Ehe für alle? Das sagen die Würzburger Direktkandidaten dazu
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Würzburg erleben
29. Juni 2017

Ehe für alle? Foto: Pascal Höfig
Abstimmung am Freitag
Vier Jahre haben SPD und CDU/CSU keine Einigung in der großen Koalition zum Thema Ehe für alle finden können – jetzt soll alles ganz schnell gehen. Am morgigen Freitag, 30. Juni 2017, findet eine Abstimmung im Bundestag statt. Wir haben die Direktkandidaten aus Würzburg nach einem kurzem Statement zur Thematik „Ehe für alle – ja oder nein“ gefragt:
Paul Lehrieder, CSU
„Nach meiner Auffassung sollte es beim traditionellen Eheverständnis bleiben. Für mich ist die Ehe immer noch die Verbindung von Mann und Frau. Eine Zurücksetzung, Diskriminierung oder gar Missachtung gleichgeschlechtlicher Paare durch das Rechtsinstitut der eingetragenen Lebenspartnerschaft ist meines Erachtens nicht erkennbar.
Unabhängig von der Bezeichnung sind die rechtlichen Regelungen von Ehe und Lebenspartnerschaft bereits jetzt aneinander angeglichen (beispielsweise der gemeinsame Name, die gegenseitigen Rechte und Pflichten, die beamtenrechtliche Versorgung, das Erbrecht, der Unterhalt, die Ermöglichung von Sukzessivadoptionen). Eine Ausweitung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare lehne ich ab und werde daher bei der Abstimmung morgen im Deutschen Bundestag mit „nein“ stimmen.“
Raimund Binder, ÖDP
„Ich bin gegen die Ehe für alle. Die Ehe ist eine Verbindung zwischen Mann und Frau, vom Grundgesetz unter besonderen Schutz gestellt und als Christ glaube ich, daß diese Verbindung von Gott eingesetzt wurde.“
Prof. Dr. Andrew Ullmann, FDP
„Klares Ja! Bei der Entscheidung für die „Ehe für alle“ handelt es sich um die Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare. Homosexuelle Paare möchten nicht nur die gleichen Pflichten und Verantwortung, sondern auch die gleichen Rechte, wie z.B. volles Adoptionsrecht, haben. Nun kann sich endlich Vernunft und Offenheit gegenüber Vorurteile durchsetzen. Schade nur, dass das Umdenken so lange gedauert hat.“
Martin Heilig, Bündnis 90/Die Grünen
„Wenn morgen die Ehe für alle beschlossen wird ist das ein großartiger Tag für unser Land, die Demokratie und den Rechtsstaat. Endlich wird dem Kern unseres Grundgesetztes Rechnung getragen: „Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich.“ (Art 3 Abs. 1 GG) Die Diskriminierung schwuler und lesbischer Paare gehört nicht ins 21. Jahrhundert. Diesen Paaren die Ehe zu verweigern ist ein Ausdruck dieser Diskriminierung.
Vor einigen Jahren mussten sich homosexuelle Menschen noch fürchten Händchen haltend auf die Straße zu gehen, heute trauen sich noch wenige sie offen zu diskriminieren. Dass ist gut so. Dass es immer noch Politiker gibt, die sich offen für eine Diskriminierung wegen der sexuellen Präferenz von Menschen aussprechen, zeigt aber auf: am Ziel einer menschlicheren Gesellschaft ohne Diskriminierung sind wir noch lange nicht.
Trotzdem, wenn die Ehe für alle tatsächlich kommt, ist das ein großer, ein historischer Tag der Freude! Seit Jahrzehnten führen wir diesen Kampf für Gleichberechtigung und Anerkennung Schwuler und Lesben. Vor weniger als zwei Wochen haben wir GRÜNE eine „Roten Linie“ gezogen , dass eine Koalition auf Bundesebene ohne die Ehe für Alle mit uns nicht möglich sein wird. Damit haben wir die aktuelle Dynamik losgetreten. Es bestärkt uns als GRÜNE darin weiter konsequent für den Geist des Grundgesetztes einzutreten wo er noch nicht Fleisch geworden ist.
Den konservativen Christinnen und Christen, die die Ehe für alle für Teufelszeug halten, sage ich: Was Gott geschaffen hat, soll der Mensch nicht diskriminieren! Und alle die die Familie oder die Ehe im klassischen Sinn durch diesen gesellschaftlichen Fortschritt gefährdet sehen, sage ich: Fürchtet Euch nicht! Niemand nimmt uns etwas weg! Achten und respektieren wir alle Menschen und erkennen wir ihre Form der Liebe und Partnerschaft an. Das macht unsere Ehen und Familien doch nicht schwächer, sondern stärker und glücklicher!
Die Ehe für alle ist ein längst überfälliger Schritt und wenn sie in unserem Land endlich Wirklichkeit wird, freue ich mich zusammen mit einer übergroßen Mehrheit in der Bevölkerung und mache eine schöne Flasche Sekt auf! Glückwunsch an alle die das mit uns erkämpft haben!“
Simone Barrientos, Die Linke
„Die Ehe für alle? Ja! Seit Jahren fordert DIE LINKE, es gleichgeschlechtlichen Paaren zu ermöglichen, zu heiraten. Die sogenannte Ehe für alle ist die konsequente Umsetzung der Werte unserer Verfassung. Die auf die «eingetragenen Partnerschaften» reduzierte Lebensgestaltung homosexueller Paare haben ich stets als ungenügend und Augenwischerei angesehen. Denn dabei ging es, da bin ich sicher, nicht darum, die Ehe als Konstrukt zu verteidigen, sondern sich abzugrenzen gegen Homosexualität. Die Ehe für sie abzulehnen war immer schon der Hinweis darauf, dass Homosexualität als abwegige Liebesempfindung gelten sollte.
Wer die Ehe für Homosexuelle ablehnt, lehnt damit gleichgeschlechtliche Liebe ab. Ich freue mich wirklich, dass – noch haben wir ja kein Ergebnis – in Kürze also hoffentlich nur das zählt: Zwei Menschen, die einander lieben, die sich entschieden haben, füreinander Verantwortung zu übernehmen und in guten und schlechten Zeiten zueinanderzustehen, dürfen heiraten. Ohne Wenn und Aber.
Mit allen Rechten und Pflichten, die diese Entscheidung mit sich bringt. Unabhängig davon, welches Geschlecht der geliebte Mensch hat. Das wäre ganz wunderbar! Ich bin froh, dass es all jenen, die sich für die Ehe für alle eingesetzt haben nun gelungen ist, bis in die beiden großen Parteien hinein für Bewegung zu sorgen“.
Eva Maria Linsenbreder (SPD)
„Meine Meinung zur Ehe für alle? Ein klares Ja! Die rechtliche Gleichstellung wäre ein klares Zeichen vom aktuellen Bundestag, dass gesellschaftlicher Fortschritt gefördert und nicht blockiert wird. Im Jahr 2017 gibt es keinen Grund mehr, dass Mann und Mann beziehungsweise Frau und Frau nicht heiraten dürfen. Dies sehen auch unsere Partner in Frankreich, Belgien oder in den Niederlande so. Selbst im konservativ regierten Großbritannien ist die Ehe für Homosexuelle legal. Wir dürfen Familie und Ehe doch nicht nur anhand irgendwelcher traditioneller Rollenbilder definieren, sondern müssen sie als Ort der Geborgenheit, des Vertrauens und der Verlässlichkeit verstehen.
Warum eine homosexuelle Partnerschaft dies nicht sein soll, ist für mich nicht verständlich. Darum: ein klares Ja für die Öffnung der Ehe! Dass die Entscheidung nun am morgigen Freitag herbeigeführt werden soll, ist auch der schnellen Entscheidung unseres Kanzlerkandidaten Martin Schulz zu verdanken. Die SPD hat über die gesamte Legislaturperiode versucht, die Ehe für alle auf die Agenda der Koalition zu bringen. Wer wie Frau Merkel über 12 Jahre Blockade bei diesem Thema pflegt, um dann kurz vor der Wahl in einer 180 Grad Wende der SPD zu Unrecht Untätigkeit in diesem Bereich vorzuwerfen, darf sich nicht wundern, wenn dann Taten folgen. Ich bin mir sicher: Der morgige Freitag wird für alle progressiven Kräfte und die LGBTQ-Community ein weiterer Meilenstein zu einer modernen, offenen Gesellschaft in Deutschland.“
Fehlende Statements
Von dem Direktkandidaten Thomas Thiel (AfD) liegt derzeit kein Statement zum Thema „Ehe für alle – ja oder nein“ vor. Ein kurze Vorstellung aller Direktkandidaten aus Würzburg gibt’s hier.
Update am 30. Juni 2017, 9:45 Uhr.

