dem Rathenau-Kampf mehr und mehr zurückziehen und auch Plakate verschwinden.
Die Vermutung: Lehrer und Schulleitung dürfen sich nicht mehr zum Sachverhalt äußern. Die Schüler-Mit-Verantwortung (SMV) der Rathenau Schulen möchte der Sache jetzt auf den Grund gehen und hat einen offenen Brief an Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé geschrieben:
Offener Brief an OB Remelé
Sehr geehrter Herr Remelé, in den letzten Wochen sind der SMV, den Eltern und vielen weiteren Schülern aufgefallen, dass Lehrer und die Schulleitung Ihre Meinung weniger kundtun und immer mehr darauf achten was und wie sie etwas sagen.
In den Gesprächen mit Ihnen und Herrn Montag wird diese Entwicklung verstärkt, da eine Zurückhaltung seitens der Schulleitung immer offensichtlicher wird. Die eigene Meinung tritt in den Hintergrund und es entsteht der Eindruck, dass eine „Schweigepflicht“ bzw. eine Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber verlangt wird.
Uns Vertretern der Schüler stellt sich nun die Frage: „Werden die Lehrer mundtot gemacht und wie weit dürfen sie ihre eigene Meinung zu dem Thema äußern“? Natürlich wissen wir, dass Sie als Dienstherr die Loyalität Ihrer Mitarbeiter verlangen können, aber bedeutet dies, dass diese nicht mehr ihre Ansichten teilen dürfen?
Im Unterricht bekommen wir ständig die Demokratie beigebracht und, dass die Meinungsäußerung einer ihrer wichtigsten Merkmale ist. Infolgedessen stellt sich die zweite Frage: „Wie wollen Sie, Herr Remelé, der Aufgabe gerecht werden, die Schüler zu mündigen Bürgern zu erziehen, wenn ihren Lehrern der Mund verboten wird?“. Dies steht für uns im Widerspruch, da das Rathenau in allen Bereichen Demokratie und Meinungstoleranz zeigt, gar vorlebt.
Ein weiterer Punkt den wir leider mitbekommen haben ist, dass immer mehr Plakate verschwinden und unsere Meinung nach außen ebenfalls vertuscht werden soll. Gibt es auch hier Auflagen an die Schulleitung diese Plakate entfernen zu lassen? Auch diese Beobachtung macht den Anschein, dass Sie ihre Machtposition ausnutzen, wenn nicht sogar missbrauchen.
Ein zusätzlicher Indikator für unseren Verdacht ist, dass seitens der Schulleitung keine Demonstration mehr beworben werden darf. Eine Demonstration als Mittel der Meinungsäußerung sollte doch auch für Lehrer gelten. Ist dies nicht der Fall führt dies nur zu einer gewissen Politikverdrossenheit unter den Schülern.
In zahlreichen Gesprächen in unserer Funktion als Bindeglied zwischen Schülern und Lehrern ist dieses Phänomen seitens der Schüler eine drastische und traurige Erkenntnis, da die Zukunft von Schweinfurt von klein auf von der Politik abgeschreckt wird und die Demokratie in Frage stellt. Ziel dieses offenen Briefes ist zu erfahren ob und welche Auflagen an die Lehrerschaft gestellt werden und ob es ein Redeverbot für Lehrer gibt.
Falls dies der Fall ist, würden wir auch gerne wissen, ob sie sich der Auswirkungen auf die Schüler bewusst sind, da diese weder blind noch blöd sind und die Repression unter den Lehrern wahrnehmen. Bitte beziehen Sie Stellung und geben sie uns ehrliche Antworten. Am 26. Juli 2016 um 14.00 Uhr rufen wir alle Mitbürgerinnen und Mitbürger zu einer gemeinsamen Demonstration auf um ein Zeichen für unseren Bildungsstandort Schweinfurt und Erhalt unserer Schulen, aber auch für Solidarität und Demokratie zu setzen.
Aufgrund der jüngsten Vorkommnisse und um unmissverständlich der Stadtpolitik unsere ablehnende Haltung zum Ausdruck zu bringen, sind wir gewillt nun auf dem Wichtermannplatz und damit näher am Rathaus zu demonstrieren, sobald eine Zusage des Rathauses vorhanden ist.
Aufgrund des Wochenmarktes ist eine Demonstration direkt vor dem Rathaus während der Stadtratssitzung nicht möglich. Unter dem Motto „Rettet unsere Schulen, sonst knallt’s“ werden wir Luftballons zum Platzen bringen bzw. mit guten Wünschen steigen lassen. Außerdem erwarten Euch wieder mitreißende Reden und eine tolle Stimmung. Erschöpft aber nicht Geschlagen die SMV der Rathenau Schulen.
Hintergründe und Infos
Eine Antwort auf ihr Schreiben erhielten die Schüler bisher nicht, so die SMV. Weitere Infos, Hintergründe und eine Stellungnahme der Schülerschaft, sowie des Stadt Schweinfurt zur Rathenau-Diskussion gibt es hier.


