Nach Todesfahrt: Polizei kämpft gegen Twitter-Spekulationen
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27. Februar 2017

Screenshot: twitter.com/PolizeiMannheim
Autofahrer rast in Menschengruppe
HEIDELBERG. Ein Autofahrer rast am Samstagnachmittag, kurz vor 16 Uhr, am Bismarckplatz in Heidelberg in eine Gruppe Menschen. Direkt vor einem Bäckereiverkaufsstand. Ein Person wurde dabei tödlich, zwei weitere schwer verletzt. Während die Beamten noch am Tatort sind, meinen einige Twitter-User bereits die Herkunft des Täters zu kennen…
Direkt nach der Tat stieg der Fahrer aus dem Auto und lief mit einem Messer in der Hand auf die Beamten zu.
Da der Einsatz von Pfefferspray erfolglos blieb, konnten die Polizeibeamten den Tatverdächtigen nur noch durch einen Schuss zu stoppen.
Der 35-Jährige erlitt einen Bauchdurchschuss und wurde schwer verletzt. Die Motive für die Tat sind aktuell noch unklar.
Wilden Twitter-Spekulationen
Aber nicht nur die schrecklichen Szenen um den Bismarckplatz machten den Beamten zu schaffen.
Kaum waren ersten Details zum Vorfall bekannt geworden, war auch das Social-Media-Team der Polizei Mannheim schwer damit beschäftigt, den wilden Spekulationen auf ihrem Twitter-Kanal den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Denn vielen war es wohl wichtiger nach der Herkunft des Täters zu fragen, als sich um den Gesundheitszustand der Opfer zu erkundigen. Die Polizei Mannheim begleitete den Einsatz transparent nämlich zeitgleich.
„Laut Freunden bei der Polizei ist der angeschossene Täter von Heidelberg ein sogenannter Flüchtling“
Während also die Ermittler vor Ort damit beschäftigt waren Spuren zu sichern, Hintergründe zu ermitteln und das Fahrzeug vor Ort zu untersuchen, wussten einige Twitter-User schon mehr. So lautete einer der erste Tweets eines Nutzers „EIL: Laut Freunden bei der Polizei ist der angeschossene Täter von #Heidelberg ein sogenannter #Flüchtling“. Eine schlicht falsche Behauptung.
#Heidelberg #Bismarckplatz:
Und nun noch mal für alle:#Tatverdächtiger: Deutscher OHNE Migrationshintergrund!— Polizei Mannheim (@PolizeiMannheim) 25. Februar 2017
Die Social-Media-Abteilung der Polizei blieb gelassen, antwortete schlicht: „Nö, ist er nicht.“ Zuvor hatten die Beamten bereits deutlich klar gemacht:„Und nun noch mal für alle: Tatverdächtiger: Deutscher OHNE Migrationshintergrund!“
Dies glaubten einige User nicht und griffen die Beamten förmlich an: „@PolizeiMannheim Wie sieht der Täter aus was für Herkunft hat der Täter? Erzählen Sie die ganze Wahrheit oder halten Sie Ihr Maul.“ Den Beamten wurde Falschinformation vorgeworfen und grob wurden beschimpft.
#Heidelberg #Bismarckplatz
Mann fährt in Personengruppe, 3 Personen verletzt, Tatverdächtiger von Polizei gestellt und angeschossen. pic.twitter.com/AL9cIuZsdy— Polizei Mannheim (@PolizeiMannheim) 25. Februar 2017
Möglicherweise haben sich einzelne Nutzer dabei mehr erlaubt, als von der Meinungsfreiheit gedeckt. Die Polizei Mannheim prüft derzeit die Kommentare ob der Straftatbestand der Beleidigung zutreffen kann.
Am Ende des Tages ist es wirklich erschreckend, wie viele Nutzer dem Tatverdächtigen einfach einen Migrationshintergrund unterstellten und der Polizei vorwarfen die Unwahrheit zu sagen. Danke an die Polizei Mannheim, für den kühlen Kopf!

