Für zehn Minuten ins All

Anzeige

Würzburg erleben

7. März 2017

Das studentische RaCoS-Team der Uni Würzburg mit seinem gleichnamigen System für die Luftfahrt (von links): Tobias Wahl, Florian Wolz, Marion Engert, Tobias Zaenker, Dennis Kaiser. Foto: RaCoS-Team
09rexus-racos

Das studentische RaCoS-Team der Uni Würzburg mit seinem gleichnamigen System für die Luftfahrt (von links): Tobias Wahl, Florian Wolz, Marion Engert, Tobias Zaenker, Dennis Kaiser. Foto: RaCoS-Team

Mitte März startet die Rakete

Selbst ein System für die Luftfahrttechnik entwickeln, es mit eigenen Händen zusammenbauen und dann für eine Testphase mit einer Rakete ins Weltall schießen: Das ermöglicht das Studierendenprogramm „REXUS/BEXUS“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).Mitte März startet eine Forschungsrakete mit dem Experiment der fünf Studierenden an Bord ins All.

Mit „RaCoS“ hat sich nun schon das dritte Team der Universität Würzburg für den jährlich stattfindenden Raketenflug qualifiziert. Unterstützt wurde es dabei von Professor Sergio Montenegro, Inhaber des Lehrstuhls für Informationstechnik für Luft- und Raumfahrt.

Forschungsrakete „REXUS 22“

Richtig spannend wird es für das RaCoS-Team Mitte März. Je nach Wetterlage startet die Höhenforschungsrakete „REXUS 22“ zwischen dem 13. und 17. März. Bereits eine Woche vorher reisen die Studierenden nach Nordschweden in das Esrange Space Center. Nach einigen letzten Tests wird die Rakete dort zusammengebaut.

Mit an Bord sind noch drei weitere Experimente. „Zwischen den einzelnen Projekten darf es keine Interferenzen geben“, erklärt Tobias Wahl. Deshalb wird schon bei der Vorauswahl auf die Kompatibilität der Erfindungen geachtet. So möchte ein anderes Team zum Beispiel die Haftung von sogenanntem Geckomaterial im Vakuum testen. Verläuft der Versuch positiv, könnten in Zukunft mit dem haftenden Material beschichtete Greifarme Weltraummüll einsammeln.

Start in Nordschweden

Die Rakete selbst ist sechs Meter lang und hat einen Durchmesser von 37 Zentimetern. Sie besteht aus zwei Teilen. Hinten befindet sich der Motor, der nach dem Start abgeworfen wird. Vorne sind die vier studentischen Experimente. Sie werden in Form von Modulringen direkt hinter der Spitze der Rakete aneinander gesetzt.

Der Start findet auf einem weiträumig abgesperrten Gelände im Norden Schwedens statt. So besteht keine Gefahr, wenn die Rakete kurze Zeit später wieder zur Erde zurückkehrt. Zuvor fliegt sie mit vierfacher Schallgeschwindigkeit in eine Höhe von 90 Kilometern.

Ein langer Weg

Auf den nur zehnminütigen Testflug haben die Studierenden knapp zwei Jahre lang hingearbeitet. Im Oktober 2015 hatte das Team „RaCoS“ seine Bewerbung abgegeben. Insgesamt sechs Prüfungen musste das System bestehen. Nach der Vorstellungsrunde im November 2015 mussten die Studierenden ihr Vorhaben auf 150 Seiten ausarbeiten. Qualitätsmanagement planen, Ziele formulieren und Risiken ermitteln waren Teil dieser Arbeit.

Die Schwierigkeit des REXUS/BEXUS-Programms: Alle Tests müssen bestanden werden, um am Ende tatsächlich an Bord der Rakete gehen zu dürfen. Ein vorzeitiges Ausscheiden sei nicht unüblich. „Wir mussten glücklicherweise nie etwas an unserem System verbessern und sind immer direkt weiter gekommen“, erzählt Wolz. Dem Raketenstart blickt das Team deshalb zuversichtlich entgegen.

Nächstes Team am Start

Für den nächsten REXUS-Start im März 2018 hat sich bereits eine weitere Gruppe der Universität Würzburg qualifiziert. Unterstützt von Professor Hakan Kayal, hat das Team namens „Daedalus“ einen „Space Seed“ entwickelt, der einem Ahornsamen nachempfunden ist. Von der Rakete im All ausgestoßen, soll er atmosphärische Daten messen, die sonst mit Hilfe von Ballons in einer Höhe von 30 Kilometern ermittelt werden. Der Vorteil: Der „Space Seed“ startet bereits in einer Höhe von 90 Kilometern und braucht dank seiner Form keinen Fallschirm.

Das REXUS/BEXUS-Programm

Das REXUS/BEXUS Programm basiert auf einer Vereinbarung zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der schwedischen Weltraumbehörde (SNSB). Durch eine Zusammenarbeit mit der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) ist das Programm auch für Studierende aus anderen Ländern zugänglich. Das DLR-Raumfahrtmanagement in Bonn begleitet die deutschen Teilnehmer während der gesamten Projektzeit.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Universität Würzburg.

Banner2
Topmobile2