Feministin Alice Schwarzer provozierte in Würzburg

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Katharina Kraus

26. Mai 2017

Alice Schwarzer mit ihrer Emma-Redaktion. Foto: Bettina Filtner
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Alice Schwarzer mit ihrer Emma-Redaktion. Foto: Bettina Filtner

Kreuzberger Verhältnisse in Würzburg

Am Freitag, 12. Mai, war die Frauenrechtlerin und Buchautorin Alice Schwarzer zu Gast in Würzburg. Schon zum zweiten Mal ist sie einer Einladung der Juristischen Fakultät gefolgt, einen Vortrag vor Studierenden und Interessierten zu halten. Der Gastvortrag der 74-jährigen Journalistin beschäftigte sich mit dem Thema „Sexualgewalt, Interkulturalität und Recht“.

Am 18. Mai erschien auf der Homepage von Alice Schwarzer schließlich ein Artikel mit dem Titel „Ein Abend in Würzburg“. Hierin beschreibt die Feministin, was sie in Würzburg erlebt hat und warum sie am Ende eher den Eindruck hatte, in Berlin Kreuzberg zu sein als in der konservativen Domstadt am Main.

Überwiegend Frauen

Zu ihrem Vortrag im Audimax der Universität sind über 500 Personen gekommen, die Plätze hätten sogar nicht einmal ausgereicht, schreibt Alice Schwarzer. Der größte Teil des Publikums bestand aus Studierenden, ein kleinerer Teil aus Würzburger Bürgern, überwiegend Frauen.

Können Männer aus dem arabischen Raum die europäische Vorstellung von der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau akzeptieren? Und wie ist das Verhalten von Mann und Frau tatsächlich auch unter Deutschen? – Darum sollte es in erster Linie in dem Vortrag gehen.

Islam und Islamismus

Alice Schwarzer fügte als Beispiele die Kölner Silvesternacht und den Fall des „Ehrenmordes“ von Hameln an, so schreibt sie in ihrem Artikel. Und schon zu Beginn ihres Vortrages hätte sie mehrfach darauf hingewiesen, dass sie „zwischen dem Islam als Glauben und dem Islamismus als Ideologie strikt unterscheide(t)“. Die Frauenrechtlerin schreibt, dass sie dann von ihren Erlebnissen in Teheran, Tschetschenien und Algerien erzählt habe. Überall würden Frauen unterdrückt werden und ihnen Gewalt angetan.

„Sie sind eine Rassistin!“

Doch das interessierte besonders eine Gruppe jüngerer Frauen so gar nicht, führt Schwarzer in ihrem Artikel aus. Die jungen Frauen ergriffen das Wort. „Ich dachte, Sie reden über Feminismus“, sagte eine. „Aber Sie haben bisher nur gehetzt: Frauen gegen Männer. Und Deutsche gegen alle Algerier.“ Es ging noch weiter, so Schwarzer in ihrem Artikel: „Sie verteufeln alle Muslime“, „Sie sind eine Rassistin!“, „Sie wollen das Kopftuch verbieten“, und „Sie sind dagegen, dass Frauen sich freiwillig für die Burka entscheiden.“

„Unterstellungen und Diffamation“

Daraufhin habe Schwarzer versucht, klar zu stellen, was sie mit ihren Aussagen und Erzählungen eigentlich bezwecken wollte, so heißt es in ihrem Artikel. Sie wolle das Kopftuch zum Beispiel nicht verbieten, sondern es gehöre ihrer Meinung nach in einer Demokratie nicht in den Öffentlichen Dienst und in Schulen. In ihrem Artikel schreibt Alice Schwarzer weiter, dass sie sich eine kontroverse Diskussion zu diesen Themen gewünscht hätte, doch darum ging es ihren Gegnerinnen nicht, so Schwarzers Einschätzung im Artikel. „Es ging ihnen nicht um Fakten und Argumente, sondern um Unterstellungen und Diffamation. Eine Methode, die wir auch von Rechtspopulisten aller Länder zu Genüge kennen.“

„Terrorclique“

Doch Alice Schwarzer hätte sich an „dieser fanatischen Minderheit“ an diesem Abend in Würzburg nicht weiter gestört, schreibt sie. Wenn nicht durch die Einwände der jungen Frauen – „Terrorclique“ oder „(pseudo)linke Sekte“, wie sie sie in ihrem Artikel nennt – ein Großteil der Diskussionszeit verloren gegangen wäre und noch dazu ein Teil des Publikums diese Einwände auch noch mit Beifall gerühmt hätte, so die Frauenrechtlerin in ihrem Artikel. „Mir kommt das so vor wie in den 70er Jahren: Da hießen die Sekten KWB, KPD, ML oder Maoisten“, heißt es im Artikel der Journalistin.

Ähnlicher Tenor

Was nach ihrem Vortrag passierte, kenne Alice Schwarzer „schon seit Jahrzehnten im Überdruss“, wie sie in ihrem Artikel schreibt. Viele Studierende hätten sie nach der Veranstaltung angesprochen, alle mit ähnlichen Meinungen: „Sie haben ganz recht! Gut, dass Sie das alles einmal gesagt haben! Ärgern Sie sich bloß nicht über diese Idioten, die sind gar nicht von unserer Uni!“

Kein kritisches Denken?

Auf Nachfrage, warum dann niemand im Publikum etwas gegen die „Terrorclique“ gesagt habe, erhielt Schwarzer nur die Antwort „Die sind stärker als wir!“, so schreibt sie es in ihrem Artikel. Laut Artikel der Feministin schockierte sie dieses Verhalten der jungen Leute enorm: „Was ist da nur los an den Unis? Lernen die Studierenden denn keine Fakten mehr?! Werden sie nicht zum kritischen Denken angeleitet?! Werden sie nicht zum präzisen, faktengestützten Widerspruch angehalten?!“, kann man schließlich am Ende der Ausführungen Alice Schwarzers über ihren Besuch in Würzburg lesen.

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