Zu Gast bei Madiama Diop im Senegal
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Würzburg erleben
28. Mai 2017

Für Madiama Diop und Patenkind Serigne gab es Geschenke aus Würzburg! Foto: Stephan Behringer
Gastbeitrag von Stephan Behringer.
Ex-Panthers-Spieler
Auf den schwarzen Kontinent nach Afrika, genauer in den Senegal, – wem, wenn nicht dem Würzburger Globetrotter Stephan Behringer, über dessen „100 Länder in 10 Jahren“ – Geschichte wir bereits berichtet haben, traut man wohl am ehesten eine solche Reise zu?
Doch wie ist er überhaupt auf die Idee gekommen, Würzburgs „verlorenen Ziehsohn“, den Ex-Panthers-Spieler Madiama Diop, der aufgrund seiner nicht mehr verlängerten Aufenthaltsgenehmigung Ende Februar letztendlich freiwillig Würzburg verlies, in seiner Heimat Senegal zu besuchen?
Sprachen verbinden
Da Stephan Behringer seit nunmehr acht Jahren über „Plan Deutschland“ ein Patenkind im Senegal hat und dieses zufällig auch nur eine Stunde von Madiamas Heimatdorf entfernt lebt, kam ihm die Idee, diese beiden eher ungewöhnlichen Besuche einfach miteinander zu verknüpfen.
Der ehemalige Footballspieler Diop und Stephan Behringer kennen sich seit über einem Jahr vom internationalen Sprachstammtisch „my Würzburg language exchange“ und knüpften dort Freundschaft. Madiama selbst spricht nämlich neben zwei bis drei afrikanischen Dialekten und seiner Muttersprache Französisch, außerdem noch fließend Deutsch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch.
Acht Stunden für 250 Kilometer
Vor Ort im Senegal wurde erst einmal zwei Tage lang die Hauptstadt Dakar erkundet, bevor es mit einem Minibus in das 250 Kilometer entfernte St- Louis ging. Der Trip dauerte allerdings unfassbare acht Stunden! Dort wartete Madiama bereits seit Stunden auf den Besuch aus Würzburg. Nach einer ca. 30 minütigen Taxifahrt kam man dann spät in der Nacht in Madiamas Dorf namens Lampsar an. Das Dorf liegt kurz vor der mauretanischen Grenze.
Gefährliche Reise
Von Mauretanien aus startete damals auch Madiamas große und gefährliche Reise. 65 Afrikaner sind vor einigen Jahren mit einem nicht besonders großen Boot mit Kurs auf Teneriffa in See gestochen, welches sie zum Glück nach drei Tagen erreichen konnten. Am Steuer war Madiama, der als erfahrener Fischer gut navigieren konnte. Daraufhin folgte eine Odysee durch Spanien und Dänemark, bis er schließlich in Deutschland landete und über München und Ravensburg vor etwa vier Jahren nach Würzburg kam.
Glücklich und zufrieden
Doch zurück in das Dorf Lampsar. Am nächsten Morgen stellte Madiama seine Familie bzw. die Nachbarschaft vor, die praktisch alle zur gleichen Familie zählen. Es fallen auf jeden Fall die zahlreichen neugierigen Kinder auf, aber auch ein mittlerweile 107 Jahre alter Senegalese gehört dazu. Die Menschen hier haben nur ganz wenig, erscheinen aber alle glücklich und zufrieden und haben sicherlich eines überhaupt nicht: Stress. Es geht gemütlich zu, was natürlich auch der Hitze geschuldet ist. Um dieser etwas zu entgehen, nimmt Madiama Stephan Behringer mit zu seinem Lieblingsbaum unten am Fluss, wohin er sich gerne zum Lesen oder Nachdenken zurückzieht.
Patenkind Serigne
Am nächsten Morgen steht der Besuch bei Stephan Behringers Patenkind an, welches er seit Januar 2009 über Plan Deutschland sponsert. Er hatte sich damals den Senegal ausgesucht, da dort auch Französisch gesprochen wird, was eine lebendige Kommunikation mit dem Kind ermöglichen würde. Aber Serigne Diof, das Patenkind, spricht nur die offizielle, afrikanische Landessprache Wolof, welche aber wiederum Madiama zum Glück perfekt beherrscht!
Nach einer Vorstellung des Plan Teams vor Ort geht es schließlich in ein kleines Dorf bei Louga, wo Serigne mit seiner Familie und seinen fünf Schwestern lebt. Da die Dorfbewohner doch eher selten einen Weißen im grünen Senegal Trikot sehen, begleitet von einem Dunkelhäutigen im weißen Deutschland Shirt, stehen die beiden Männer praktisch während des ganzen Besuches im Mittelpunkt.
Deutschlandtrikot und Fußball
Für Serigne gibt es als Geschenk ebenfalls ein Deutschlandtrikot, sowie neue Fußballschuhe und einen Ball für ihn und seine Freunde. Damit die anderen Kinder nicht leer ausgehen, gibt es zudem für jeden einen Lutscher. Als Dank für den Besuch wird schließlich noch das landestypische Gericht Reis mit Gemüse und etwas Fisch aufgetischt, für Stephan Behringer allerdings nun schon den dritten Tag in Folge – aber schmecken tut es trotzdem lecker!
Ein Besuch der von Plan errichteten Klassenzimmern, Gesundheitsstation und Wasserpumpe runden den Besuch ab. Für Stephan Behringer ist es wirklich schön zu sehen, wie viel man mit einem kleinen monatlichen Betrag vor Ort helfen kann.
Unterstützung für Rückkehr
Für Madiama Diop und Stephan Behringer geht es nach dem Besuch bei Serigne weiter nach Dakar – und zwar im Jeep von Plan, sodass für fast die gleiche Strecke diesmal nur knapp die Hälfte der Zeit benötigt wird, wie am Anfang der Reise. In Dakar steht am nächsten Tag noch ein Besuch bei Caritas Deutschland an, denn über diese Hilfsorganisation wird Unterstützung für eine Rückkehr von Madiama nach Deutschland erhofft.
Des Weiteren ist die deutsche Botschaft involviert und Madiama bewirbt sich zudem bei einer anderen Hilfsorganisation namens Grünhelme, um vor Ort einen sinnvollen Beitrag leisten zu können. Leider trennen sich die Wege der beiden Freunde schon einen Tag später wieder, als Madiama Stephan Behringer am späten Abend zum Flughafen begleitet. Das nächste Treffen wird dann wieder im guten alten Würzburg stattfinden hoffen die Beiden. Wir werden sehen!
Anmerkung der Redaktion
Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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