Ein Blick in die Eichhornstraße

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Würzburg erleben

22. März 2017

Hutgeschäft Rüttinger in der Eichhornstraße 7. Archiv: Willi Dürrnagel
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Hutgeschäft Rüttinger in der Eichhornstraße 7. Archiv: Willi Dürrnagel

Eichhornstraße 7

Unter dieser Adresse befand sich damals der „Hof zum Hufhalter“, welcher zu Beginne des 17. Jahrunderts im  Besitz des berühmten Adrianus Romanus, Kanonikus am Stift Neumünster, war.

In Folgen des großen Umbaus der unteren Eichhornstraße im Jahre 1899 wurden zahlreiche alte Häuser und Höfe abgerissen. Der Hutfabrikant Stephan Rüttinger erwarb zu dieser Zeit den Hof und errichtete an seiner Stelle die Neubauten Eichhornstraße 7 und Herzogenstraße 6.

Stephan Rüttinger

Stephan Rüttinger aus Frickenhausen am Main war schon im Jahre 1859 als Hutmacherlehrling nach Würzburg gekommen. Aus seinen hinterlassenen Aufzeichnungen ergibt sich, dass er eine sehr harte Lehrzeit durchzumachen hatte. Um 4 Uhr morgens mussten die Lehrlinge aufstehen und erst gegen 9 Uhr abends endete die Arbeitszeit. Das tägliche Lehrgeld betrug ganze 15 Kreuzer, das sind 45 Pfennig.

Vor der Jahrhundertwende wurden die Hüte noch im eigenen Handwerksbetrieb hergestellt. Im Keller waren Fach- und Tourmaschine aufgestellt, neben Werktisch, Öfen für die Bügeleisen, Farbkessel und Hutformen. Im 1. Obergeschoss wurden die Hüte bebändert und beledert und daraufhin im Erdgeschoss des Ladens verkauft.

Die damals immer stärker aufkommende Herrenhutindustrie führte im Laufe der Jahrzehnte zu einer Umstellung des Betriebs von der handwerklichen Produktion zum reinen Einzelhandel.

Familienunternehmen

Nach dem Tod von Stephan Rüttinger, führte zunächst seine Witwe Anna Rüttinger das Geschäft, das kurz vor dem 1. Weltkrieg von dem Sohn Bernhard und seiner Gattin Emma Rüttinger übernommen wurde. Der Umsicht und Tatkraft dieses Ehepaares ist es zu verdanken, dass das Unternehmen zwei Weltkriege und alle damit verbundenen wirtschaftlichen Rückschläge ungebrochen überstanden hat.

Nach der Zerstörung am 16. März 1945 führte Emma Rüttinger in einer winzigen Autogarage am Dallenberg, ungeachtet aller Schwierigkeiten und Beschränkungen das Unternehmen weiter. Nach der Währungsumstellung konnte das Unternehmen Rüttinger wieder zurück in die Innenstadt und ihren Betrieb erneut aufnehmen.

Nachdem Emma Rüttinger am 31. Januar 1957 verstarb, war es ihr vergönnt, den Tag der 100-jährigen Wiederkehr der Geschäftsgründung zu erleben. Nach ihrem Ableben, führten ihre Kinder das Geschäft weiter.

Der Artikel beruht auf Informationen von Willi Dürrnagel.

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