Warum wir den Grünen Platz am Theater brauchen!
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Würzburg erleben
29. Mai 2017

Der Kardinal-Faulhaber-Platz. Foto: Pascal Höfig
Gastbeitrag von Marc Selariu, Mitglied der Grünen Hochschulgruppe.
Mit Fahrrad Gewinner
Halb fünf am Nachmittag, Berliner Ring Richtung Zellerau. Ich fahre diese Strecke seit mittlerweile fünf Jahren fast täglich um dieselbe Zeit mit dem Fahrrad. Und nach so einer Weile mache ich mir schon meine Gedanken. Hier, auf einer der wenigen Strecken in Würzburg, die mit einem vernünftigen Fahrradweg ausgestattet ist, bin ich nämlich immer der Gewinner. In kürzester Zeit überhole ich die Autos, die auf dem Röntgenring eher parken als fahren und erreiche mein Ziel bequem und ohne Verkehrschaos – und das zu jeder Uhrzeit.
„Autogerechte Stadt“ keine Zukunft
Das wundert mich: Denn ohne den motorisierten Individualverkehr hätte sich unsere Welt niemals so entwickelt – Wohlstand und individuelle Freiheit sind zu einem großen Teil der Entwicklung des Autos zu verdanken. Deshalb wurde auch das Ideal einer „Autogerechten Stadt“ vor knapp 100 Jahren zum städtebaulichen Standard erhoben. Sehe ich mich 100 Jahre später um, ist aber klar zu erkennen, dass dieses Ideal keine Zukunft hat.
Ständige Überschreitungen der Feinstaubgrenzwerte, eine starke Stickoxydbelastung, eine hohe Lärmbelastung, ständige Staus und kein Durchkommen durch die Stadt – ein Schicksal, das nicht nur Würzburg, sondern die Mehrzahl aller deutschen Großstädte ereilt. Das ist die traurige Bilanz, die in Anschauung der Realität gezogen werden muss.
Beton und höhere Temperaturen
Mehr Parkhäuser und Straßen bauen, um dafür zu sorgen, dass Autos auch den letzten Winkel einer Stadt befahren können, hat den Würzburgern in erster Linie zwei Dinge gebracht: Verstopfte Straßen und schlechte Luft. Der viele Beton und der Mangel an Grünflächen sorgen zudem dafür, dass die Temperaturen in der Innenstadt im Sommer fast 5° höher sind, als im Würzburger Umland. Es ist an der Zeit zu erkennen, dass mehr Autos in der Stadt eine geringere Lebensqualität für deren Bewohner bedeutet.
Fragt man heute die Menschen, warum sie in die Stadt gehen, dann tun sie das selten, weil sie dringende Angelegenheiten zu erledigen haben. Die meisten Menschen sind in der Stadt, um in der Stadt zu sein – um das Leben zu genießen, um Zeit mit anderen Menschen zu verbringen. Es liegt nahe, die Infrastruktur einer Stadt danach auszurichten, was von der Stadt verlangt wird und nicht umgekehrt: Eine Infrastruktur zu planen, die eine Erwartung an die Bewohner richtet.
Grüner Platz am Theater
Wenn ich mir einen Grünen Platz am Theater wünsche, dann deshalb, weil mir eine lebenswerte Stadt vorschwebt, in der die Bewohner die Freiheit haben, sich auszusuchen, welches Verkehrsmittel sie wählen, um ihre Wege zu bestreiten und sie nicht dazu nötige, ständig Abgase einzuatmen, die mit einer neuen Tiefgarage in der Innenstadt zu noch mehr Grenzwertüberschreitungen führen.
Umdenken nötig
Die derzeitige Planung sieht vor, entgegen der schlechten infrastrukturellen Lage, noch mehr Autos in die Innenstadt befördern zu wollen. Es grenzt an Sarkasmus, wenn Würzburg im Fahrradklimatest des ADFC Jahr für Jahr den letzten Platz der Bayerischen Städte belegt und trotzdem einige Politiker davon sprechen, man werde in Würzburg zum Fahrradfahren gezwungen, wenn keine neue Tiefgarage gebaut würde.
Stattdessen brauchen wir ein Umdenken, das darauf abzielt, wertvollen Lebensraum in der Stadt zurückzugewinnen und ihn den Bewohnern wieder zugänglich zu machen. Noch mehr Parkraum, der für noch mehr Verkehr in der Innenstadt sorgt ist schlicht und einfach der falsche Weg.
„Innenstadt gehört den Bewohnern“
Innovative Lösungen für lebenswerte Städte lassen sich in Hamburg, Amsterdam und Kopenhagen finden. Fahrräder und die damit verbundene Fahrradinfrastruktur sind an diesen Orten aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Ein attraktiver ÖPNV, gut angebundene Park & Ride Parkplätze am Stadtrand und viele Grünflächen lassen diese Städte zu modernen Metropolen werden. Die Innenstadt gehört den Bewohnern und nicht den Autos.
Für ein modernes Würzburg, das schon heute für den Verkehr von morgen plant, saubere Luft, weniger Staus und eine lebenswertere Stadt: Dafür brauchen wir den Grünen Platz am Theater!
Anmerkung der Redaktion
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