Hintergründe zur Gerichtslinde am Grafeneckart
Anzeige
Würzburg erleben
4. Juli 2017

Die Gerichtslinde am Grafeneckart. Foto Pascal Höfig
Eiche, Linde oder doch Birke?
Ende des 16. Jahrhunderts gibt es eine schriftliche Erwähnung, wie Andreas Müller eine Linde auf die Südfassade des Rathauses gemalt hat. Aber warum haben wir in Würzburg einen Baum auf dem Rathaus? Und um was für einen Baum handelt es sich? Ist er ein Erinnerungsstück oder nur Zierde? Wir haben bei Stadtheimatpfleger Hans Steidle nachgefragt.
Optische Verbindung
Der Baum auf den Mauern des Grafeneckarts ist seit der letzten Sanierung wieder klar und deutlich zu erkennen. Bei seiner ursprünglichen Entstehung sollte er vor allem eine optische und ornamentale Verbindung zwischen den romanischen Untergeschossen und den zwei neuen Obergeschossen im Renaissancestil ermöglichen. Die Aufstockung des Rathausgebäudes bekam dann durch den Laubbaum eine bildliche Verwurzelung.
Historischer Hintergrund
Das Rathausgebäude wurde früher nicht nur Hof zum Grafeneckart, sondern auch Hof zum Grünen Baum genannt. Dies verdankte es dem Baum auf dem alten öffentlichen Gerichtsplatz, an dem das Gebäude, in dem auch städtische Gerichte tagten, stand. Als die alte Linde endgültig umstürzte, zog man aus einem Trieb des alten Baums einen jungen Baum, der vermutlich bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts bestand.
Bis zu diesem Zeitpunkt stand die mittelalterliche Linde auf dem heutigen Platz zum Grafeneckart, der bis ins beginnende 17.Jahrhundert als Tagesmarkt genutzt wurde. Als 1914 der Grafeneckart einer gründlichen Erneuerung und Restaurierung unterzogen wurde, malte der Künstler Otto Rückert den Baum neu.
Er ist ein Hausnamenszeichen – Hof zum Grünen Baum – und eine historische Erinnerung – die Erinnerung an die frühere Gerichtslinde und den uralten Gerichtsplatz an der Furt durch den Main.
Mehr Historisches über Würzburger Gebäude und Geschichten aus vergangenen Zeiten gibt es auch auf Würzburg Vintage.

